Aktuell 25. Juli 2010

Guatemala: Angriffe auf indigene Frauen im Einsatz gegen Bergbau

Demonstration gegen die Goldminen: "Wir werden unser Land nicht verkaufen"

Demonstration gegen die Goldminen: "Wir werden unser Land nicht verkaufen"

27. Juli 2010 - Spannungen zwischen der indigenen Bevölkerung in San Marcos, Guatemala, und den Betreibern einer Goldmine gipfelten in eine beinahe tödlichen Attacke, als die Menschenrechtsverteidigerin Deodora Hernández am 7. Juli in ihrer Wohnung angeschossen und schwer verletzt wurde. In der Vergangenheit setzte sie sich öffentlich für die Rechte der Indigenen sowie für den Umweltschutz in der Region ein.

Am Abend des 7. Juli 2010 gegen etwa 19 Uhr betraten zwei unbekannte Männer, die um ein Nachtlager baten, die Wohnung von Deodora Hernández. Ein Familiemitglied meinte zwar, sie könnten nicht bleiben, bot ihnen aber zwei Tassen Kaffee an. Als Deodora Hernández den Raum mit der Kaffeekanne betrat, schoss ihr einer der Männer ins rechte Auge. Deodora Hernández überlebte schwer verletzt.
Zeugenberichten zufolge, die dem UN-Sonderberichterstatter zur Lage der Menschenrechte und Grundlegenden Freiheiten Indigener Völker vorliegen, gehen solche Vorfälle auf die Initiative von Sicherheitskräften und Privatunternehmen zurück und stehen im Zusammenhang mit den Bergbauprojekten in der Region.

Ursache des Streits ist die Goldmine "Marlin" der Montana Exploradora, ein 100%iges Tochterunternehmen des US-kanadischen Konzerns Goldcorp Inc. In die Kritik geraten ist die Firma vor allem wegen mangelndem Umweltschutz und fehlender Absprache mit den betroffenen Einwohnern. Die in dem Gebiet lebenden Maya-Gemeinden wurden im Vorfeld der Inbetriebnahme der Mine nicht konsultiert und somit in ihren völkerrechtlich festgeschriebenen Rechten auf vorherige Konsultierung verletzt – ein grundlegendes Problem in vielen lateinamerikanischen Ländern, aber auch in Industrienationen wie Kanada.

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission forderte die guatemaltekische Regierung im Mai 2010 dazu auf, die Bergbauaktivitäten in der Mine einzustellen und Maßnahmen gegen die dortige Umweltverschmutzung zu ergreifen, bis die Kommission eine endgültige Entscheidung über die von den indigenen Gemeinschaften eingereichte Beschwerde gefällt habe. Die Kommission trug der Regierung ebenfalls auf, alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit der Angehörigen der 18 indigenen Gemeinschaften der Region zu ergreifen. Trotz einer Zusicherung seitens der guatemaltekischen Regierung kam diese der Forderung bis heute nicht nach.

Auch das Recht auf sauberes Trinkwasser scheint verletzt. Berichte weisen auf Beeinträchtigungen der lokalen Wasserversorgung durch die Abbauaktivitäten der Mine hin. Maßnahmen gegen die Umweltverschmutzungen durch das Unternehmen blieben bisher ebenfalls aus.

Bereits 2005 gab es Morddrohungen gegen Menschenrechtsverteidiger, die sich für die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen einsetzten, und die ebenfalls im Zusammenhang mit der Marlin-Mine standen. Mitgliedern der Stiftung "Fundación Maya" (FUNDAMAYA) wurde gedroht, sie würden für ihre Einmischung in "diese dämlichen sozialen Angelegenheiten" ermordet werden.

Die Verfolgung von Menschenrechtsverteidigern und ihr mangelnder Schutz ist ein verbreitetes Problem in Guatemala. Lokale Menschenrechtsorganisationen melden wiederholt Angriffe und Drohungen gegen Menschenrechtler. Die Regierung verfehlt es zumeist, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

In der Kritik: Montana Exploradora, Tochterunternehmen des US-kanadischen Konzerns Goldcorp Inc.

In der Kritik: Montana Exploradora, Tochterunternehmen des US-kanadischen Konzerns Goldcorp Inc.

Ähnlich wie im Fall von Deodora Hernández ist heute auch das Leben von Carmen Mejía bedroht. Mejía ist ebenfalls eine Aktivistin, die gegen die negativen Auswirkungen der Bergbauarbeiten und für die Menschenrechte der BewohnerInnen protestiert. Während des Besuchs des UN-Sonderberichterstatters zur Lage der Menschenrechte und Grundlegenden Freiheiten Indigener Völker im Juni 2010 sprach Carmen Mejía bei einer öffentlichen Veranstaltung mit ihm über Menschenrechtsverletzungen, die ihrer Ansicht nach aus dem Betrieb der Mine resultieren. Sie wurde wiederholt per SMS aufgerufen, ihre Menschenrechtsarbeit zu beenden und man drohte ihr, sie umzubringen.

Der UN-Sonderbeauftragte bestätigte, dass die Regierung mehrmals Lizenzen für den Abbau natürlicher Ressourcen in indigenen Gebieten vergeben habe, ohne die ansässigen indigenen Gemeinschaften vorher zu konsultieren – eine klare Verletzung der Menscherechte.

Der Einsatz für die Menschenrechte ist eine legitime Aktivität, der grundlegende Bedeutung für den Schutz der Rechte aller Menschen zukommt. Die Behörden in Guatemala haben die Einführung und Umsetzung eines Programms zum Schutz von gefährdeten Menschenrechtsverteidigern sowie eines Untersuchungsprotokolls für Verstöße dagegen in ungerechtfertigter Weise verzögert. Amnesty International fordert daher die guatemaltekischen Behörden auf, ihre Verantwortung für den effizienten Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen ernst zu nehmen, sodass diese ihre Tätigkeit gemäß der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern von 1998 sicher und ohne Angst ausüben können.

Setzten Sie sich jetzt für eine gründliche und unparteiische Untersuchung des Angriffs auf Deodora Hernández und der Drohungen gegen Carmen Mejía, sowie für unverzügliche Schutzmaßnahmen der 18 Maya-Gemeinschaften, und derer die gegen Menschenrechtsverletzungen in der Region, die ihrer Ansicht nach aus den Bergbauaktivitäten resultieren, kämpfen. Nehmen Sie Teil an folgender Urgent Action:

Jetzt mitmachen: Urgent Action für Deodora Hernández und Carmen Mejía

Weiterlesen

Peru: Bagua - Consultation promised but justice not delivered

Canada: From homeland to oil sands - The impact of oil and gas development on the Lubicon Cree of Canada

Americas: Solutions to the historic violation of Indigenous rights will only be found through respectful dialogue, in good faith, with Indigenous peoples

Weitere Artikel