Kultur Syrien 27. Februar 2019

Kinostart für Dokumentarfilm "Of Fathers and Sons"

Mann sitzt auf einem Teppich umgeben von Kindern. Alle blicke Richtung Kamera.

Szene aus dem Dokumentarfilm "Of Fathers and Sons"

Ab dem 21. März läuft der neue Dokumentarfilm von Regisseur Talal Derki in den Kinos. Zwei Jahre begleitete er dafür die Kinder eines syrischen al Nusra-Kämpfers. So entstand ein aufrüttelndes Porträt des Bürgerkrieges.

Von Jürgen Kiontke

Er habe in ein schwarzes Loch geschaut, sagt der mittlerweile in Berlin lebende Regisseur Talal Derki über die zwei Jahre, die er bei islamistischen Kämpfern im syrischen Bürgerkrieg verbracht hat. Mit der Kamera protokolliert er das Leben des al-Nusra-Mitgründers Abu Osama und das seiner Söhne, wurde quasi Teil des Familienlebens.

Abu Osama, der davon lebt, Bomben zu entschärfen und die Zünder weiterzuverkaufen, auf dass sie in neuen Bomben neuen Schaden anrichten, träumt vom Kalifat. "Gerecht und friedlich" werde es sein. Ein Frieden, den niemand mehr stört, weil nichts darin lebt. Seine Söhne, der 12-jährige Ayman und der 13-jährige Osama, sollen ihm bei der Einrichtung dieser Todeszone helfen, ihre berufliche Zukunft ist vorgezeichnet: Sie werden islamische Gotteskrieger.

Ayman und Osama stehen am Ende ihrer Kindheit. Gewalt beherrscht die Kommunikation. Ihre alterstypischen Prügeleien haben vor dem Hintergrund des Krieges einen besonderen Charakter. Bald übersiedeln sie in ein Ausbildungscamp. Die Soldaten lassen sie unter Stacheldraht hindurchkriechen, durch Röhren und durchs Wasser. Es wird scharf geschossen. Die Ausbildung ist hart und gefährlich und soll es auch sein. Die Jungen rezitieren den Koran, wenn sie nicht trainieren.

Dies ist ein Film über junge Menschen, die in Not aufwachsen. Der eigene Vater plant ihr Leben nicht lange ein, im Gegenteil. Er wünscht ihnen einen ehrenvollen Tod. Derki will herausfinden, warum junge Männer als Kampfmaschine enden. Die Jugendlichen von Syrien, die zum Krieg und sonst nicht ausgebildet werden, stehen modellhaft für eine vernachlässigte Jugend in Gebieten, die ökonomisch und politisch instabil und umkämpft sind.

Aber bei aller Radikalität und Gewalt, die dieser Film abbildet, keimt jedoch auch Hoffnung auf. Denn die Jungen lassen sich nicht völlig kontrollieren. "Wir brauchen Grips, um Sachen zu verstehen", meint Osama. Das Kämpferleben erscheint ihm auch irgendwie fade.

"Ich möchte manchmal optimistisch sein, daran glauben, dass die Kinder ein bisschen verstehen werden, was abgeht. Dass denen der Dschihad egal wird", erzählt Derki. Mit seinem Film wolle er das Gespür für die Rechte der Kinder in muslimischen Ländern schärfen, den Kreis der Gewalt durchbrechen. 

Für dieses hoffnungsfrohe Ziel seiner Arbeit verlieh ihm Amnesty International Slowenien den diesjährigen Menschenrechtsfilmpreis. Der Film war für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert.

Mehr Infos zum Film: http://www.offathersandsons-film.de/

Der Trailer zum Film auf YouTube

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