Aktuell Pakistan 04. August 2015

Todesstrafe in Pakistan

Todesstrafe in Pakistan
Amnesty ist erschüttert über die Hinrichtung von Shafqat Hussain

Proteste gegen die Todesstrafe in der pakistanischen Stadt Hyderabad am 10. Oktober 2013

4. August 2015 - Pakistan hat trotz internationaler Proteste Shafqat Hussain hingerichtet. Er war im Alter von 14 Jahren verhaftet und später wegen fahrlässiger Tötung zum Tode verurteilt worden. Die Tat soll er unter Folter "gestanden" haben. Nach elf Jahren in der Todeszelle wurde das Urteil am 4. August vollstreckt

Shafqat Hussain, der wegen Entführung und fahrlässiger Tötung im Jahr 2004 zum Tode verurteilt worden war, wurde am 4. August im Zentralgefängnis von Karatschi gehängt. Zum Zeitpunkt der ihm zur Last gelegten Tat war er nach Angaben seiner Anwälte noch nicht volljährig und wurde von der Polizei durch Folter zu einem "Geständnis" gezwungen wurde.

Er war auf Grundlage des pakistanischen Anti-Terrorgesesetzes für schuldig befunden worden, obwohl ihm keine Verbindungen zu einer Terrororganisation nachgewiesen werden konnten. Nachdem Pakistan im Dezember 2014 ein Hinrichtungsmoratorium aufgehoben hatte, war die Exekution von Shafqat Hussain viermal ausgesetzt worden.

"Dies ist erneut ein trauriger Tag für Pakistan. Ein Mann, dessen Alter zur Tatzeit nicht eindeutig bestimmt wurde und dessen Schuldspruch auf Folter basierte, hat nun mit seinem Leben bezahlt – und das für ein Verbrechen, das nach internationalen Standards nicht mit der Todesstrafe geahndet werden darf", erklärt David Griffiths, Direktor für die Region Südasien bei Amnesty International. Die Organisation fordert Pakistan auf, umgehend ein Todesstrafenmoratorium zu erlassen.

"Die Regierung zeigt eine erschreckende Gleichgültigkeit nicht nur gegenüber dem menschlichen Leben, sondern auch gegenüber völkerrechtlicher Bestimmungen und Standards", so Griffiths weiter. "Zudem hat die Regierung Empfehlungen ihrer eigenen Institution, der Menschenrechtskommission der Provinz Sindh, ignoriert, beim Obersten Gerichtshof die Überprüfung der Beweise hinsichtlich des Alters und des durch Folter erpressten 'Geständnisses' von Shafqat Hussain zu beantragen."

Nachdem Pakistan im Dezember 2014 ein Hinrichtungsmoratorium aufgehoben hat, sind nach Informationen von Amnesty International über 200 Menschen hingerichtet worden.

"Das Leben von Shafqat Hussain können wir zwar nicht mehr retten, aber es sitzen immer noch Tausende weitere Menschen im Todestrakt in Pakistan, denen die Hinrichtung droht", erklärte Griffiths. "Die Regierung hat in den vergangenen acht Monaten schon über 200 Menschen das Leben genommen – damit muss jetzt endlich Schluss sein. Die Behörden müssen erneut ein Todesstrafenmoratorium verfügen mit dem Ziel, die Todestrafe ganz abzuschaffen."

Khizar Hayat ist einer der Tausenden Menschen, die in Pakistans Todestrakten auf ihre Hinrichtung warten müssen. Der ehemalige Polizist wurde 2003 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Während seiner Inhaftierung im Zentralgefängnis von Lahore diagnostizierte man bei ihm Schizophrenie. Das Völkerrecht verbietet ausdrücklich die Hinrichtung von Menschen, die an einer geistigen Behinderung oder psychischen Erkrankung leiden. Trotdzem droht Khizar Hayat unmittelbar die Hinrichtung.

Werden Sie aktiv! Beteiligen Sie sich an unserer Urgent Action und helfen Sie mit, die Hinrichtung von Khizar Hayat zu verhindern!

Hier geht es zur Urgent Action - jetzt mitmachen!

Weitere Artikel