Amnesty Journal Simbabwe 29. Januar 2009

"Wir arbeiten mehr und mehr im Untergrund"

Ein Gespräch mit Magodonga Mahlangu von der ­Menschenrechtsorganisation WOZA über die Perspektiven nach dem gescheiterten Abkommen
zwischen Regierung und Opposition in Simbabwe.

Noch im September 2008 sah es so aus, als hätten sich Zanu-PF und MDC auf eine politische Lösung für Simbabwe geeinigt. Wie hat sich die Situation seitdem entwickelt?
Über das Abkommen zwischen Mugabe und der Opposition brauchen wir nicht zu reden, es hat nur auf dem Papier existiert. Die Menschen auf der Straße haben das von Anfang an mit einer gehörigen Portion Zynismus betrachtet. Sie haben gesagt: Der Verursacher des Problems, Robert Mugabe, kann und wird das Problem nicht lösen. Als Menschenrechtsaktivisten machen uns die festgefahrenen Verhandlungen natürlich Sorgen. Bis es ein Ergebnis gibt, sind die Menschen an Cholera gestorben und verhungert, und die Zukunft unserer Kinder ist komplett zerstört.

Unter welchen Bedingungen hat WOZA in den vergangenen Monaten gearbeitet?
Die Menschen in Simbabwe leben in Angst – vor der Cholera und dem Hungertod, weil sich niemand um sie kümmert. Zudem haben sie Angst davor, willkürlich verhaftet zu werden. Simbabwe ist ein Unterdrückungsstaat, die Polizei ist ständig mit neuen, ungesetzlichen Operationen beschäftigt. Und die werden nicht etwa angekündigt – man erfährt es dann, wenn man plötzlich in Haft sitzt. Wir als Menschenrechtler haben dieselben Ängste, aber wir haben keine andere Wahl, als für unsere Rechte zu kämpfen. Wir machen die Gesetzlosigkeit publik. Dafür versucht uns die Regierung zum Schweigen zu bringen, aber das ist nun einmal der Preis, den wir dafür zahlen, die Welt zu alarmieren.

Sie sind zusammen mit WOZA-Aktivistin Jenni Williams im vergangenen Oktober verhaftet worden.
Ja, weil wir öffentlich gefordert hatten, die Regierung solle den Notstand ausrufen, damit internationale Hilfe nach Simbabwe fließen kann, bevor die Menschen verhungern. Das war das Verbrechen, für das wir drei Wochen im Gefängnis saßen und für das wir jetzt angeklagt sind.

Sind Sie im Gefängnis misshandelt worden?
Nicht körperlich, aber es war eine schwierige Zeit. Wir mussten die Zelle mit anderen Gefangenen teilen, es gab Läuse, oft kein Wasser – Sie können sich die hygienischen Zustände vorstellen. Und wenn einem niemand Essen ins Gefängnis bringt, dann hungert man.

Haben Sie derzeit politische Aktivitäten geplant?
Wir erwarten ein schwieriges Jahr. Je schwieriger die Lage wird, desto höher ist das Risiko für uns. Soweit ich informiert bin, sind derzeit keine WOZA-Mitglieder in Haft. Nicht, weil sie derzeit sicher sind, sondern weil sie sehr vorsichtig sind. Wir arbeiten mehr und mehr im Untergrund, klären Menschen über ihre Rechte auf, helfen ihnen, irgendwie das Leben zu bewältigen.

Für viele Simbabwer war das vergangene Jahr eine politische Achterbahnfahrt, die enttäuschend endete. Woher sollen sie dieses Jahr die Kraft zum Widerstand finden?
Ich denke, als WOZA waren wir sehr effektiv, als es darum ging, die Menschen zu motivieren, zur Wahl zu gehen. Und sie sind zur Wahl gegangen, für die Zukunft ihrer Kinder. Aber dann wurde das Ergebnis immer weiter hinausgezögert, und schließlich sind Menschen für ihre Stimme getötet oder verstümmelt worden. Das war eine große Enttäuschung. Aber wir müssen den Menschen klar machen, dass es im Sinne des Regimes ist, wenn sie jetzt aufgeben und die Hoffnung verlieren. Wir müssen uns selbst aus dieser Situation befreien. Wir können nicht im Stillen leiden.

Interview: Corinna Arndt

Magodonga Mahlangu leitet gemeinsam mit Jenni Williams die Menschenrechtsorganisation »Women and Men of Zimbabwe ­Arise« (WOZA). Die Organisation wurde im vergangenen November mit dem Amnesty ­International Menschenrechtspreis 2008 ausgezeichnet.

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