Amnesty Journal 06. April 2010

Fußball...

...macht Hamdi Riad glücklich. Er lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in einem Haus in Kairo. Es hat nur ein Zimmer, zehn Quadratmeter groß. Wenn Riad hier nach der Arbeit sitzt und ein Spiel im Fernsehen ansieht, dann, sagt er, ist er glücklich. Obwohl sich Ägypten nicht qualifiziert hat, wird vermutlich auch er ab dem 11. Juni die Weltmeisterschaft verfolgen, das eine oder andere Spiel genießen und darüber seine Alltagssorgen vergessen. An seiner unsicheren Existenz in einem von Zwangsräumung und schlammigem Untergrund bedrohten Slum wird das nichts ändern.

Den Südafrikanern hat Präsident Jacob Zuma mehr versprochen als etwas Ablenkung. Die Weltmeisterschaft werde, so Zuma, "ein stolzes Erbe hinterlassen, von dem unsere Kinder und Gemeinden noch viele Jahre profitieren werden". Ein leeres Versprechen? Wir wissen es nicht. Die offizielle Rhetorik, mit der die Sicherheitsmaß­nahmen zur WM begleitet werden, jedenfalls verspricht nichts Gutes. Hoffnung machen eher Initiativen wie "Sonke", die sich für die Sicherheit von Flüchtlingen und Migranten einsetzen. Mehr zu den Fortschritten und drängenden Problemen Südafrikas außerhalb der ­Stadien finden Sie auf den Seiten 18 bis 39.

Dass Fußballspiele auch für die Menschenrechte werben können, zeigte Amnesty in Burkina Faso. Neben vielen anderen Aktionen, traten dort vor allem Frauenteams gegeneinander an, um die Kampagne gegen Müttersterblichkeit bekannt zu machen.

Zwischen Aktenbergen vermutet man keinen Rapper. Lucio Yaxon aber hat mitgeholfen, 80 Millionen Blatt Akten zu sortieren ­– und rappt. Der 27-jährige Guatemalteke ist Maya. Er singt von den Leidensgeschichten, die sich in den acht Regalkilometern des wiederentdeckten Polizeiarchivs verbergen, von der Hoffnung auf eine ­bessere Zukunft und vom Lebensgefühl der Kolonisierten.

Zu einer ganz anderen Stilrichtung gehört die Musik von Tamikrest. Aber auch die Band aus Mali verarbeitet in ihren Songs die Erfahrung der Nachkommen von Kolonisierten, die sich noch heute in ­ihren Gesellschaften an den Rand gedrängt fühlen. In ihrem "Tuareg-Rock" ­verschmelzen sie europäische Einflüsse und traditionelle ­Melodien zu einem mitreißenden Sound.

Auf eine Neuerung möchte ich Sie noch hinweisen: Auf Seite 81 schreibt Monika Lüke über die Bundeswehr in Afghanistan. Sie wird künftig in jeder Ausgabe ein Thema aus ihrer persönlichen Erfahrung als Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion beleuchten. Ich ­wünsche Ihnen – Fußballfan oder nicht – eine anregende Lektüre.

Ferdinand Muggenthaler ist Redakteur des Amnesty Journals

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