Menschenrechtsanwalt unter Anklage
Karte Israel
© Courtesy of the University of Texas Libraries
Der palästinensische Menschenrechtsanwalt und Aktivist Anas Barghouti ist am 15. September von Angehörigen der israelischen Armee festgenommen worden. Man hielt ihn ohne Anklage in Haft, bis er am 24. September von einem israelischen Militärgericht im Zusammenhang mit seiner Arbeit und seinem Einsatz für die Menschenrechte anklagt wurde. Amnesty International betrachtet Anas Barghouti als gewaltlosen politischen Gefangenen und fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung.
Appell an
MINISTERPRÄSIDENT
Benjamin Netanyahu
Office of the Prime Minister
3 Kaplan St., PO Box 187
Kiryat Ben-Gurion, Jerusalem 91950
ISRAEL
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
E-Mail: b.netanyahu@pmo.gov.il oder pm_eng@pmo.gov.il
MILITÄRISCHER GENERALANWALT
Brigadier General Danny Efroni
6 David Elazar Street
Hakirya, Tel Aviv, ISRAEL
(Anrede: Dear Judge Advocate General / Sehr geehrter Herr Generalanwalt)
Fax: (00 972) 3 569 4526
E-Mail: avimn@idf.gov.il
Sende eine Kopie an
STELLVERTRETENDER MINISTERPRÄSIDENT UND VERTEIDIGUNGSMINISTER
Moshe Ya’alon
Ministry of Defence
37 Kaplan Street, Hakirya
Tel Aviv 61909, ISRAEL
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 972) 3 691 6940 oder (00 972) 3 696 2757
BOTSCHAFT DES STAATES ISRAEL
S.E. Herrn Jaakov Hadas-Handelsman
Auguste-Viktoria-Straße 74-76, 14193 Berlin
Fax: 030– 8904-5555 oder -5309
E-Mail: botschaft@israel.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hebräisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. November 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
E-MAILS, FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Bitte lassen Sie Anas Barghouti sofort und bedingungslos frei.
- Sorgen Sie für ein sofortiges Ende der Drangsalierung von MenschenrechtsverteidigerInnen in den besetzten palästinensischen Gebieten.
Sachlage
Am 15. September 2013 befand sich Anas Barghouti auf der Rückreise von einem Besuch bei Freunden und Familienangehörigen in seine Heimatstadt Ramallah. Gegen 19 Uhr hielten SoldatInnen an einem Kontrollpunkt des Militärs in den besetzten palästinensischen Gebieten nördlich von Bethlehem sein Auto an. Nachdem er seinen Ausweis der Rechtsanwaltskammer vorzeigte, nahmen die SoldatInnen ihn fest. Sein Handy wurde beschlagnahmt und man unterzog ihn einem Verhör. Anschließend brachte man ihn mit verbundenen Augen und Handschellen in eine Haftanstalt in der illegalen israelischen Siedlung Etzion. Später wurde er dann in den Militärkomplex Ofer gebracht, wo er sich noch immer befindet.
Anas Barghouti wurde am 16. September erstmals einem Militärgericht vorgeführt. Der zuständige Richter stimmte an diesem Tag dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine Haftverlängerung ohne Anklage bis zum 22. September zu. Nach Ablauf dieser Frist verlängerte man seine Haft erneut um zwei Tage, bevor man dann am 24. September in zwei Punkten Anklage gegen ihn erhob. Der erste Anklagepunkt lautet "Mitgliedschaft in der Volksfront zur Befreiung Palästinas", einer Organisation, die von den israelischen Behörden verboten wurde. Außerdem wird ihm die "Leitung eines Komitees zur Organisation von Demonstrationen" vorgeworfen. Anas Barghouti streitet beide Anklagepunkte ab. Am 1. Oktober fand eine Anhörung statt, im Rahmen derer sein Verfahren auf den 9. Oktober verschoben wurde.
Amnesty International betrachtet Anas Barghouti als gewaltfreien politischen Gefangenen, der sich nur deshalb in Haft befindet, weil er sich als Anwalt für die Menschenrechte von palästinensischen Gefangenen einsetzt und friedlich seine politischen Ansichten äußert.
