Aktuell El Salvador 20. April 2012

Bringschuld für El Salvador: Der Aufenthaltsort von Hunderten von verschwundenen Kindern muss festgestellt werden!

Zum Tag der verschwundenden Kinder sendeten Amnesty Mitglieder Grußkarten

Zum Tag der verschwundenden Kinder sendeten Amnesty Mitglieder Grußkarten

29. März 2012 - Der salvadorianische Staat muss seine Verpflichtungen gegenüber den Familienangehörigen und der internationalen Gemeinschaft erfüllen und den Aufenthaltsort von Hunderten von Kindern feststellen, die während des bewaffneten Konfliktes (1980-1992) verschwunden sind. Die Verantwortlichen dafür müssen vor Gericht gestellt werden. Dies sagte Amnesty International am Tag der verschwundenen Kinder.

"Es ist unbegreiflich, dass 20 Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges noch immer Hunderte von Familien die tägliche Folter erleiden, nichts über das Schicksal ihrer verletzlichsten Angehörigen zu wissen, und die Erniedrigung ertragen müssen zu wissen, dass sich die Verantwortlichen für diese Verbrechen noch immer der Gerechtigkeit entziehen," sagte Esther Major, Zentralamerika-Expertin bei Amnesty International.

Im Jahr 2005 hatte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte im Fall der Schwestern Ernestina und Erlinda Serrano Cruz geurteilt, dass der salvadorianische Staat die Pflicht hat, eine Nationale Suchkommission für die "verschwundenen" Kinder einzurichten.

Im Jahr 2010 haben die Behörden in El Salvador diese Kommission gegründet. Bis heute jedoch hat diese Institution nicht ausreichend Personal, um ihre wichtige Aufgabe zu erfüllen. Auch im Jahr 2012 bleibt noch viel zu tun. Das Parlament muss dafür sorgen, dass das Mandat der Kommission nicht endet, bevor alle Kinder gefunden wurden.

"Die Abgeordneten des Parlamentes müssen sicherstellen, dass die Zukunft der Kommission eine Angelegenheit mit hoher Priorität ist, damit die Familien der verschwundenen Kinder nicht mehr unter dieser Tragödie leiden: Die Familien haben das Recht zu wissen, was mit ihren Angehörigen geschehen ist," sagte Esther Major.

"El Salvador hat eine Bringschuld gegenüber diesen Familien und muss alles Mögliche tun, um Ernestina und Erlinda Serrano Cruz und alle anderen Kinder zu finden, die aus dem Schoß ihrer Familien gerissen wurden."

Obwohl es schwierig ist, eine genaue Zahl zu nennen, wird geschätzt, dass mehr als 700 Kinder während des bewaffneten Konfliktes in El Salvador "verschwunden" sind. Dank der Bemühungen von Familien und nicht-staatlichen Organisationen sind bereits mehr als 300 Kinder gefunden worden.

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