Aktuell Sri Lanka 02. Dezember 2009

Sri Lanka: Regierung muss alle Zivilpersonen dauerhaft freilassen

Flüchtlinge in einem Lager stehen für Wasser und Essen an, Sri Lanka 2009

Flüchtlinge in einem Lager stehen für Wasser und Essen an, Sri Lanka 2009

1. Dezember 2009 - Amnesty International fordert die srilankische Regierung auf, Zivilpersonen, die nach dem Ende des Bürgerkrieges vor sechs Monaten widerrechtlich in den Lagern festgehalten werden, dauerhaft freizulassen.

"Die Behörden müssen ihre öffentlich erklärte Absicht wahr machen und die ungefähr 120.000 Menschen freilassen, und zwar bedingungslos", sagt Yolanda Foster, die Sri Lanka - Expertin von Amnesty International. "Es muss außerdem sichergestellt werden, dass die Menschen nicht an anderen Orten weiter verhört und erneut verhaftet werden. Die Regierung muss weiterhin ihre Verantwortung wahrnehmen, für die Vertriebenen zu sorgen, wohin sie auch immer gehen mögen."

Die srilankische Regierung erklärte heute, dass Familien, die in den Flüchtlingslagern in Vavuniya leben, die Wahl haben, ob sie im Lager bleiben, eine anderweitige Unterkunft suchen oder nach Hause zurückkehren wollen.
Medienberichte deuten allerdings darauf hin, dass nicht alle Flüchtlinge die Lager uneingeschränkt verlassen dürfen: Einige sind aufgefordert worden, nach nur 15 Tagen wieder in die Lager zurückzukehren.

Ein weiterer Anlass zur Sorge ist die fehlende Unterstützung für diejenigen, die schon aus den Lagern entlassen worden sind. Eine kirchliche Gruppe hat berichtet, dass Menschen mit Bussen von Manik Farm weggebracht worden sind und dann einfach in Adampan im Distrikt Mannar "auf der Straße abgeladen" worden seien.

Die Regierung gibt widersprüchliche Meldungen über den Rückkehrprozess. Es ist immer noch nicht klar, ob die Bewegungsfreiheit auch für Lager in anderen Teilen des Landes gilt.

Amnesty International fordert die Behörden auf, den Vertriebenen eigene Entscheidungen bezüglich ihrer Rückkehr und Wiederansiedlung zu gestatten. "Die srilankischen Behörden müssen die Vertriebenen auf die Lebensbedingungen in ihren Heimatorten hinweisen, so dass sie Pläne für die Zukunft machen können. Sie sollten ihnen auch klare Informationen über ihren rechtlichen Status geben und ihnen bei der Suche nach Familienangehörigen helfen," erklärt Yolanda Foster.

"Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen müssen einen ungehinderten Zugang zu den Vertriebenen erhalten. Die Organisationen müssen die Sicherheit und das Wohlergehen der Vertriebenen überwachen können und sicherstellen, dass sie vor weiteren Menschenrechtsverletzungen geschützt werden."

Tausende Menschen haben damit begonnen, die Lager im Nordosten zu verlassen, aber das Versprechen, die Lager zu öffnen, muss mit dem Schutz der Rechte der Vertriebenen innerhalb und außerhalb der Lager einhergehen.

Hintergrund
Nach heftigen Kämpfen und dem Tod von Tausenden von Zivilpersonen im Mai 2009 erklärte die srilankische Regierung ihren Sieg über die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE).

Bis Ende Mai 2009 wurden 300.000 Vertriebene, die vor den Kämpfen geflohen waren, in vom Militär kontrollierten Lagern festgehalten.

Als Reaktion auf die widergesetzliche Inhaftierung von Hunderttausenden von Vertriebenen hat Amnesty International die weltweite Kampagne "Unlock the Camps" (Öffnen Sie die Flüchtlingslager) gestartet und Freiheit und Bewegungsfreiheit für die Vertriebenen gefordert. Über 40.000 Menschen haben sich bisher weltweit daran beteiligt.

Weitere Artikel