Aktuell Japan 28. März 2014

Endlich frei nach 46 Jahren im Todestrakt?

Ob Hakamada wirklich ein freier Mann bleibt, ist noch nicht sicher.

Ob Hakamada wirklich ein freier Mann bleibt, ist noch nicht sicher.

28. März 2014 - Hakamada Iwao wurde am 27. März vorläufig freigelassen. Der japanische Ex-Boxer ist 1968 nach einem unfairen Verfahren wegen Mordes zum Tode verurteilt worden und saß 46 Jahre lang in Einzelhaft im Todestrakt. Ein Bezirksgericht hat seinem Antrag auf Wiederaufnahme des Beweisverfahrens nach mehreren Anläufen endlich stattgegeben und ihn deshalb auf freien Fuß gesetzt.

Doch ob Hakamada wirklich ein freier Mann bleibt, ist noch lange nicht sicher.

Erst im Januar 2014 überreichte Amnesty Japan 40.000 Unterschriften für die Freilassung von Hakamada an die Behörden.

Erst im Januar 2014 überreichte Amnesty Japan 40.000 Unterschriften für die Freilassung von Hakamada an die Behörden.

Amnesty International hat sich für Hakamada Iwao jahrelang mit Appellen und Aktionen eingesetzt. Der 78-jährige wurde 1966 wegen Mordes verhaftet und 1968 in einem unfairen Verfahren zum Tode verurteilt. Er „gestand“ nach 20-tägiger Befragung durch die Polizei. Später zog er sein Geständnis zurück und erklärte, die Polizei habe ihn während der täglichen, mehr als zwölfstündigen Verhöre geschlagen und bedroht. Dennoch wurde er für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

Norimichi, einer der Richter, die Hakamada verurteilt hatten, erklärte 2007, dass er glaube, Hakamada sei unschuldig. Hakamada, der seit über 46 Jahren seine Unschuld beteuert, ist einer der am längsten inhaftierten Todeskandidaten Japans. Abgesehen von einigen kurzen Besuchen seiner Schwester, seiner Anwälte und einer begrenzten Zahl an Unterstützern wurde Hakamada seit mehr als 30 Jahren in Isolation gehalten.

Nachtrag (31. März 2014): Am 31. März 2014 entschied die japanische Staatsanwaltschaft, Revision gegen eine Prüfung des Falls von Hakamada Iwao einzulegen. Dadurch wird die psychische Folter, der er seit Jahrzehnten ausgesetzt ist, weiter verstärkt.

“46 Jahre lang lebte Hakamada in ständiger Angst vor der Hinrichtung. Nie wusste er, ob er den nächsten Tag noch erleben würde. Der Einspruch der Staatsanwaltschaft vergrößert sein Leiden noch”, sagte Roseann Rife, Ostasien-Expertin von Amnesty International.

Bis das Urteil im Berufungsverfahren gesprochen wird, könnten bis zu zwei Jahre vergehen.

“Dieser Schritt der Staatsanwaltschaft könnte Hakamada die Prüfung seines Verfahrens kosten, die er zweifellos verdient. Mit dem Wissen, dass die Zeit gegen den älteren Mann läuft, scheint es sich hier um den bewussten Versuch zu handeln, das Verfahren zu verzögern”, so Roseann Rife.

“Die Einwände der Staatsanwaltschaft wurden mit der Gerichtsentscheidung vom vergangenen Donnerstag entkräftet. Nun stellt sich die Frage, warum dennoch ein Berufungsverfahren einberufen wurde.”

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