Die Biene als Symbol
DVD-Cover "Der Imker"
© Bravehearts International
von Jürgen Kiontke
Bienenfilme ("Honig", "More than Honey") gab's in der letzten Zeit öfters mal - gut geht's den fleißigen Gesellinnen im Amnesty-Outfit Schwarz-Gelb ja nicht. Sie sind durch Pestizide vom Aussterben bedroht! Für die Illusionsmaschine Kino ist es da nur logisch, die Analogie herzustellen zwischen verfolgter Tierart und bedrängtem Menschen.
In Mano Khalils Film "Der Imker" finden sie mustergültig zusammen. Ibrahim Gezer war einst erfolgreicher Bienenzüchter in der Türkei mit guter wirtschaftlicher Perspektive und großer Familie.
Dann musste er aufgrund seiner kurdischen Herkunft bis in die Schweiz fliehen. In der Schweiz gilt seine Profession aber nur als Hobby - die Arbeitsgesetze verpflichten ihn, in der Fabrik Bonbons zu verpacken. Gezers Ausweis ist jünger datiert - nun kämpft er darum, fünf Jahre älter zu sein, damit er in Rente gehen kann.
Pass, Aufenthaltsstatus, neue Heimat: Gezer gibt Auskunft über das Leben eines alten Asylbewerbers - ein Thema, das selten beleuchtet wird. Was ist, wenn man mit über 60 Flüchtling ist? Seine Kinder sterben im türkisch-kurdischen Krieg, er liest es in der Zeitung, die Kamera ist dabei. Die Ehefrau hat vor langer Zeit Selbstmord begangen.
Khalils Film leuchtet diese Existenz im europäisch-asiatischen Grenzgebiet aus, lässt Gezer vor der schönen Alpenkulisse zu Wort kommen, zeigt ihn bei der Arbeit und bei den Bienen. Manchmal etwas langatmig geraten, fällt dieser Film durch seine neuartige Perspektive aus dem Leinwandrahmen.
"Der Imker". CHE 2013. Regie: Mano Khalil. DVD-Start: 25. Juli 2014