Menschenrechtlerin bedroht

Ingrid Vergara

Ingrid Vergara

Die Menschenrechtlerin Ingrid Vergara hat Morddrohungen erhalten, und ihre 14-jährige Tochter Cendy Torres Vergara wurde in der Stadt Sincelejo im Norden Kolumbiens von Unbekannten verfolgt. Ingrid Vergara dokumentiert Menschenrechtsverletzungen durch paramilitärische Gruppen und bringt sie an die Öffentlichkeit. Sie und ihre Tochter befinden sich möglicherweise in Lebensgefahr.

Appell an

VIZEPRÄSIDENT
Dr. Francisco Santos Calderón
Vicepresidencia
Carrera 8A No 7-27
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Vice-president / Sr. Vicepresidente)
Fax: (0057) 1 565 7682 (wenn jemand abhebt, sagen Sie bitte "me da tono de fax, por favor")

AMTIERENDER GENERALSTAATSANWALT
Dr. Guillermo Mendoza Diago
Fiscal General de la Nación (e)
Fiscalía General de la Nación
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01) Bloque C
Piso 4
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Attorney General / Estimado Sr. Fiscal General)
Fax: (0057) 1 414 9108

Sende eine Kopie an

NATIONALE MENSCHENRECHTSORGANISATION
Comisión Intereclesial de Justicia y Paz
Calle 61A No 17-26
Bogotá
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 21. Dezember 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Bringen Sie Ihre Sorge um die Sicherheit von Ingrid Vergara und ihrer Tochter Cendy Torres zum Ausdruck und appellieren Sie an die Behörden, in Übereinstimmung mit den Wünschen der Betroffenen ihre Sicherheit zu gewährleisten.

  • Fordern Sie die Behörden auf, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der aktuellen und früheren Drohungen gegen Ingrid Vergara und Cendy Torres einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

  • Erinnern Sie die Behörden an ihre Verpflichtungen gegenüber MenschenrechtsverteidigerInnen, die in der UN-Erklärung über MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 dargelegt sind.

Sachlage

Am 26. Oktober gegen 13.15 Uhr bemerkte Cendy Torres in Sincelejo ein weißes Auto mit abgedunkelten Scheiben und ohne Nummernschild, das ihr auf dem Weg zur Schule folgte. Es fuhr an zwei Kindern vorbei und wurde langsamer, die Kinder gingen daraufhin zu dem Fahrzeug. Dann kamen sie auf Cendy Torres zu und erklärten: "Sie haben gesagt, du sollst deiner Mutter ausrichten, dass sie den Mund halten soll, wenn sie das neue Jahr erleben will." Dann fuhr der Wagen davon.

Dasselbe Auto war Cendy Torres bereits am 19. Oktober, am Morgen des 20. Oktober und am Nachmittag des 21. Oktober aufgefallen, als es ihr folgte. Am 21. Oktober erfuhr Ingrid Vergara von ihren NachbarInnen, dass ein weißer Kleintransporter mit getönten Scheiben mehrfach an ihrem Haus vorbeigefahren war. Auf Höhe des Hauses wurde das Fahrzeug jedes Mal langsamer.

Ingrid Vergara ist Mitglied der "Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen" (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado - MOVICE), einer Vereinigung von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbiens anhaltendem bewaffneten Konflikt fordert. Ingrid Vergara gehört zu den LeiterInnen von MOVICE im nordkolumbischen Departement Sucre. Sie hat Fälle von "Verschwindenlassen" und Morde durch paramilitärische Gruppen in der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 2. April 2008 wurde Cendy Torres vor ihrer Schule von vier unbekannten Männern angesprochen, die drohten, sie wegen der Arbeit ihrer Mutter zu töten. Ingrid Vergara hat bereits mehrfach Morddrohungen erhalten und war Einschüchterungen ausgesetzt. Die jüngste Drohung ging am 2. Juli per E-Mail ein. Es handelte sich um eine Einladung zu ihrer eigenen Beerdigung; in der E-Mail wurde Ingrid Vergara als "Angehörige der Guerilla" bezeichnet. Es wurden einige Maßnahmen zum Schutz von Ingrid Vergara vereinbart, aber die Behörden haben sie nicht vollständig umgesetzt. Für keine dieser Drohungen wurden je die Verantwortlichen vor Gericht gestellt.

Während des seit 40 Jahren andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien haben Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften häufig als Guerillakollaborateure oder -unterstützerInnen bezeichnet, die dadurch oft Opfer von Drohungen, "Verschwindenlassen" und Morden werden. Guerillagruppen haben ebenfalls MenschenrechtlerInnen und GewerkschafterInnen, die sie als UnterstützerInnen ihrer Feinde betrachten, bedroht und getötet.

Im September 2009 reiste die UN-Sonderberichterstatterin über MenschenrechtsverteidigerInnen, Margaret Sekaggya, nach Kolumbien und kam zu dem Ergebnis, dass Schikanierung und Verfolgung von MenschenrechtsverteidigerInnen und oft auch ihren Familien in Kolumbien nach wie vor ein häufiges Vorgehensmuster darstellen. Sie zeigte sich besonders besorgt darüber, dass anonyme Drohungen gegen MenschenrechtsverteidigerInnen und ihre Familien ein weitverbreitetes Phänomen sind. Auch würden MenschenrechtsverteidigerInnen oft willkürlich und in teils großem Maßstab festgenommen und inhaftiert sowie unbegründete Strafverfahren gegen sie angestrengt.