Journalist verschleppt
Muhammad al-Maqalih
© privat
Muhammad al-Maqalih wurde in der Hauptstadt Sana’a verschleppt. Vor seiner Entführung hatte er die Regierung wegen der fortdauernden bewaffneten Auseinandersetzungen in der im Norden des Landes gelegenen Provinz Sa’da kritisiert. Über seinen derzeitigen Aufenthaltsort liegen keine Informationen vor. Sein Leben ist in Gefahr.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
President
´Ali ´Abdullah Saleh
Office of the President of the Republic of Yemen
Sana'a,
JEMEN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 967) 127 4147
INNENMINISTER
Minister of the Interior
Mutaher Rashad al Masri
Ministry of the Interior
Sana'a,
JEMEN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 967) 133 2511
Sende eine Kopie an
MINISTERIN FÜR MENSCHENRECHTE
Minister of Human Rights
Houda 'Ali 'Abdullatif al-Baan
Ministry for Human Rights
Sana’a,
JEMEN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 967) 1 444 833
BOTSCHAFT DER REPUBLIK JEMEN
S.E. Herrn Prof. Dr. Mohammed L. Al-Eryani
Budapester Str. 37, 10787 Berlin
Fax: 030-8973 0562
E-Mail: Info@Botschaft-Jemen.de oder
botschaft-jemen@freenet.de oder
konsulat@botschaft-jemen.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. Oktober 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE
-
bei den Behörden darauf dringen, Verbleib und Aufenthaltsort von Muhammad al-Maqalih aufzuklären und ihn unverzüglich freizulassen, falls er allein aufgrund seiner Kritik an der Regierung inhaftiert ist;
-
darlegen, dass Amnesty International ihn in diesem Fall als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten würde;
- die Behörden eindringlich aufrufen, Muhammad al-Maqalih vor Folter und anderen Misshandlungen zu schützen, ihm unverzüglich und regelmäßig Zugang zu RechtsanwältInnen eigener Wahl zu ermöglichen, Besuche durch Familienangehörige zuzulassen und ihm, falls notwendig, medizinische Versorgung zu gewähren.
Sachlage
Muhammad al-Maqalih, Vater von sieben Kindern, wurde am 17. September 2009 gegen 23 Uhr auf einer Straße in der jemenitischen Hauptstadt Sana’a entführt. AugenzeugInnen berichteten seiner Familie, er sei von mehreren Männern in einen weißen Kleinbus gezerrt worden, dessen Nummernschilder verdeckt gewesen seien. Der in der Nähe stehende Wagen, mit dem Muhammad al-Maqalih unterwegs gewesen war, wurde von den Männern fahruntüchtig gemacht, indem sie die Luft aus einem der Reifen ließen. Seit dem Vorfall fehlt von dem Journalisten jede Spur.
Muhammad al-Maqalih ist Mitglied der Jemenitischen Sozialistischen Partei. Einheimische MenschenrechtlerInnen vermuten, dass Sicherheitskräfte in Zivil den Journalisten aufgrund seiner Kritik an der Regierung entführt haben, insbesondere an bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Armee und Anhängern eines schiitischen Geistlichen in Sa’da. Die Sozialistische Partei hatte seine Kritik an der Tötung von Zivilpersonen durch Sicherheitskräfte auf ihrer Website (http://www.aleshteraki.net) veröffentlicht.
Entführungen von politischen GegnerInnen und KritikerInnen der Regierung sind im Jemen häufig zu beobachten, insbesondere in politischen Krisensituationen wie den Auseinandersetzungen in Sa’da. Entführungsopfer werden häufig auch Folterungen oder Misshandlungen unterworfen.
Hintergrundinformation
Im Jemen sind RegierungskritikerInnen häufig in Gefahr, festgenommen, inhaftiert, entführt oder geschlagen zu werden. In der Provinz Sa’da, die größtenteils von Angehörigen der schiitischen Minderheit der Zaiditen bewohnt wird, kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu länger andauernden Konflikten. Es gab zahlreiche bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern des im Jahr 2004 getöteten schiitischen Geistlichen Hussein al-Houthi. Die jüngste Welle der Gewalt begann Mitte August 2009, als über die Provinz praktisch der Ausnahmezustand verhängt wurde. Sicherheitskräfte haben bei einer Reihe von Angriffen unter anderem Dörfer und Städte bombardiert – offenbar, um AnhängerInnen von Hussein al-Houthi zu töten.
Das humanitäre Völkerrecht verbietet ausdrücklich Angriffe auf Zivilpersonen sowie willkürliche und unverhältnismäßige Angriffe aller Art. Die jemenitische Regierung und die bewaffneten Houthi-AnhängerInnen sind dazu verpflichtet, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren und müssen sicherstellen, dass keine der Seiten unrechtmäßige Angriffe ausführt.
Amnesty International hat die jemenitischen Behörden aufgefordert, eine unverzügliche und vollständige Untersuchung aller Vorwürfe ernster Verstöße durch Sicherheitskräfte einzuleiten. Dazu gehört auch der vermeintliche Bombenangriff vom 16. September auf das Dorf Adi in der Region Harf Sufyan. Bei diesem in der Provinz Amran nahe Sa’da stattgefundenen Angriff kamen vermutlich 80 Zivilpersonen ums Leben.
Weitere Informationen finden Sie auf Englisch unter: http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/news/saudi-arabia-must-assist-refugees-fleeing-yemen-fighting-20090918