Aktuell Honduras 24. September 2009

Honduras: Polizeigewalt und Massenfestnahmen

24. September 2009 - Amnesty International verurteilte heute den rapiden Anstieg von Polizeigewalt, Massenfestnahmen und der Verfolgung von Menschenrechtsverteidigern in Honduras seit dem Staatsstreich im Juni und warnte, dass die Menschenrechte und der Rechtstaat in dem zentralamerikanischen Land in großer Gefahr seien.

Berichten zufolge feuerten am Morgen des 22. September 2009 etwa 15 Polizeibeamte Geschosse mit Tränengas auf das Gebäude der Menschenrechtsorganisation COFADEH. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 100 Männer, Frauen und Kinder in dem Gebäude. Viele waren gekommen, um Fälle von Polizeigewalt zu melden, die sie während der Auflösung einer Demonstration vor dem Gebäude der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa beobachtet und erlebt hatten. Der im Juni aus dem Amt gedrängte honduranische Präsident Manuel Zelaya hatte am 21. September in der brasilianischen Botschaft Zuflucht gefunden.

"Die Situation in Honduras muss als alarmierend bezeichnet werden," sagte Susan Lee, die Leiterin des Amerika-Programms von Amnesty International. "Die Übergriffe gegen Menschenrechtsverteidiger, die Schließung von Medienanstalten, die Gewalt der Polizei gegen Demonstrierende und die zunehmenden Berichte über Massenverhaftungen weisen darauf hin, dass die Menschenrechte und die Rechtstaatlichkeit in Honduras in größter Gefahr sind."

"Die einzige Möglichkeit für die De-Facto-Regierung ist, die repressive und gewalttätige Politik zu stoppen und stattdessen die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit zu respektieren," so Susan Lee weiter. "Wir drängen die internationale Gemeinschaft außerdem dazu, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden, bevor sich die Menschenrechtskrise in Honduras noch weiter verschärft."

Nach der Auflösung der Demonstrationen vor der brasilianischen Botschaft sollen zahlreiche Demonstrierende von der Polizei geschlagen und mehrere hundert an verschiedenen Orten in der Stadt inhaftiert worden sein. Auch aus anderen Teilen des Landes wurden ähnliche Ereignisse berichtet.

Amnesty International hat Informationen darüber erhalten, dass Dutzende Demonstrierende in inoffiziellen Haftanstalten festgehalten wurden. Die meisten Gefangenen sind inzwischen freigelassen worden, doch besteht die Gefahr, dass diejenigen, die sich noch in Haft befinden, misshandelt oder gefoltert werden und "verschwinden".

Amnesty International hat nach dem Staatsstreich auch immer wieder Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Honduras dokumentiert, die Schließung von Pressebüros, die Beschlagnahmung von Ausrüstung und tätliche Angriffe gegen Journalisten, die über die Ereignisse berichtet hatten.

Urgent Action: Fordern Sie die De-facto-Behörden auf, die Anwendung exzessiver Gewalt gegen Demonstrierende zu stoppen

Urgent Action zu exzessiver Gewaltanwendung gegen Demonstrierende in Honduras

Weitere Artikel