Konstruierte Anklagen gegen Umweltschützer

Ildefonso Zamora befindet sich seit November 2015 in Untersuchungshaft. Man scheint den Umwelt- und Landrechtsaktivisten, der einer indigenen Gemeinschaft angehört, so davon abhalten zu wollen, sich gegen die Abholzung eines Waldgebiets auf dem angestammten Land seiner indigenen Gemeinschaft einzusetzen. Man wirft ihm vor, 2012 an einem Raub beteiligt gewesen zu sein. Dieser Vorwurf ist jedoch haltlos und offenbar politisch motiviert. Ildefonso Zamora ist ein gewaltloser politischer Gefangener und muss sofort und bedingungslos freigelassen werden.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS, TWITTER-NACHRICHTEN, FACEBOOK-NACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Lassen Sie Ildefonso Zamora bitte sofort und bedingungslos frei, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist und die gegen ihn erhobene Anklage haltlos und politisch motiviert zu sein scheint.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass alle Unregelmäßigkeiten untersucht werden, stellen Sie die Personen mit mutmaßlicher strafrechtlicher Verantwortung vor Gericht und stellen Sie sicher, dass Ildefonso Zamora und seine Familie entschädigt werden.

  • Erkennen Sie bitte öffentlich die legitime Arbeit von Menschenrechtsverteidiger_innen wie Ildefonso Zamora an.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to immediately and unconditionally release Ildefonso Zamora as he is a prisoner of conscience and the charge against him is unsubstantiated and seems to be politically motivated.

  • Calling on them to investigate all irregularities, bring those suspected of criminal responsibility to account and provide redress to the Ildefonso Zamora and his family.

  • Calling on them to publicly acknowledge the legitimate work of human rights defenders, including Ildefonso Zamora.

Sachlage

Ildefonso Zamora wurde am 20. November 2015 festgenommen. Man wirft ihm vor, an einem Raub in einem Haus in der Gemeinde San Juan Atzingo im Bundesstaat México beteiligt gewesen zu sein, der am 11. Juli 2012 begangen worden war. Die gegen ihn erhobene Anklage basiert auf Aussagen von Augenzeug_innen, die sowohl bezüglich des Inhalts als auch hinsichtlich der Wortwahl und der Reihenfolge der Informationen nahezu identisch sind. Dies deutet darauf hin, dass die Anklage konstruiert ist und politisch motiviert sein könnte. In den Aussagen werden sogar die zwölf mutmaßlichen Täter_innen, unter denen sich auch Ildefonso Zamora befindet, in derselben Reihenfolge genannt. Obwohl die Ermittlungen zu dem Raub bereits seit 2012 laufen, haben die Behörden Ildefonso Zamora nicht über die Vorwürfe informiert und ihm erst nach seiner Festnahme die Möglichkeit gegeben, seine Verteidigung vorzubereiten. Seit November 2015 befindet er sich in Tenancingo im Bundesstaat México in Untersuchungshaft. Am 27. April 2016 fand unter dem Vorsitz eines Bundesrichters eine Anhörung zu einer Verfassungsklage statt, die gegen die strafrechtliche Anklage gegen Ildefonso Zamora eingereicht wurde. In den nächsten Wochen soll die Entscheidung des Richters veröffentlicht werden.

Ildefonso Zamora gehört der indigenen Gemeinschaft der Tlauica in San Juan Atzingo an, das etwa 80 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt liegt. Seit den 1990ern setzt er sich gegen die exzessive Abholzung in der Nähe der Gemeinde ein, für die Männer aus der Gegend verantwortlich sind, die das Holz andernorts verkaufen. 2007 tötete eine Gruppe von Holzfällern Aldo Zamora, den Sohn von Ildefonso Zamora. Zwei der Täter sind vor Gericht gestellt worden, die anderen sind flüchtig.

Appell an:

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MÉXICO
Eruviel Ávila Villegas
Gobernador del Estado de México
Palacio del Poder Ejecutivo
Lerdo Poniente Nro. 300 Colonia Centro
C. P. 50000
Toluca
Estado de México
MEXIKO
(Anrede: Dear Governor / Estimado Gobernador /
Sehr geehrter Herr Gouverneur)
E-Mail: eruviel.avila@edomex.gob.mx
Twitter: @eruviel_avila
Facebook: Eruviel Ávila

PRÄSIDENT
Enrique Peña Nieto
Presidente de la República
Residencia oficial de Los Pinos
Col. San Miguel Chapultepec
C. P. 11850
Ciudad de México
MEXIKO
(Anrede: Dear President / Estimado Presidente / Sehr geehrter Präsident)
E-Mail: über die Webseite: www.gob.mx/atencion/
Twitter: @epn
Facebook: Presidente Enrique Peña Nieto

Sende eine Kopie an:

ILDEFONSO ZAMORA
c/o Amnistía Internacional México
Luz Saviñón 519, Col. del Valle
Del. Benito Juárez C. P. 03100
Ciudad de México
MEXIKO
E-Mail: au@amnistia.org.mx

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
I. E. Patricia Espinosa Cantellano
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23 700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 20. Juni 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Menschenrechtsverteidiger_innen in Mexiko werden wegen ihrer legitimen Arbeit häufig Opfer von Vergeltungsmaßnahmen, wie Drohungen, Einschüchterungsversuchen und willkürlichen Inhaftierungen auf Grundlage konstruierter Anklagen. Besonders gefährdet sind diejenigen, die in abgelegenen oder ländlichen Gemeinden arbeiten, wo die Täter_innen in der Regel mit den politischen Führungspersönlichkeiten vor Ort zusammenarbeiten. Die dort arbeitenden Menschenrechtsverteidiger_innen sind zudem besonders gefährdet, weil große Distanzen, geographische Hindernisse und begrenzte Kommunikationsmittel den Kontakt mit und die Unterstützung von anderen Menschenrechtler_innen deutlich einschränken.

Für Menschenrechtsverteidiger_innen, die Bedrohungen ausgesetzt sind, haben die Behörden den Mechanismus für den Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen (Mecanismo de Protección para Personas Defensoras de los Derechos Humanos y Periodistas) eingerichtet. In den meisten Fällen bietet dieser jedoch nur unzureichenden oder unangemessenen Schutz für diejenigen, die ihn am meisten benötigen, wie Menschenrechtsverteidigerinnen und solche, die in abgelegenen oder ländlichen Gemeinden arbeiten. Dem Mechanismus fehlt es an politischen, finanziellen und personellen Ressourcen und die Koordination zwischen den Behörden weist auf verschiedenen Ebenen erhebliche Mängel auf. So gut wie alle Angriffe gegen Menschenrechtsverteidiger_innen bleiben straffrei.

Ildefonso Zamora ist verheiratet und hat drei Töchter, zwei Söhne und sechs Enkelkinder. Seine Familie besucht ihn regelmäßig im Gefängnis und ist die treibende Kraft hinter der Kampagne für seine Freilassung. Andere zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Greenpeace Mexiko und das Miguel-Agustín-Pro-Juaréz-Menschenrechtszentrum (Centro de Derechos Humanos Miguel Agustín Pro Juaréz) setzen sich ebenfalls für seine Freilassung ein.