Neue Morddrohung

Ingrid Vergara

Ingrid Vergara

Ein bewaffneter Mann hat eine Frau bedroht, die in der Stadt Sincelejo im Norden Kolumbiens mit der Menschenrechtsverteidigerin Ingrid Vergara zusammenarbeitet. Beide Frauen sind in Gefahr, ebenso wie die übrigen MitarbeiterInnen der Organisation, für die Ingrid Vergara tätig ist.

Appell an

INNEN- UND JUSTIZMINISTER
Sr. Fabio Valencia Cossio
Ministerio del Interior y de Justicia
Carrera 9a. No. 14-10, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister / Estimado Sr. Ministro)
Fax: (0057) 1 599 8013

AMTIERENDER GENERALSTAATSANWALT
Dr. Guillermo Mendoza Diago
Fiscal General de la Nación (e)
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01) Bloque C
Piso 4, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Attorney General / Estimado Sr. Fiscal General)
Fax: (0057) 1 570 2000 (wenn die Begrüßungsansage ertönt, wählen Sie bitte 2017)

Sende eine Kopie an

AUßENMINISTER
Sr. Jaime Bermúdez
Ministerio de Relaciones Exteriores
Calle 10 No 5-51, Palacio de San Carlos
Bogotá, KOLUMBIEN
Fax: (0057) 1 381 47 21
(korrekte Anrede: Dear Minister/
Estimado Sr. Ministro)

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84, 10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. März 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Bringen Sie Ihre Sorge um die Sicherheit von Ingrid Vergara und ihren KollegInnen der Abteilung Sucre der Organisation MOVICE zum Ausdruck und appellieren Sie an die Behörden, in Übereinstimmung mit den Wünschen der Betroffenen, wirksame Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten.

  • Fordern Sie die Behörden auf, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Einschüchterung vom 5. Februar und früheren Morddrohungen gegen Ingrid Vergara, ihre Tochter Cendy Torres und ihre KollegInnen einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

  • Erinnern Sie die Behörden an ihre Verpflichtungen gegenüber MenschenrechtsverteidigerInnen, die in der UN-Erklärung über MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 dargelegt sind.

  • Dringen Sie darauf, dass die Behörden umgehend Maßnahmen zur Demobilisierung der paramilitärischen Gruppen ergreifen und zwar in Übereinstimmung mit den Verpflichtungen, die die Regierung eingegangen ist und den Empfehlungen durch die UN und andere zwischenstaatliche Organisationen.

Sachlage

Zwei Männer auf einem Motorrad folgten der Frau am 5. Februar gegen 20.15 Uhr, als sie auf dem Beifahrersitz eines Motorradtaxis durch Sincelejo, der Hauptstadt des Departements Sucre fuhr. Als die beiden Männer zu dem Motorradtaxi aufschlossen, zog einer der beiden eine Waffe und zielte damit einige Sekunden lang auf die Frau. Dann fuhr das Motorrad davon.

Ingrid Vergara ist die Sprecherin der "Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen" (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado - MOVICE) in Sucre. Die am 5. Februar bedrohte Frau ist Sozialarbeiterin und eine Unterstützerin von MOVICE. Ingrid Vergara und sie hatten den größten Teil des 4. und 5. Februar gemeinsam bei verschiedenen Treffen mit KollegInnen und Partnerorganisationen verbracht, bei denen sie sich über die jüngsten paramilitärischen Aktivitäten in Sucre austauschten. Am 4. Februar hatten sie und weitere MOVICE-MitarbeiterInnen dem Gouverneur von Sucre einen Brief übergeben, in dem sie ihm vorwerfen, Verbindungen zu paramilitärischen Gruppen zu unterhalten.

Ingrid Vergara ist in den letzten Jahren wiederholt eingeschüchtert und mit dem Tod bedroht worden. Am 26. Oktober 2009 drohte man ihrer 14-jährigen Tochter Cendy Torres, die Mutter zu ermorden. Unbekannte Männer hatten zudem Cendy Torres wegen der Aktivitäten ihrer Mutter am 2. April 2008 mit dem Tod bedroht.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Ingrid Vergara und ihre MOVICE-KollegInnen haben zahlreiche Fälle von rechtswidrigen Hinrichtungen und "Verschwindenlassen" durch paramilitärische Gruppen im Departement Sucre dokumentiert und angeprangert. MOVICE ist ein Zusammenschluss von vielen verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und setzt sich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbiens anhaltendem bewaffneten Konflikt ein.

Die kolumbianische Regierung hat einige Maßnahmen zum Schutz von Ingrid Vergara und Cendy Torres ergriffen, doch laut Angaben von Ingrid Vergara sind sie unzureichend. Bislang haben die Behörden weder Ingrid Vergara noch ihren KollegInnen von Fortschritten bei den Ermittlungen zu den bisherigen Morddrohungen und Einschüchterungen berichtet. Kolumbianische MenschenrechtsverteidigerInnen und ihre Familien sind aufgrund ihrer Tätigkeit in ständiger Gefahr, entführt oder getötet zu werden. Und auch Personen, die in bekannte Strafverfahren zu Menschenrechtsverletzungen involviert sind, darunter Zeugen, Staatsanwältinnen, Rechtsanwälte und Richterinnen, sind ebenfalls schon bedroht oder getötet worden.

In den vergangenen Jahren ist es zu einem beunruhigenden Anstieg der Morddrohungen gegen MenschenrechtsverteidigerInnen gekommen, der überwiegend paramilitärischen Gruppen zugeschrieben wird. Obwohl die Regierung behauptet, dass die Paramilitärs in einem 2003 durch die Regierung initiierten Programm die Waffen niedergelegt haben, sind diese Gruppierungen weiterhin aktiv – manchmal mit den Sicherheitskräften oder mit deren Einverständnis – und begehen schwere Menschenrechtsverletzungen gegen MenschenrechtlerInnen und andere Teile der Zivilbevölkerung.