Hintergrundinformation
Anas Barghouti ist Menschenrechtsanwalt und Aktivist und wohnt in Dier Ghassaneh, einem Dorf nördlich von Ramallah. Seit 2009 arbeitet er als Anwalt für die palästinensische Gefangenen- und Menschenrechtsorganisation Addameer. Er leistet PalästinenserInnen, die von den Sicherheitskräften der Palästinensischen Autonomiebehörde festgehalten werden, rechtlichen Beistand und vertritt sie vor Gericht. Der Schwerpunkt seiner Arbeit ist es, Fällen von willkürlichen Festnahmen durch die Palästinensische Autonomiebehörde nachzugehen, sowie die Opfer vor Gericht zu vertreten. Unter anderem vertrat er auch MandantInnen vor dem Obersten Palästinensischen Gerichtshof. Laut der Organisation Addameer ist Anas Barghouti wegen seiner Arbeit als Verteidiger der Menschenrechte von palästinensischen Gefangenen bereits mehrfach von Sicherheitskräften der Palästinensischen Autonomiebehörde drangsaliert worden.
Zu seinem weiteren Einsatz für die Menschenrechte zählen die Organisation von und die Teilnahmen an Veranstaltungen und Aktivitäten, mit denen Schutz und Respekt der Menschenrechte von palästinensischen Häftlingen und Gefangenen in israelischen Haftanstalten gefordert werden. Seine Festnahme ist Teil der systematischen Drangsalierung von palästinensischen Menschenrechtsorganisationen und deren Mitgliedern durch die israelischen Behörden in den besetzten palästinensischen Gebieten. Es kommt immer wieder zu willkürlichen Inhaftierungen, Beschränkungen der Bewegungsfreiheit und Durchsuchungen von Wohnungen und Büroräumen.
Auch Addameer gehört zu den Organisationen, die Opfer solcher Drangsalierungen geworden ist. Am 11. Dezember 2012 durchsuchten israelische Sicherheitskräfte die Büros der Organisation und zweier weiterer palästinensischer NGOs in Ramallah. Dabei nahmen sie Computer, Arbeitsunterlagen und Ausstattungsgegenstände mit und ließen die Räume verwüstet zurück.
Auch weitere Mitglieder von Addameer sind zum Ziel der Drangsalierung geworden. Der Vorsitzende der Organisation, Abdullatif Ghaith, darf auf Anordnung des israelischen Militärs seit 2011 weder das Westjordanland betreten noch das Land verlassen. Am 23. September 2013, eine Woche nach der Festnahme von Anas Barghouti, nahmen israelische Streitkräfte Samer Arbid, einen Buchhalter von Addameer, fest. Er soll sich laut der Organisation zuvor bereits schon einmal 30 Monate in Verwaltungshaft gehalten worden sein.
Die schwerwiegendsten Anschuldigungen stehen in Zusammenhang mit dem Fall von Ayman Nasser, einem Menschenrechtsverteidiger, der Addameer angehört. Laut seinem Rechtsbeistand wurde er nach seiner Festnahme am 15. Oktober 2012 durch israelische Sicherheitskräfte während seines Verhörs gefoltert. Er sagte seinem Rechtsbeistand, dass er pro Tag bis zu 20 Stunden verhört wurde und man ihn während dieser Verhöre gezwungen habe, mit hinter dem Rücken zusammengebundenen Händen auf einem Stuhl zu sitzen.
Ayman Nasser wurde am 12. Dezember einem Militärgericht vorgeführt. Zu den gegen ihn erhobenen Anklagen gehörte die Mitgliedschaft in der verbotenen Volksfront zur Befreiung Palästinas (Popular Front for the Liberation of Palestine - PFLP) und das Ausführen von Handlungen zur Unterstützung von palästinensischen Gefangenen innerhalb der PFLP. Laut seinem Rechtsbeistand streitet Ayman Nasser die Anklagen ab und sagt, dass er sich lediglich in seiner Funktion als Menschenrechtsverteidiger der Addameer und des Kulturzentrums Handala für Häftlinge eingesetzt habe. Er wurde nach einer Vereinbarung von einem Militärgericht zu 13 Monaten Haft verurteilt. Derzeit wird er im Megiddo-Gefängnis in Israel festgehalten. Im November dieses Jahres soll er freikommen.
Die israelischen Behörden verweigern den Rechtsbeiständen von Addameer zudem regelmäßig den Zugang zu den und Häftlingen, die sie vertreten.