Palästinensischer Anwalt gegen Kaution frei
Karte Israel
© Courtesy of the University of Texas Libraries
Der palästinensische Menschenrechtsanwalt und Aktivist Anas Barghouti wurde am 23. Oktober gegen Kaution aus der Haft entlassen. Ein Militärrichter veranlasste die Freilassung mit der Begründung, dass die Geständnisse anderer Gefangener, die als Beweise gegen den Angeklagten vorgebracht worden waren, nicht belegen konnten, dass von ihm ein Sicherheitsrisiko ausgehe. Anas Barghouti droht jedoch nach wie vor ein Verfahren vor einem Militärgericht. Bei einem Schuldspruch könnte er zu einer Gefängnisstrafe von bis zu 18 Monaten verurteilt werden.
Appell an
MINISTERPRÄSIDENT
Benjamin Netanyahu
Office of the Prime Minister
3 Kaplan St., PO Box 187
Kiryat Ben-Gurion, Jerusalem 91950
ISRAEL
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
E-Mail: b.netanyahu@pmo.gov.il oder pm_eng@pmo.gov.il
MILITÄRISCHER GENERALANWALT
Brigadier General Danny Efroni
6 David Elazar Street
Hakirya, Tel Aviv, ISRAEL
(Anrede: Dear Judge Advocate General / Sehr geehrter Herr Generalanwalt)
Fax: (00 972) 3 569 4526
E-Mail: avimn@idf.gov.il
Sende eine Kopie an
STELLVERTRETENDER MINISTERPRÄSIDENT UND VERTEIDIGUNGSMINISTER
Moshe Ya’alon
Ministry of Defence
37 Kaplan Street, Hakirya
Tel Aviv 61909, ISRAEL
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 972) 3 691 6940 oder (00 972) 3 696 2757
BOTSCHAFT DES STAATES ISRAEL
S.E. Herrn Jaakov Hadas-Handelsman
Auguste-Viktoria-Straße 74-76, 14193 Berlin
Fax: 030– 8904-5555 oder -5309
E-Mail: botschaft@israel.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hebräisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. Dezember 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Sachlage
Ein Richter am Militärgericht von Ofer ordnete am 23. Oktober an, dass Anas Barghouti gegen Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 12.000 Israelischen Schekel (ca. 3.400 US-Dollar) freigelassen wurde. Er war im Militärkomplex von Ofer festgehalten worden.
Dem Menschenrechtsanwalt droht ein Verfahren vor einem Militärgericht wegen der Anklagen "Mitgliedschaft in der Volksfront zur Befreiung Palästinas", einer Organisation, die von den israelischen Behörden verboten wurde, und "Leitung eines Komitees zur Organisation von Demonstrationen". Anas Barghouti weist beide Anklagen zurück. Sollte er dieser Anklagen für schuldig befunden und inhaftiert werden, würde Amnesty International Anas Barghouti als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten, der allein deshalb inhaftiert ist, weil er sich als Anwalt für die Menschenrechte von palästinensischen Gefangenen einsetzt und friedlich seine politischen Ansichten äußert.
Der Aktivist war am 15. September an einem militärischen Kontrollpunkt in der Nähe von Bethlehem im besetzten Westjordanland festgenommen worden. Bis zum 24. September hielt man ihn ohne Anklage fest, dann wurden die oben genannten Anklagen gegen ihn erhoben.
Seine Festnahme steht offenbar in Zusammenhang mit seiner Arbeit und ist Teil der systematischen Drangsalierung von palästinensischen Menschenrechtsorganisationen und deren Mitgliedern durch die israelischen Behörden in den besetzten palästinensischen Gebieten. Es kommt immer wieder zu willkürlichen Inhaftierungen, Beschränkungen der Bewegungsfreiheit und Durchsuchungen von Wohnungen und Büroräumen.
[SCHREIBEN SIE BITTE ]
E-MAILS, FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Bitte lassen Sie alle gegen Anas Barghouti erhobenen Anklagen fallen. Wenn er für schuldig befunden und inhaftiert wird, würde Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten, weil er dann allein wegen seiner Arbeit als Anwalt für Gefangene und der friedlichen Äußerung seiner politischen Überzeugungen inhaftiert wäre.
- Sorgen Sie für ein sofortiges Ende der Drangsalierung von MenschenrechtsverteidigerInnen in den besetzten palästinensischen Gebieten.
[APPELLE AN]
MINISTERPRÄSIDENT
Benjamin Netanyahu
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3 Kaplan St., PO Box 187
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Hintergrundinformation
Anas Barghouti wurde am 15. September 2013 an einem Militärkontrollpunkt in den besetzten palästinensischen Gebieten nördlich von Bethlehem festgenommen. Er befand sich auf der Rückreise von einem Besuch bei Freunden und Familienangehörigen in seine Heimatstadt Ramallah. Gegen 19 Uhr hielten SoldatInnen sein Auto an. Nachdem er seinen Ausweis der Rechtsanwaltskammer vorzeigte, nahmen die SoldatInnen ihn fest. Sein Handy wurde beschlagnahmt und man unterzog ihn einem Verhör. Anschließend brachte man ihn mit verbundenen Augen und in Handschellen in eine Haftanstalt in der illegalen israelischen Siedlung Etzion. Später wurde er dann in den Militärkomplex Ofer gebracht, wo er sich bis zu seiner Freilassung befand.
