Tschad: Zwangsräumungen sofort stoppen!
In einem neuen Bericht fordert Amnesty International von der tschadischen Regierung einen sofortigen Stopp der rechtswidrigen Zwangsräumungen in der Hauptstadt N’Djamena. Zehntausende Menschen haben bereits ihre Unterkünfte verloren.
Mit Hilfe von kommerziellen Satellitenfotos dokumentiert Amnesty International im Bericht "Broken Homes, Broken Lives" das Ausmaß der Zerstörungen in N’Djamena im Zeitraum zwischen Januar 2008 und Ende Juli 2009.
Rechtswidrige Räumungen
Die Räumungen wurden mit dem Einverständnis des tschadischen Präsidenten Idriss Deby Itno ausgeführt, dessen Anordnung vom Februar 2008 die Zerstörung von "illegal erbauten Gebäuden und Bauwerken" bewilligt. Viele der durchgeführten Zerstörungen stehen im Widerspruch zu internationalen Menschenrechtsstandards und tschadischem Recht.
"Die große Mehrheit der Familien, die ihre Häuser verloren haben, wurde nicht von den Behörden informiert. Ihnen wurde wenig oder keine Beachtung geschenkt und keine Entschädigung für den verlorenen Wohnraum angeboten," sagte Tawanda Hondora, der stellvertretende Direktor des Afrikaprogramms von Amnesty International, "Vielen bleibt nichts anderes übrig, als in dem Schutt ihrer früheren Häuser zu leben."
"Die tschadischen Behörden müssen sich an das Gesetz halten. Sie müssen sicherstellen, dass der gesetzliche Schutz für alle Menschen gewährleistet ist," so Tawanda Hondora weiter.
Einige Familien sind von der Regierung vertrieben worden, obwohl sie durch eine gerichtliche Verfügung geschützt waren. So wandten sich im Viertel Diguel Est einige Anwohner mit ihren Besitzurkunden an die örtlichen Richter und erwirkten eine einstweilige Verfügungung. Diese ignorierte der Bürgermeister von N’Djamena jedoch, und die Häuser wurden zerstört.
Ruinen zerstörter Häuser in N'Djamena.
© Amnesty International
Erschreckendes Ausmaß von Zerstörungen
"Diese Bilder erzählen eine schockierende Geschichte der Familien, deren Häuser durch die Anordnung von Präsident Deby zerstört wurden," sagte Tawanda Hondora. "Das Ausmaß der Zerstörungen in N’Djamena lässt ein erschreckendes Maß an menschlichem Leid befürchten." Die Satellitenbilder im Bericht "Broken Homes, Broken Lives" zeigen, dass in den 385 Tagen zwischen Januar 2008 und Januar 2009 über 3.700 Gebäude zerstört worden sind.
Amnesty fordert Stopp der Zwangsräumungen!
Amnesty International fordert von der tschadischen Regierung einen sofortigen Stopp der Massenvertreibungen, bis ein klares und effektives Verbot von rechtswidrigen Zwangsräumungen und ein rechtlicher Rahmen für den Schutz der Menschenrechte in Kraft treten. Die Regierung sollte auch sicherstellen, dass alle Opfer von Zwangsräumungen angemessene alternative Unterkünfte, Zugang zu Rechtschutz und Entschädigungen erhalten.