Aktuell Griechenland 30. Januar 2015

Konstantina Kuneva (Griechenland)

Serie: Starke Frauen
Sprecherin der Arbeitsmigrantinnen. Konstantina Kuneva.

Sprecherin der Arbeitsmigrantinnen. Konstantina Kuneva.

30. Januar 2015 - Bis 2001 arbeitete die Bulgarin Konstantina Kuneva als Historikerin an der Universität Sofia. Als jedoch ihr Sohn schwer erkrankte, beschloss sie, ihn in der griechischen Hauptstadt Athen behandeln zu lassen. Um die notwendige Herzoperation zu finanzieren, arbeitete sie dort als Reinigungskraft und erlebte die schwierige Situation von Arbeitsmigrantinnen am eigenen Leib.

Als Akademikerin kannte sie – anders als viele ihrer Kolleginnen – ihre grundlegenden Rechte als Arbeiterin und beschloss, diese einzufordern. Gemeinsam mit anderen gründete sie die Gewerkschaft der Reinigungskräfte in Attika, um für die Rechte von Frauen zu kämpfen, die von der traditionellen Arbeiterbewegung vernachlässigt worden waren. Als Sprecherin der weitgehend mittellosen Arbeitsmigrantinnen aus Osteuropa und anderen Teilen der Welt stieg sie zur Generalsekretärin der Gewerkschaft auf. Dabei verdiente sie monatlich noch immer kaum mehr als 600 Euro. Sie kritisierte die bis zu fünfmonatigen Verspätungen bei der Lohnzahlung und fehlende Sozialleistungen. Ihr Einsatz hatte zur Folge, dass ihr ungünstige Arbeitszeiten zugeteilt wurden. Man übte Druck auf sie aus, um sie zur Kündigung zu bewegen, und sie erhielt anonyme Drohanrufe. Außerdem schüchterten viele Arbeitgeber ihre Angestellten ein, sodass einige sich aus Angst vor einer Kündigung kaum noch trauten, mit Konstantina Kuneva zu reden.

Im Dezember 2008 kam es zu einem Streit mit ihrem Arbeitgeber OIKOMET. Als Konstantina Kuneva am 22. Dezember zu später Stunde von der Arbeit nach Hause gehen wollte, überwältigte sie ein unbekannter Mann und goss ihr Schwefelsäure in den Mund und über das Gesicht. Nach dem Säureanschlag lag sie mehrere Tage im Koma. Sie ist seither auf einem Auge blind, auf dem anderen ist ihre Sehkraft eingeschränkt. Bei dem Angriff wurden außerdem ihre Stimmbänder und ihre Luftröhre schwer verletzt. Sie musste über Jahre hinweg zahlreiche Operationen vornehmen lassen, um wieder ein annähernd normales Leben führen zu können. Konstantina Kuneva erstattete eine Anzeige, die von den griechischen Behörden jedoch lange vernachlässigt wurde. Als die Ermittlungen schließlich begannen, wurden Kunevas gewerkschaftlichen Aktivitäten allerdings nicht berücksichtigt. Zudem wurden Zeugen bedroht. Die Ermittlungen wurden in der Zwischenzeit mehrfach eingestellt und nur auf Druck von Anmesty und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen wieder aufgenommen. Bis heute wurde kein Tatverdächtiger überführt. Der Gesundheitszustand von Konstantina Kuneva hat sich so weit verbessert, dass sie wieder politisch aktiv sein kann. Im Mai 2014 wurde sie als Abgeordnete der griechischen Partei Syriza ins Europaparlament gewählt.

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