Weiter in Haft

Ildefonso Zamora

Ildefonso Zamora

Ein mexikanisches Gericht hat zugunsten eines indigenen Umwelt- und Landrechtsaktivisten entschieden, der sich seit November 2015 aufgrund einer konstruierten Anklage in Haft befindet. Wenn der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates México keine Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt, bestehen gute Aussichten darauf, dass Ildefonso Zamora bald freigelassen wird. Er ist ein gewaltloser politischer Gefangener.

Appell an:

GENERALSTAATSANWALT DES BUNDESSTAATES MÉXICO
Alejandro J. Gómez Sánchez
Procurador General de Justicia del Estado de México
José María Morelos Oriente 1300
Colonia San Sebastián
Toluca, C.P. 50090
Estado de México
MEXIKO
(Anrede: Estimado Procurador / Dear Attorney General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
E-Mail: gempgj@mail.edomex.gob.mx
Twitter: @ProcuradorMXQ
Facebook: Alejandro Jaime Gómez Sánchez

INNENMINISTER
Miguel Ángel Osorio Chong
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, Col. Juárez
Del. Cuauhtémoc, C.P. 06600
Ciudad de México
MEXIKO
(Anrede: Dear Minister / Estimado Sr. Secretario / Sehr geehrter Herr Minister)
E-Mail: secretario@segob.gob.mx
Twitter: @osoriochong
Facebook: Miguel Ángel Osorio Chong

Sende eine Kopie an:

ILDEFONSO ZAMORA
c/o Amnistía Internacional México
Luz Saviñón 519, Col. del Valle
Del. Benito Juárez C. P. 03100
Ciudad de México
MEXIKO
E-Mail: au@amnistia.org.mx

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
I. E. Patricia Espinosa Cantellano
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23 700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 27. Juni 2016 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch, Spanisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS, TWITTER-NACHRICHTEN, FACEBOOK-NACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte sehen Sie davon ab, gegen das am 13. Juni zugunsten von Ildefonso Zamora ergangene Gerichtsurteil Rechtsmittel einzulegen.

  • Ergreifen Sie bitte umgehend alle verfügbaren Maßnahmen, um die sofortige und bedingungslose Freilassung von Ildefonso Zamora sicherzustellen, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass er und seine Familienangehörigen nicht länger von der Justiz schikaniert werden.

  • Erkennen Sie bitte öffentlich die legitime Arbeit von Menschenrechtsverteidiger_innen wie Ildefonso Zamora an.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the Mexico State Attorney General to refrain from appealing the 13 June ruling in which a federal judge has found in favour of Ildefonso Zamora.

  • Calling on the authorities to take all possible steps to ensure that Ildefonso Zamora is immediately and unconditionally released, as he is a prisoner of conscience.

  • Calling on them to ensure that no public official carries out any further judicial harassment against Ildefonso Zamora or his relatives.

  • Calling on them to publicly acknowledge the legitimate work of human rights defenders, including Ildefonso Zamora.

Sachlage

Am 13. Juni urteilte ein mexikanisches Gericht, dass die Vorwürfe gegen Ildefonso Zamora haltlos sind, da keine Beweise gegen ihn vorliegen. Man wirft dem Umweltaktivisten, der sich gegen die Abholzung eines Waldgebiets auf dem angestammten Land seiner indigenen Gemeinschaft einsetzt, vor, 2012 an einem Raub beteiligt gewesen zu sein. Der Richter sah es nicht als erwiesen an, dass der mutmaßliche Raub tatsächlich stattgefunden hat. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates México hat nun prinzipiell bis zum 27. Juni Zeit, um Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Amnesty International fordert die Generalstaatsanwaltschaft auf, die richterliche Entscheidung nicht anzufechten und stattdessen anzuerkennen, dass im Fall von Ildefonso Zamora eindeutig gegen verfahrensrechtliche Garantien verstoßen wurde.