Anas Barghouti wurde am 16. September erstmals einem Militärgericht vorgeführt. Der zuständige Richter stimmte an diesem Tag dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine Haftverlängerung ohne Anklage bis zum 22. September zu. Nach Ablauf dieser Frist verlängerte man seine Haft erneut um zwei Tage, bevor man dann am 24. September in zwei Punkten Anklage gegen ihn erhob. Am 1. Oktober fand eine Anhörung statt, im Rahmen derer sein Verfahren auf den 9. Oktober verschoben wurde. Danach wurde das Verfahren auf den 23. Oktober vertagt.
Anas Barghouti wohnt in Dier Ghassaneh, einem Dorf nördlich von Ramallah. Seit 2009 arbeitet er als Anwalt für die palästinensische Gefangenen- und Menschenrechtsorganisation Addameer. Er leistet PalästinenserInnen, die von den Sicherheitskräften der Palästinensischen Autonomiebehörde festgehalten werden, rechtlichen Beistand und vertritt sie vor Gericht. Der Schwerpunkt seiner Arbeit ist es, Fällen von willkürlichen Festnahmen durch die Palästinensische Autonomiebehörde nachzugehen, sowie die Opfer vor Gericht zu vertreten. Unter anderem vertrat er auch MandantInnen vor dem Obersten Palästinensischen Gerichtshof. Laut der Organisation Addameer ist Anas Barghouti wegen seiner Arbeit als Verteidiger der Menschenrechte von palästinensischen Gefangenen bereits mehrfach von Sicherheitskräften der Palästinensischen Autonomiebehörde drangsaliert worden.
Zu seinem weiteren Einsatz für die Menschenrechte zählen die Organisation von und die Teilnahmen an Veranstaltungen und Aktivitäten, mit denen Schutz und Respekt der Menschenrechte von palästinensischen Häftlingen und Gefangenen in israelischen Haftanstalten gefordert werden. Seine Festnahme ist Teil der systematischen Drangsalierung von palästinensischen Menschenrechtsorganisationen und deren Mitgliedern durch die israelischen Behörden in den besetzten palästinensischen Gebieten. Es kommt immer wieder zu willkürlichen Inhaftierungen, Beschränkungen der Bewegungsfreiheit und Durchsuchungen von Wohnungen und Büroräumen.
Auch Addameer gehört zu den Organisationen, die Opfer solcher Drangsalierungen geworden ist. Am 11. Dezember 2012 durchsuchten israelische Sicherheitskräfte die Büros der Organisation und zweier weiterer palästinensischer NGOs in Ramallah. Dabei nahmen sie Computer, Arbeitsunterlagen und Ausstattungsgegenstände mit und ließen die Räume verwüstet zurück.
Auch weitere Mitglieder von Addameer sind zum Ziel der Drangsalierung geworden. Der Vorsitzende der Organisation, Abdullatif Ghaith, darf auf Anordnung des israelischen Militärs seit 2011 weder das Westjordanland betreten noch das Land verlassen. Am 23. September 2013, eine Woche nach der Festnahme von Anas Barghouti, nahmen israelische Streitkräfte Samer Arbid, einen Buchhalter von Addameer, fest. Er wurde bis zum 21. Oktober zum Verhör in Gewahrsam gehalten. Dann erhielt er einen viermonatige Verwaltungshaftanordnung (eine militärische Anordnung, auf deren Grundlange die Behörden ihn ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festhalten können und die unbegrenzt verlängert werden kann).
Die schwerwiegendsten Anschuldigungen stehen in Zusammenhang mit dem Fall von Ayman Nasser, einem Menschenrechtsverteidiger, der Addameer angehört. Laut seinem Rechtsbeistand wurde er nach seiner Festnahme am 15. Oktober 2012 durch israelische Sicherheitskräfte während seines Verhörs gefoltert. Er sagte seinem Rechtsbeistand, dass er pro Tag bis zu 20 Stunden verhört wurde und man ihn während dieser Verhöre gezwungen habe, mit hinter dem Rücken zusammengebundenen Händen auf einem Stuhl zu sitzen. Er wurde im November 2012 verschiedener Anklage für schuldig befunden, darunter der Mitgliedschaft in der Volksfront zur Befreiung Palästinas und Aktivitäten zur Unterstützung von palästinensischen Gefangenen. Er kam nach einem Jahr in Haft am 21. Oktober 2013 frei.
Die israelischen Behörden verweigern den Rechtsbeiständen von Addameer zudem regelmäßig den Zugang zu den und Häftlingen, die sie vertreten.