Berufung verläuft positiv
Demonstrationen in Bahrain: Unfaire Gerichtsverfahren
© Amnesty International
Am 23. Oktober hat vor dem Oberen Gericht für Strafsachen in Bahrain, einem Gericht der zivilen Justiz, das Berufungsverfahren gegen 20 Angehörige des Ärztepersonals begonnen. Einige der Anklagepunkte wurden gleich bei Prozesseröffnung fallen gelassen. Die nächste Verhandlung ist für den 28. November anberaumt worden. Ob der Prozess fair verlaufen wird, bleibt abzuwarten.
Appell an
KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555
Rifa’a Palace
al-Manama
BAHRAIN
(korrekte Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 4587
MINISTERPRÄSIDENT
Prince Khalifa bin Salman Al Khalifa
Office of the Prime Minister
P.O. Box 1000
al-Manama
BAHRAIN
(korrekte Anrede: Your Highness / Hoheit)
Fax: (00 973) 175 33 033
MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P.O. Box 13
al-Manama
BAHRAIN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 175 31 284
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S.E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über die Website
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt/
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch.Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 28. November 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich begrüße die Entscheidung der Behörden, den Angeklagten ein Berufungsverfahren vor einem Gericht der zivilen Justiz zuzugestehen. Stellen Sie bitte sicher, dass dieser Prozess internationalen Standards für ein faires Gerichtsverfahren in vollem Umfang gerecht wird.
- Ich erwarte, dass unverzüglich eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe über Folterungen und Misshandlungen an einigen der Angeklagten veranlasst, die Ermittlungsergebnisse öffentlich gemacht und die für Folterhandlungen Verantwortlichen vor Gericht gebracht werden.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Welcome the authorities’ decision to allow the defendants to have an appeal hearing before a civilian court and urge that the appeal is held in full conformity with international standards for fair trial.
- Urge the authorities to immediately set up an independent investigation into the alleged torture or other ill-treatment of some of the defendants, to make its results public, and bring to justice anyone responsible.
[HINTERGRUNDINFORMATIONEN]
Die am 29. September verurteilten 20 Personen zählen zu einer Gruppe von 48 Angehörigen des Ärztepersonals im Medizinischen Zentrum von Salmaniya, die in den Monaten März und April 2011 festgenommen worden waren. Einige von ihnen hatten in Interviews mit ausländischen Medien die Regierung bezichtigt, mit brutaler Gewalt gegen Protestteilnehmende vorgegangen zu sein. Die 48 HeilberuflerInnen wurden über mehrere Wochen hinweg ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten. Ihre Familien blieben während des größten Teils dieser Zeit ohne jede Kenntnis über den Verbleib der Gefangenen und durften sie bis zur Prozesseröffnung am 6. Juni vor dem Nationalen Sicherheitsgericht erster Instanz nicht ein einziges Mal sehen. Am 13. Juni teilte man die Angeklagten in zwei Gruppen auf. Gegen die eine Gruppe erging Anklage wegen schwerer Straftaten, die übrigen Personen wurden minderschwerer Delikte angeklagt. Aus Protest gegen ihre anhaltende Inhaftierung und den gegen sie angestrengten Prozess trat ein Großteil der Gefangenen in den Hungerstreik, woraufhin sie in den Monaten August und September 2011 sukzessive aus der Haft entlassen wurden.
Die Verurteilung zu 15 Jahren Freiheitsentzug erging gegen 'Ali 'Esa Mansoor al-'Ekri, Nader Mohammed Hassan Dewani, Ahmed 'Abdulaziz Omran Hassan, Mahmood Asghar 'Abdulwahab, 'Abdulkhaleq 'Ali Hussain al-'Oraibi, Ghassan Ahmed 'Ali Dhaif, Bassim Ahmed 'Ali Dhaif, Ebrahim 'Abdullah Ebrahim, Sayed Marhoon Majid al-Wedaei, Roula Jassim Mohammed al-Saffar, Nada Sa’eed 'Abdelnabi Dhaif, 'Ali Hassan al-Sadadi und Qassim Mohammad 'Omran. Die Urteile gegen Hassan Mohammed Sa’eed Nasser und Sa’eed Mothaher Habib Al Samahiji lauteten auf zehn Jahre Haft, während Fatima Salman Hassan Haji, Dhia Ibrahim Ja’far , Najah Khalil Ibrahim Hassan, Zahra Mahdi al-Sammak und Mohammed Faeq 'Ali Al Shehab zu jeweils fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurden.
Die Festnahme der HeilberuflerInnen erfolgte nach der Niederschlagung regierungskritischer Proteste, die Mitte März in Bahrain ausgebrochen waren. Am 18. März entsandte die Regierung Sicherheitskräfte mit Hubschraubern und Panzern in die Gegend, um den Verkehrskreisel Pearl Roundabout zu erstürmen und die dort friedlich demonstrierenden Menschen zu vertreiben. Daraufhin kam es zu Zusammenstößen, bei denen offenbar mindestens zwei Protestteilnehmende und zwei PolizistInnen getötet sowie zahlreiche Menschen von den Sicherheitskräften verletzt wurden, die die Gegend unter Einsatz von Gewalt zu räumen versuchten. Ähnliche von Gewalt begleitete Räumungsaktionen wurden auch aus dem angrenzenden Stadtteil Financial Harbour gemeldet.