Das Urteil ist wenn auch kein hinreichender, so doch ein notwendiger Schritt, um die Freilassung von Ildefonso Zamora zu erwirken. Den Behörden zufolge könnten noch weitere Haftbefehle gegen Ildefonso Zamora und seinen Sohn Misael Zamora zum Einsatz kommen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Ildefonso Zamora wurde am 20. November 2015 festgenommen. Man wirft ihm vor, an einem Raub in einem Haus in der Gemeinde San Juan Atzingo im Bundesstaat México beteiligt gewesen zu sein, der am 11. Juli 2012 begangen worden war. Die gegen ihn erhobene Anklage basiert auf Aussagen von Augenzeug_innen, die sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Wortwahl und der Reihenfolge der Informationen nahezu identisch sind. Dies deutet darauf hin, dass die Anklage konstruiert ist und politisch motiviert sein könnte. In den Aussagen werden sogar die zwölf mutmaßlichen Täter_innen, unter denen sich auch Ildefonso Zamora befindet, in derselben Reihenfolge genannt. Seit November 2015 befindet sich Ildefonso Zamora in Tenancingo im Bundesstaat México in Untersuchungshaft.

Ildefonso Zamora gehört der indigenen Gemeinschaft der Tlauica in San Juan Atzingo an, das etwa 80 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt liegt. Seit den 1990er Jahren setzt er sich gegen die exzessive Abholzung in der Nähe der Gemeinde ein, für die Männer aus der Gegend verantwortlich sind, die das Holz andernorts verkaufen. 2007 tötete eine Gruppe von Holzfällern Aldo Zamora, einen der Söhne von Ildefonso Zamora. Zwei der Täter sind vor Gericht gestellt worden, die anderen sind flüchtig.

Menschenrechtsverteidiger_innen in Mexiko werden wegen ihrer legitimen Arbeit häufig Opfer von Vergeltungsmaßnahmen wie Drohungen, Einschüchterungsversuchen und willkürlichen Inhaftierungen auf Grundlage konstruierter Anklagen. Besonders gefährdet sind diejenigen, die in abgelegenen oder ländlichen Gemeinden arbeiten, wo die Täter_innen in der Regel mit den politischen Führungspersönlichkeiten vor Ort zusammenarbeiten. Die dort arbeitenden Menschenrechtsverteidiger_innen sind zudem besonders gefährdet, weil große Distanzen, geografische Hindernisse und begrenzte Kommunikationsmittel den Kontakt mit und die Unterstützung von anderen Menschenrechtler_innen deutlich einschränken.

Für Menschenrechtsverteidiger_innen, die Bedrohungen ausgesetzt sind, haben die Behörden den Mechanismus für den Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen (Mecanismo de Protección para Personas Defensoras de los Derechos Humanos y Periodistas) eingerichtet. In den meisten Fällen bietet dieser jedoch nur unzureichenden oder unangemessenen Schutz für diejenigen, die ihn am meisten benötigen, wie Menschenrechtsverteidigerinnen und Personen, die in abgelegenen oder ländlichen Gemeinden arbeiten. Dem Mechanismus fehlt es an politischen, finanziellen und personellen Ressourcen und die Koordination zwischen den Behörden weist auf verschiedenen Ebenen erhebliche Mängel auf. So gut wie alle Angriffe gegen Menschenrechtsverteidiger_innen bleiben straffrei.

Ildefonso Zamora ist verheiratet und hat drei Töchter, zwei Söhne und sechs Enkelkinder. Seine Familie besucht ihn regelmäßig im Gefängnis und ist die treibende Kraft hinter der Kampagne für seine Freilassung. Andere zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Greenpeace Mexiko und das Miguel-Agustín-Pro-Juaréz-Menschenrechtszentrum (Centro de Derechos Humanos Miguel Agustín Pro Juaréz) setzen sich ebenfalls für seine Freilassung ein.