Familie bedroht

Ingrid Vergara

Ingrid Vergara

Die kolumbianische Menschenrechtsverteidigerin Ingrid Vergara und ihre Familie befinden sich nach einem Angriff in ihrer Wohnung erneut in Lebensgefahr. Ingrid Vergara dokumentiert von paramilitärischen Gruppierungen begangene Menschenrechtsverletzungen und bringt sie an die Öffentlichkeit.

Appell an

VIZEPRÄSIDENT
Vicepresidente de la República,
Palacio de Nariño
Carrera 8a No 7-57, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Vicepresident/
Excmo. Sr. Vicepresidente)
Fax: (0057) 1 444 2158 (sagen Sie "Me da tono por favor")

INNEN- UND JUSTIZMINISTER
Señor Germán Vargas Lleras
Ministerio Del Interior y De Justicia
Carrera 9a. No. 14-10, Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister/Estimado Sr. Ministro)
Fax: (0057) 1 559 8961

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSORGANISATION
Movice
Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado
Calle 38 No 28 A 30
Barrio Bogotá, Sincelejo
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. Januar 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit von Ingrid Vergara und ihrer Familie. Bitte ergreifen Sie in genauer Absprache mit den Wünschen der Betroffenen wirksame Schutzmaßnahmen.

  • Ich fordere Sie höflich auf, umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung des Überfalls am 1. Dezember und früherer Morddrohungen gegen Ingrid Vergara, ihre Tochter Cendy Torres und ihre KollegInnen einzuleiten. Veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht zu.

  • Ich möchte Sie daran erinnern, Ihre Verpflichtungen zur Situation der MenschenrechtsverteidigerInnen zu erfüllen, wie dies in der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 dargelegt ist.

Sachlage

Am 1. Dezember verschafften sich zwei bewaffnete Männer Zutritt zum Haus von Ingrid Vergara in der Stadt Sincelejo, im Departement Sucre im Nordwesten Kolumbiens, als ihre Mutter und ihrer 15-jährige Tochter Cendy Torres Vergara zuhause waren. Die beiden Männer drängten die Mutter von Ingrid Vergara in ein Zimmer und schrien "Wo ist das Geld, wo sind die Millionen?" Dann packte einer der Männer Cendy Torres beim Hals und hielt ihr etwas in den Rücken. Sie glaubt, dass es eine Waffe war. Die Männer schrien "Gib uns die Dokumente und die Kamera. Schau mich nicht an, schau mich nicht an, wir werden euch hier draußen umbringen."

Die Männer durchsuchten den Raum und rissen die Festplatte eines Computers heraus, welcher der "Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen" (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado - MOVICE) gehörte. Ingrid Vergara ist eine der SprecherInnen von MOVICE. Auf der Festplatte waren Informationen über Ingrids Arbeit in Zusammenhang mit Landangelegenheiten gespeichert, genauer gesagt die Dokumentation für eine öffentliche Sitzung, die für den 3. Dezember anberaumt wurde. Die beiden Männer nahmen die Festplatte, den Monitor und 40.000 Kolumbianische Pesos (umgerechnet 16 €) mit, aber keine anderen Wertgegenstände, die in Sichtweite waren. Als sie aufbrachen, sagte einer der Männer "Töte sie nicht, töte sie nicht."

In den letzten Wochen vor diesem Überfall war Ingrid Vergara schon häufig bedroht und eingeschüchtert worden. Am 20. November erhielt sie einen Anruf auf ihrem Mobiltelefon. Der Anrufer sagte "misch dich nicht in Landangelegenheiten ein" und legte dann nach kurzem Schweigen auf. Als sie die Nummer zurückrief, stellte sie fest, dass der Anruf aus einer Telefonzelle in Santa Catalina kam, einem Nachbarort von Sincelejo. Fünf Tage später erhielt sie zwei weitere Anrufe von derselben Telefonnummer.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 2. April 2008 hatten unbekannte Männer Cendy Torres als Vergeltung für die Menschenrechtsarbeit ihrer Mutter bedroht. Am 26. Oktober 2009 drohte man Cendy Torres außerdem, ihre Mutter zu ermorden.

Am 18. Mai diesen Jahres wurde Rogelio Martínez, ein führendes Mitglied von MOVICE im Departement Sucre, erschossen. Er hatte sich für das Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung für vertriebene Gemeinschaften eingesetzt.

Am 12. Oktober 2010 entging Ingrid Vergara nur knapp einem Mordversuch auf dem Majagual-Platz in Sincelejo. Einer ihrer Personenschützer, der ihr im Rahmen eines Schutzprogramms des Innenministeriums zur Verfügung gestellt wird, bemerkte drei verdächtige Männer in der Nähe von Ingrid Vergara, die über die Abwesenheit ihres zweiten Personenschützers sprachen. Als sich ihr zwei weitere Männer auf einem Motorrad näherten, drängte der Personenschützer sie, den Platz so schnell wie möglich zu verlassen.

MOVICE ist ein Zusammenschluss von vielen verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und setzt sich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbiens anhaltendem bewaffneten Konflikt ein. Ingrid Vergara und ihre KollegInnen von MOVICE haben zahlreiche Fälle von Tötungen und "Verschwindenlassen" durch Sicherheitskräfte und paramilitärische Gruppen im Departement Sucre dokumentiert und angeprangert.

Die kolumbianische Regierung hat einige Schutzmaßnahmen für Ingrid Vergara und Cendy Torres ergriffen, darunter die Bereitstellung von Personenschützern, einem Mobiltelefon und einem Fahrzeug. Ingrid Vergaras Mobilität ist offenbar dennoch eingeschränkt, da sie nur eine begrenzte Menge Benzin erhält.

AktivistInnen, die sich für die Rückgabe von gestohlenem Land engagieren, das vor allem von Paramilitärs im Laufe des Konflikts gestohlen wurde, sind seit einigen Jahren besonders von Drohungen und Morden betroffen. Die meisten dieser Angriffe werden paramilitärischen Gruppierungen zugeschrieben. Auch Guerillagruppen nehmen MenschenrechtsverteidigerInnen und andere sozial engagierte Personen ins Visier, die sie als Bedrohung für ihre Interessen erachten.

Obwohl die Regierung behauptet, dass die Paramilitärs in einem 2003 durch die Regierung initiierten Programm die Waffen niedergelegt haben, sind diese Gruppierungen weiterhin aktiv – manchmal gemeinsam mit den Sicherheitskräften oder mit deren Einverständnis – und begehen schwere Menschenrechtsverletzungen gegen MenschenrechtlerInnen und andere Angehörige der Zivilbevölkerung.