Amnesty Aktion zum Tag der Folteropfer auf dem Potsdamer Platz
Aktiv vor Ort gegen Folter
© Frédéric Krumbein
Der neue Jahresbericht von Amnesty International berichtet von Folter und Misshandlungen in der Hälfte aller untersuchten Länder. Im Kampf gegen den Terrorismus wurde die Folter als Verhörmethode wiederentdeckt. Die Bush-Administration hat Folter neu definiert und damit versucht, diese zu legalisieren. Guantanamo als Schandfleck Amerikas existiert noch immer. Entsprechend gab es leider genug Gründe, am 26. Juni, dem Internationalen Tag der Folteropfer, an die Gefolterten und Misshandelten in der Welt zu erinnern. Dies war das Ziel einer großen Aktion der Berlin-Brandenburger Antifoltergruppe (1572) und des Bezirks.
Diesjähriger Schwerpunkt war Folter in Russland. In russischen Gefängnissen und auf Polizeiwachen sind Folter und Misshandlungen weit verbreitet. Schätzungsweise werden hunderte Menschen jedes Jahr gefoltert. Stellvertretend für alle Opfer von Folter und Misshandlungen auf der Welt wurden drei russische Opfer ausgewählt, um den Betroffenen ein Gesicht zu geben. Ein Dutzend Mitglieder von Amnesty informierte über den ganzen Potsdamer Platz verteilt über diese Folteropfer aus Russland.
Ein weiteres Dutzend Pantomimen und Trommler sorgte für den künstlerischen und musikalischen Rahmen. Einige maskierte und schwarzgekleidete Pantomimen imitierten Folterer. Andere simulierten, wie sie durch Folter und Misshandlungen gebrochen und ihrer menschliche Würde beraubt wurden.
Viele Passanten schauten gebannt der Aufführung zu und waren danach oftmals bereit, sich zu informieren und zu engagieren. Einige hundert Unterschriften wurden gesammelt. Dutzende Postkarten, vor Ort frankiert, wurden an die russische Regierung versandt. Die Trommler lockten junge Skateboarder an, unsere Amnestyluftballons Kinder. Wäre das Thema nicht so ernst, hätte man fast von einem Volksfest für die Menschenrechte sprechen können. Die Künstler, die beteiligten Passanten und die Amnestymitglieder setzten ein deutliches Zeichen der Solidarität mit den Opfern von Folter.