Amnesty Journal 06. August 2009

Editorial: Die Kehrseite des Paradieses...

…besingt Fatou Diatta aus Berlin. Aber ihr Rap über das schwere Los der Frauen im Süden ihrer Heimat Senegal oder über die jungen Rekruten, die als Invaliden aus der Schlacht zurückkehren, klingt nicht resigniert. Aus ihren Liedern spricht die Leidenschaft für Musik und der Wille, selbst für bessere Verhältnisse zu sorgen. Diatta, alias Sister Fa, glaubt an ihre Möglichkeiten als Musikerin, gerade weil von den Politikern im Senegal niemand viel erwartet.

Von Politikern, von denen niemand viel erwarten kann, handelt auch das Titelthema dieser Ausgabe. Wir beschäftigen uns mit Staaten, die ganze Regionen ihres Staatsgebiets nicht mehr kontrollieren. Ein Beispiel ist der Osten Kongos, aus dem unser Autor Marc Engelhardt berichtet. Hier kann die Regierung ihre Bürger nicht schützen, selbst wenn sie wollte.

Oft ist allerdings schwer zu entscheiden, ob eine Regierung nicht kann oder nicht will. Wie in Nigeria, wo der Staat an der Ölför­derung verdient und beide Augen zudrückt, wenn die Industrie die Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung zerstört.

Bei allem Grauen, über das unsere Autorinnen und Autoren aus so­genannten "failing states", versagenden Staaten, berichten müssen: Sie treffen immer auch auf Menschen, die den Mut nicht verlieren. Zum Beispiel auf Musarrat Hiliali in Pakistan oder auf Noela Katembo aus dem Kongo, die versucht, inmitten der von Gewalt zerrissenen Gesellschaft neue zivile Strukturen auf­zubauen.

Ein Leben mit der Brutalität der Milizen im Kongo oder der Drogenkartelle in Mexiko können wir uns in Deutschland kaum vorstellen. Doch obwohl die Bedingungen völlig verschieden sind, eine Parallele gibt es: Auch hier lässt der Staat Lücken, die nur von engagierten Menschen geschlossen werden, die die Sache selbst in die Hand nehmen. Etwa indem sie die Gesundheitsversorgung für Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere organisieren. (S.60)

Vielleicht haben Sie sich über das neue Gesicht auf dieser Seite gewundert. Anton Landgraf, der normalerweise das Amnesty Journal betreut, hat sich eine Auszeit von der Redaktion genommen. Er widmet seine Aufmerksamkeit dem neuen Gesicht in seiner Familie, seinem Sohn Emil. Wir gratulieren den frisch gebackenen Eltern ganz herzlich. Gratulieren können wir ihm und der ganzen Redaktion auch für die vergangenen Ausgaben: Das Amnesty Journal gewann zweimal Silber beim diesjährigen Wettbewerb "Best of Corporate Publishing".

Ferdinand Muggenthaler ist Redakteur des Amnesty Journals

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