Wie schon Mitte Februar 2011 bei ähnlichen Aktionen setzten die Sicherheitskräfte aus zum Teil nächster Nähe Gummigeschosse, Tränengas und sogar scharfe Munition ein. Ein solch hartes Durchgreifen war weder zum Schutz ihres eigenen noch des Lebens anderer Menschen erforderlich und verstieß somit gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Derart übermäßige Gewalt wurde nicht nur in Manama, sondern auch gegen Protestierende in Sitra, Nudaiderat und al Ma’amaar eingesetzt. ZeugInnen berichteten Amnesty International, Soldaten und andere Angehörige der Sicherheitskräfte hätten an den Eingängen zum Medizinischen Zentrum in Sitra und dem Krankenhaus in Salmaniya Tränengas auf dort anwesende Menschen abgefeuert. Darüber hinaus sollen einige ProtestteilnehmerInnen festgenommen und abgeführt worden sein, unter ihnen Menschen, die sich wegen erlittener Verletzungen in Behandlung befanden.
Nachdem die Sicherheitskräfte und das Militär den Pearl Roundabout, den Stadtteil Financial Harbour und den Krankenhauskomplex in Salmaniya unter ihre Kontrolle gebracht hatten, starteten sie eine konzertierte Aktion gegen führende schiitische PolitikerInnen und GemeindesprecherInnen, die während der Proteste eine führende Rolle eingenommen, Mitglieder der königlichen Familie öffentlich kritisiert und eine Umbildung der Regierung gefordert hatten. Seither sind mehrere hundert Menschen verhaftet und viele von ihnen vor Gericht gestellt und verurteilt worden, unter anderem wegen "Aufstachelung zum Hass gegen die Regierung".
Sachlage
Die 20 Angehörigen des Ärztepersonals waren im Zusammenhang mit Protesten der Bevölkerung im Februar und März 2011 von einem Militärgericht zu Freiheitsstrafen zwischen fünf und 15 Jahren verurteilt worden. Ihr Berufungsverfahren vor einem Gericht der zivilen Justiz fand am 23. Oktober statt und dauerte rund 30 Minuten. 17 der Angeklagten, die allesamt gegen Kaution aus der Haft entlassen worden waren, wohnten der Verhandlung bei. Auch JournalistInnen, VertreterInnen örtlicher Nichtregierungsorganisationen und Botschaftsangehörige waren als BeobachterInnen im Gerichtssaal anwesend.
Als positiv ist unter anderem festzuhalten, dass folgende drei mit hohen Strafen belegte Anklagen gegen die Angehörigen des Ärztepersonals zurückgenommen worden sind: "Anstachelung zum Hass gegen die Regierung", "Verbreitung falscher Nachrichten" und "Anstachelung Dritter zu Handlungen, die gegen die geltenden Gesetze verstoßen oder eine Straftat darstellen". Andere Anklagepunkte wurden dagegen aufrecht erhalten, darunter "unerlaubter Waffenbesitz", "Besetzung eines öffentlichen Gebäudes" (gemeint ist das Medizinische Zentrum von Salmaniya in der bahrainischen Hauptstadt Manama) und "Anstachelung zum gewaltsamen Sturz der Regierung".
Es wurde ferner bekannt, dass die "Geständnisse" der Angeklagten, die sie nach eigenen Angaben in der Untersuchungshaft unter Folter oder anderweitigem Zwang abgelegt haben, im Prozess nicht weiter als belastende Beweismittel gegen sie verwandt werden. Das Gericht entschied, die nächste Verhandlung am 28. November werde im Beisein der VerteidigerInnen der Angeklagten stattfinden. Bis zur Verkündung der rechtskräftigen Urteile seien alle 20 Angeklagten gegen Kaution aus der Haft zu entlassen. Die VerteidigerInnen beantragten zudem bei Gericht, das Reiseverbot gegen ihre MandantInnen aufzuheben und etwaige Erkenntnisse des Unabhängigen Untersuchungsausschusses über Folterungen an den Angeklagten dem Gericht zuzuleiten. Anderenfalls, so die VerteidigerInnen, müsse eine neue unabhängige Untersuchung der Foltervorwürfe anberaumt werden.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
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Ich begrüße die Entscheidung der Behörden, den Angeklagten ein Berufungsverfahren vor einem Gericht der zivilen Justiz zuzugestehen. Stellen Sie bitte sicher, dass dieser Prozess internationalen Standards für ein faires Gerichtsverfahren in vollem Umfang gerecht wird.
- Ich erwarte, dass unverzüglich eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe über Folterungen und Misshandlungen an einigen der Angeklagten veranlasst, die Ermittlungsergebnisse öffentlich gemacht und die für Folterhandlungen Verantwortlichen vor Gericht gebracht werden.
[APPELLE AN]
KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555
Rifa’a Palace
al-Manama
BAHRAIN
(korrekte Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 4587
MINISTERPRÄSIDENT
Prince Khalifa bin Salman Al Khalifa
Office of the Prime Minister
P.O. Box 1000
al-Manama
BAHRAIN
(korrekte Anrede: Your Highness / Hoheit)
Fax: (00 973) 175 33 033
MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P.O. Box 13
al-Manama
BAHRAIN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 175 31 284
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S.E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über die Website
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt/
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch.Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 28. November 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Welcome the authorities’ decision to allow the defendants to have an appeal hearing before a civilian court and urge that the appeal is held in full conformity with international standards for fair trial.
- Urge the authorities to immediately set up an independent investigation into the alleged torture or other ill-treatment of some of the defendants, to make its results public, and bring to justice anyone responsible.