Menschenrechtler getötet

Ingrid Vergara

Ingrid Vergara

Rogelio Martìnez wurde am 18. Mai erschossen. Er war ein führendes Mitglied einer Menschenrechtsorganisation im Nordwesten Kolumbiens. Seine Familienangehörigen und ArbeitskollegInnen sind ebenfalls in Lebensgefahr.

Appell an

VIZEPRÄSIDENT
Dr. Francisco Santos Calderón
Vicepresidencia de la República
Carrera 8A No 7-27
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimado Sr. Vicepresidente)
Fax: (0057) 1 565 7682

AMTIERENDER GENERALSTAATSANWALT
Dr. Guillermo Mendoza Diago
Fiscal General de la Nación (e)
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01) Bloque C, Piso 4, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimado Sr. Fiscal General)
Fax: (0057) 1 570 2000 (nach der Ansage wählen Sie bitte 2017)

Sende eine Kopie an

AUßENMINISTER
Sr. Jaime Bermúdez
Ministerio de Relaciones Exteriores
Calle 10 No 5-51, Palacio de San Carlos
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimado Sr. Ministro)
Fax: (0057) 1 381 47 21

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84, 10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 7. Juli 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Bringen Sie Ihre Sorge um die Sicherheit von Rogelio Martínez’ Familie, anderen auf Farm "La Alemania" lebende Kleinbauern sowie von Ingrid Vergara und ihren KollegInnen der Abteilung Sucre der Organisation MOVICE zum Ausdruck.

  • Dringen Sie bei den Behörden darauf, in absoluter Übereinstimmung mit den Wünschen der Betroffenen, wirksame Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

  • Appellieren Sie an die Behörden, umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Tötung von Rogelio Martínez und der Morddrohungen gegen Ingrid Vergara und ihre KollegInnen einzuleiten.

  • Fordern Sie die Behörden auf, die Legitimität der Arbeit von Menschenrechtsverteidigern und die Bedeutung ihrer Arbeit anzuerkennen, wie dies in der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 dargelegt ist.

Sachlage

Nachdem Rogelio Martínez am 18. Mai 2010 getötet wurde, könnten auch die KollegInnen des Menschenrechtlers in Gefahr sein. Der Erschossene war ein führendes Mitglied der "Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen" (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado - MOVICE) in Sucre, einem Departement im Nordwesten Kolumbiens. Er war außerdem Sprecher einer Gemeinschaft von Kleinbauern (campesinos), die ihr Land auf einer Farm, von der sie 2006 von Paramilitärs vertrieben worden waren, zurückerlangt hatten. Die Familie von Rogelio Martínez und weitere 51 Familien, die auf dem Gelände der Farm leben, könnten ebenfalls in Gefahr sein.

Am 18. Mai gegen 18 Uhr eröffneten sechs vermummte und schwarz gekleidete Männer das Feuer auf Rogelio Martínez, als dieser sich gerade auf einem Motorradtaxi befand. Der Angriff fand in der Nähe seines Zuhauses auf der Farm "La Alemania" in der Stadt San Onofre im Departement Sucre statt. Rogelio Martínez hatte berichtet, bereits am 15. Juni 2009 eine Morddrohungen über Telefon erhalten zu haben.

Die Sprecherin von MOVICE im Departement Sucre, Ingrid Vergara, hat in den vergangenen zwei Jahre ebenfalls eine Reihe von Morddrohungen erhalten. Zuletzt wurde ein ehrenamtlicher Mitarbeiter, der eng mit Ingrid Vergara zusammenarbeitet, verfolgt und mit einer Pistole bedroht. Einige der führenden Mitglieder von MOVICE erhalten bereits den von ihnen geforderten Schutz, während andere wie Ingrid Vergara noch immer auf die Umsetzung der meisten Schutzmaßnahmen warten und die Behörden immer wieder dazu auffordern.

Bislang ist niemand in Zusammenhang mit dem Tod von Rogelio Martínez verhaftet worden. Zudem wurde bislang niemand für die Tötung von 14 weiteren Menschen, die auf der Farm "La Alemania" lebten oder mit dort wohnenden Menschen in Verbindung standen, zur Verantwortung gezogen und niemand für die Angriffe gegen MitarbeiterInnen von MOVICE im Departement Sucre belangt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

MOVICE ist ein Zusammenschluss von vielen verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und setzt sich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbiens anhaltendem bewaffneten Konflikt ein.

Ingrid Vergara und ihre MOVICE-KollegInnen haben zahlreiche Fälle von Tötungen und "Verschwindenlassen" durch Sicherheitskräfte und paramilitärische Gruppen im Departement Sucre dokumentiert und angeprangert. Rogelio Martínez setzte sich dafür ein, dass die vertriebenen Gemeinden von San Onofre die Wahrheit erfahren, ihnen Gerechtigkeit widerfährt und sie Entschädigungen erhalten.

Am 2. April 2008 bedrohten unbekannte Männer Ingrid Vergaras Tochter Cendy Torres als Vergeltung für die Arbeit ihrer Mutter. Am 26. Oktober 2009 hatte man Cendy Torres außerdem gedroht, ihre Mutter zu ermorden.

Der anhaltende bewaffnete Konflikt in Kolumbien hat gravierende Folgen für die Zivilbevölkerung. Indigene, AfrokolumbianerInnen und Kleinbauerngemeinden sind dabei in besonderem Maße betroffen. Alle an den Kämpfen beteiligte Parteien – die Sicherheitskräfte ebenso wie Guerillagruppen und Paramilitärs – sind für schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht verantwortlich. Die Zahl der Binnenvertriebenen steigt weiter an, wenngleich geringer als noch im Vorjahr. Nach Angaben einer kolumbianischen Menschenrechtsorganisation wurden 2009 mehr als 286.000 Menschen innerhalb des Landes vertrieben.

Ein kleiner Teil der insgesamt vier bis sechs Millionen Hektar Land, das die Paramilitärs von Angehörigen der Zivilbevölkerung gestohlen hatten, wurde mittlerweile zurückgegeben. Es gab jedoch Befürchtungen, dass das Land wieder unter die Kontrolle der Paramilitärs fallen könnte. MenschenerechtlerInnen, die sich für die Rückgabe des von paramilitärischen Gruppen gestohlenen Landes einsetzen, wurden in den vergangnen Jahren besonders häufig bedroht und getötet. Solche Angriffe werden überwiegend paramilitärischen Gruppen zugeschrieben.
Obwohl die Regierung behauptet, dass die Paramilitärs in einem 2003 durch die Regierung initiierten Programm die Waffen niedergelegt haben, sind diese Gruppierungen weiterhin aktiv – manchmal gemeinsam mit den Sicherheitskräften oder mit deren Einverständnis – und begehen schwere Menschenrechtsverletzungen gegen MenschenrechtlerInnen und andere Angehörige der Zivilbevölkerung.