Kultur Deutschland 15. Dezember 2016

Die Bedeutung gesellschaftspolitischer Debatten im TV

Die Bedeutung gesellschaftspolitischer Debatten im TV

Audiovisuelle Aufklärung: Das Fernsehen als Ort des Diskurses

15. Dezember 2016 - Filme und Dokumentationen zum Thema illegaler Waffenhandel wie "Meister des Todes" und "Tödliche Exporte" machen deutlich, welche gesellschaftspolitische Rolle Fernsehen spielen kann. Am Dienstag, den 13. Dezember, wurden beide Filme bei einem Parlamentarischen Abend in Berlin gezeigt. Anschließend wurde über die Bedeutung gesellschaftspolitischer Debatten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen diskutiert. Mit dabei war auch Markus N. Beeko, Generalsekretär der deutschen Amnesty-Sektion.

Ein Krimi zu bester Sendezeit, zwei Dokumentarfilme, mehrere Magazinbeiträge und ein interaktiver Webauftritt – es war zweifellos eine spektakuläre Inszenierung, mit der sich die ARD im Herbst vergangenen Jahres dem illegalen Export von Sturmgewehren der Firma Heckler&Koch nach Mexiko widmete.

Sechs Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sahen allein am 23. September den Thriller "Meister des Todes" sowie die begleitende Doku "Tödliche Exporte – Wie das G36 nach Mexiko kam". Auch Amnesty International war von Anfang an mit dabei: In enger Zusammenarbeit mit Amnesty wurde der Spielfilm vorab in mehreren Kinos gezeigt, verbunden mit Diskussionen über die menschenrechtlichen Konsequenzen deutscher Rüstungsexport. Im März zeichnete das Grimme-Institut "Meister des Todes" wurde mit dem Grimme-Preis 2016 aus.

Ein großer Erfolg also, der dazu führte, dass der Waffenhandel auch in gesellschaftlichen Schichten wahrgenommen wurde, die sich sonst nicht mit diesem Thema auseinandersetzen. Darüber waren sich alle einig, die am 13. Dezember an einem Parlamentarischen Abend im Bundestag teilnahmen. Geladen hatten der SPD-Abgeordnete Frank Schwabe und die Grünen-Parlamentarierin Tabea Rößner in Kooperation mit dem Grimme-Institut. Der Filmemacher Daniel Harrich, der deutsche Amnesty-Generalsekretär Markus N. Beeko, der Schauspieler Heiner Lauterbach und dessen Kollegin Veronika Ferres sowie zahlreiche ARD-Vertreterinnen und -Vertreter sprachen darüber, wie dieses Projekt zustande kam und welche Konsequenzen aus den guten Erfahrungen zu ziehen seien.

"Es ist unsere Aufgabe, die Gesellschaft in den Diskurs über brisante Themen zu bringen", erklärte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Doch das, so stellte Moderator Gert Heidenreich klar, sei nicht ganz so selbstverständlich, wie es klinge. Als er zum ersten Mal das Manuskript gelesen habe, habe er nie damit gerechnet, dass der Film im Ersten laufe. "Viel zu brisant", sagte Heidenreich, der mit Harrich am Drehbuch gefeilt hat.

Dass es anders kam, lag nicht zuletzt an der Initiative einiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und dieser Einsatz kann nicht hoch genug bewertet werden. Denn solche Inszenierungen sind aufwändig: Die Arbeit kostet viel Geld, die Recherchen sind gefährlich. Zu Recht hob deshalb die SWR-Fernsehfilmchefin Martina Zöllner die besondere Rolle der ARD hervor: "Solche Projekte können nur die Öffentlich-Rechtlichen stemmen."

Just wenige Tage vor dem Parlamentarischen Abend war bekannt geworden, dass das Münchner Amtsgericht ein Verfahren gegen Harrich und seine Kollegen eingestellt hatte. Ihnen war vorgeworfen worden, in der Berichterstattung über die Waffenexporte widerrechtlich interne Dokumente veröffentlicht zu haben. "Ein Sieg für den investigativen Journalismus", daran ließ der Filmemacher keine Zweifel. Dennoch sei der Angriff geradezu nichtig im Vergleich zu dem, was er in Mexiko erleben musste. So etwa zählten zwei der Studenten, die ihn auf die Spur der G36 gebracht hätten, zu jenen 43 jungen Männern, die seit über zwei Jahren verschwunden sind.

Auch in diesem Fall arbeiteten einige Journalisten und der Filmemacher Harrich eng mit Amnesty International zusammen. Er freue sich auf mehr, betonte Amnesty-Generalsekretär Beeko mit Blick auf das ARD-Medienereignis und beruhigte die journalistischen Kolleginnen und Kollegen zugleich auf zwiespältige Weise: "Der Content wird nicht ausgehen."

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