Aktuell 07. August 2015

Mahmoud Hussein freilassen!

Folter in Ägypten
Mahmoud Hussein trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Nation ohne Folter", wurde festgenommen und gefoltert

Mahmoud Hussein trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Nation ohne Folter", wurde festgenommen und gefoltert

Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Nation ohne Folter". Und einen Schal, der an die "Revolution des 25. Januar" erinnert. Das wurde ihm zum Verhängnis. Der heute 19-jährige Student Mahmoud Hussein wurde 2014 am dritten Jahrestag des Volksaufstands in Ägypten festgenommen. Bei seiner Festnahme wurde er geschlagen. Während des anschließenden Verhörs wurde er unter anderem mit Elektroschocks gefoltert - bis er schließlich ein "Geständnis" ablegte. Mahmoud Hussein ist seit mehr als 500 Tagen ohne Anklageerhebung oder Gerichtsverfahren im Gefängnis.

Der damals 18-jährige Student Mahmoud Hussein hatte am 25. Januar 2014 an einer Demonstration gegen die Muslimbruderschaft und die Militärherrschaft teilgenommen. Bereits nach fünf Minuten wurde die Demonstration im Zentrum Kairos von den Sicherheitskräften mit Tränengas aufgelöst. Mahmoud Hussein verließ die Demonstration und nahm den Bus nach Hause in das Kairoer Viertel El-Marg. An einem Kontrollpunkt wurde er von Sicherheitskräften aus dem Bus heraus wegen seines Antifolter-T-Shirts und Schals festgenommen.

"Willkommensparty" mit Stockschlägen

Auf einer Polizeiwache wurde er immer wieder mit Stöcken geschlagen – die sogenannte "Willkommensparty" für neu eintreffende Inhaftierte. Im Verhör wurde er mit konstruierten Vorwürfen wie "Besitz von Molotowcocktails", "Mitgliedschaft in einer verbotenen Gruppierung" und "Teilnahme an einer illegalen Demonstration gegen Bezahlung" konfrontiert. Zusammen mit etwa 50 Straftatverdächtigen wurde Mahmoud Hussein in eine völlig überfüllte Zelle auf der Polizeiwache gesperrt, die eigentlich nur für 16 Häftlinge vorgesehen ist. Nach Folter mit Elektroschocks und weiteren Schlägen während eines Verhörs durch Beamte der nationalen Sicherheitsbehörde war der 18-Jährige "bereit", ein "Geständnis" abzugeben, das auf Video aufgenommen wurde.

Als Mahmoud Hussein am folgenden Tag in das Büro der Staatsanwaltschaft gebracht wurde, erklärte er, dass er gefoltert und zu dem "Geständnis" gezwungen wurde. Doch die Behörden zeigten keinerlei Reaktion: der Staatsanwalt ordnete weder eine gerichtsmedizinische Untersuchung noch Ermittlungen zu den Foltervorwürfen an. Mahmoud Hussein ist seit mehr als 500 Tagen in Haft – ohne Anklageerhebung, ohne Gerichtsverfahren. Amnesty International betrachtet Mahmoud Hussein als einen gewaltlosen politischen Gefangenen und fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung.

Für freie Meinungsäußerung eingesperrt

Unter katastrophalen Bedingungen werden in Ägypten derzeit viele Menschen monatelang ohne Anklage und ohne Gerichtsverhandlungen festgehalten. Darunter viele Jugendliche wie Mahmoud Hussein, die nur ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht, sich friedlich zu versammeln, wahrgenommen haben. Und das, obwohl der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Jugend Ägyptens als die "Hoffnung des Landes" bezeichnet und die Freilassung aller unschuldigen Jugendlichen aus den Gefängnissen angekündigt hatte.

Lesen Sie hier den Länderbericht zu Ägypten

Hier erfahren Sie mehr über unsere aktuelle Kampagne "Stop Folter"

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