Blog 27. November 2020

Amazon: Keine Profite auf Kosten der Beschäftigten!

Menschen mit Schutzmasken gegen Corona demonstrieren, auf einem Schild steht: "Amazon made $74B during Covid, while we risk our Lives"

"Wir riskieren unser Leben": Beschäftigte des Online-Versandhändlers Amazon in der kalifornischen Stadt Hawthorne protestieren im Mai 2020 gegen fehlende Sicherheits- und Gesundheitsstandards an ihrem Arbeitsplatz.

Der Online-Versandhändler Amazon fährt während der Corona-Pandemie hohe Gewinne ein. Für Beschäftigte des Unternehmens bleiben die Arbeitsbedingungen hingegen schlecht: Gesundheits- und Sicherheitsstandards werden unterlaufen, Gewerkschaftstätigkeiten abgestraft oder unterdrückt. Anlässlich des "Black Friday" fordern Amnesty International und viele weitere Organisationen von Amazon-Chef Jeff Bezos, endlich die Gründung von Gewerkschaften zuzulassen und die grundlegenden Rechte der Beschäftigten zu respektieren.

Der Online-Versandhändler Amazon gehört zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Während etliche Firmen und Unternehmen ihre Beschäftigten in die Kurzarbeit schickten, stellte Amazon im Sommer in den USA rund 175.000 Personen ein, um den massiven Anstieg an Bestellungen bewältigen zu können.   

Im Oktober verkündete das Unternehmen einen Gewinn von 6,3 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um das Dreifache im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt. Das Unternehmen ist nach Walmart inzwischen der zweitgrößte Arbeitgeber in den USA.  

Viel Verantwortung also für Amazon-Chef Jeff Bezos, zumal dessen Beschäftigte nicht nur Konsumgüter liefern. Auch lebenswichtige Güter zählen darunter, wie Corona-Tests, die in Großbritannien an Mitarbeiter_innen in systemrelevanten Berufen versandt werden. In Kanada ist Amazon ebenfalls am Versand von medizinischer Ausstattung für das Gesundheitswesen beteiligt. 
 

Amnesty-Video über die Arbeitsbedingungen bei Amazon:

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Demgegenüber steht eine Reihe schwerwiegender Verstöße gegen geltende Standards zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Ob fehlende Schutzmasken oder mangelhafte Absicherung im Krankheitsfall: Durch die Corona-Pandemie müssen sich Amazon-Beschäftigte nun ernsthafte Sorgen um ihre Gesundheit und Existenzgrundlage machen. 

Für internationales Aufsehen sorgte deshalb der Protest des Amazon-Beschäftigten Chris Smalls, der Ende März 2020 in New York City aufgrund mangelhafter Schutzmaßnahmen einen Streik organisierte – er wurde anschließend entlassen. Als "schändlich" bezeichnete die Justizministerin des Bundesstaats New York, Letitia James das Vorgehen und ordnete eine Untersuchung an.

Amazon hat auf Druck von Gewerkschaften zwar reagiert und gewährt in den USA, Kanada und Europa nun die Erhöhung des Stundenlohns, eine "Gefahrenzulage" sowie 14 Tage Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Maßnahmen gelten jedoch nicht für alle Personen und Dienstleistende, die für Amazon Waren bearbeiten und liefern. Gleichzeitig sind sie oft an Bedingungen geknüpft, wie einen Corona-Test, den die Betroffenen nicht ohne Weiteres durchführen können.
 

Amazon-Werk hinter einem Zaun, daran hängt ein Banner mit der Aufschrift "DERECHOS!"

"Rechte!": Protestaktion von Amazon-Angestellten in einem spanischen Werk nahe Madrid im Januar 2019.

Die Kritik an Amazon wird aus diesen Gründen nicht leiser und seit dem Ausbruch der Pandemie haben auch Gewerkschaften in Frankreich, Italien, Polen, der Slowakei, Spanien und Großbritannien protestiert. So klagte die französische Gewerkschaft "Solidaires" im April erfolgreich gegen Amazon aufgrund mangelhafter Schutzmaßnahmen. Das Unternehmen musste daraufhin sechs Standorte in Frankreich vorübergehend schließen.

Noch beunruhigender sind allerdings Hinweise darauf, dass Amazon alles dafür tut, um die Gründung von Betriebsräten zu torpedieren. Berichten zufolge wird diese Strategie offenbar mit neuen Überwachungs-Technologien aber auch neuen Personalstellen vorangetrieben.  

Das US-Magazin Vice News berichtete im November außerdem darüber, wie Amazon in Europa nicht nur gewerkschaftliches Engagement der Beschäftigten überwacht, sondern auch zivilgesellschaftliche Organisationen in den Fokus nimmt, die diese unterstützen. Amazon soll darüber hinaus mit dem berüchtigten Sicherheitsdienst "Pinkerton" zusammenarbeiten, um unbequeme Amazon-Beschäftigte im Blick zu haben, die sich offen für gewerkschaftliches Engagement zeigen.  

Frau in einer rießigen Fabrikhalle, mit hunderten Karton von Amazon, die sie faltet

Ein Amazon-Logistikzentrum in New York City im Februar 2020

Leben oder Lebensunterhalt – vor diese Wahl werden Beschäftigte bei Amazon, dem reichsten Unternehmen der Welt, offenbar gestellt. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Geschäftsleitung ohne gewerkschaftlichen Druck von dieser Linie abkommt.

Deswegen ruft Amnesty International anlässlich des "Black Friday" zusammen mit "UNI Global Union", dem weltweiten Verband von Gewerkschaften im Dienstleistungssektor, und weiteren NGOs und Gewerkschaften zur Unterstützung von Amazon-Beschäftigten weltweit auf und fordert: Gewerkschaften zulassen und nicht kriminalisieren! Gesundheits- und Sicherheitsstandards verbessern! Corona-Hilfen für alle und bedingungslos gewährleisten! 

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