Aktuell 11. März 2010

Meinungsfreiheit Schützen - Auch im Internet

Demonstration für die Freiheit von Karim Amer, London 2007

Demonstration für die Freiheit von Karim Amer, London 2007

12. März 2010 - In seinem Blog "Matha Assabaka ya Watan" – "Was ist mit dir passiert, oh Staat?", erzählte Ahmed Mostafa im März 2009 einen Bericht nach, der Vetternwirtschaft beim ägyptischen Militär nahe legte. Heute, ein Jahr später, ist der Beitrag gelöscht. Stattdessen rät der 20-jährige Ägypter den Lesern seines Internetblogs, Informationen vor der Veröffentlichung sehr genau zu prüfen.

Diesen Rat gibt Ahmed Mostafa nicht von ungefähr: Als erster ägyptischer Blogger wurde er am 1. März 2010 vor ein Militärgericht gestellt. Im Falle einer Verurteilung drohten ihm bis zu neuneinhalb Jahre Haft. Amnesty International forderte die ägyptische Regierung nach seiner Festnahme am 17. Februar auf, den gewaltlosen politischen Gefangenen umgehend und bedingungslos freizulassen. Ahmed Mostafa erklärte sich schließlich bereit, sich für die ihm vorgeworfenen Vergehen zu entschuldigen und den Beitrag zu löschen. Am 9. März 2010 wurde er freigelassen. Das Gericht behält sich jedoch vor, das Verfahren wieder aufzunehmen.

In Ägypten und vielen anderen Ländern werden in Internetblogs Informationen über Menschenrechtsverletzungen, wie Berichte über Folter und Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten, ausgetauscht. Diese Blogs und die internationale Berichterstattung darüber üben Druck auf die Behörden aus, Foltervorwürfen nachzugehen und Untersuchungen einzuleiten. Viele Regierungen sehen durch die kritischen Meinungsäußerungen und Berichte über Menschenrechtsverletzungen die eigene Macht bedroht.

Gegen Internetzensur!

Dass die ägyptischen Behörden versuchen, dem "World Wide Web" mit Zensur Schranken zu setzen, musste Karim Amer bereits vor fünf Jahren erfahren. Weil er sich über den Islam und religiöse Unruhen äußerte, wurde der Blogger im Oktober 2005 erstmalig festgenommen. Im Jahr 2007 wurde der damals 22-Jährige Student zu vier Jahren Haft verurteilt. Karim ist bis heute in Haft. Seine Verurteilung ist als Warnung an die Internetnutzer und Blogger des Landes zu verstehen.

Amnesty International fordert die ägyptische Regierung auf, Karim Amer unverzüglich und bedingungslos freizulassen. Karim ist ein gewaltloser politischer Gefangener, der allein wegen der friedlichen Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung in Haft ist. Alle Gesetze, die Haftstrafen für die friedliche Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung vorsehen, müssen überarbeitet oder abgeschafft werden.

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Zugriff verweigert
Gefangen im Netz

In Aserbaidschan wurden zwei Blogger zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie ein regierungskritisches Video auf YouTube einstellten. Anfang März 2010 wurde ihre Berufungsklage abgelehnt. Weiterlesen (Englisch):
Azerbaijani Bloggers Lose Appeal Against Fabricated Charges

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