02. Dezember 2015

Eritrea: Endloser Militärdienst vertreibt ganze Generationen aus ihrer Heimat

Neuer Amnesty-Bericht: Unbefristeter Wehrdienst gleicht staatlicher Zwangsarbeit

Die eritreische Regierung hat ihr Versprechen gebrochen, die allgemeine Wehrpflicht auf 18 Monate zu beschränken. Wie der neue Amnesty-Bericht „Just Deserters: Why indefinite national service in Eritrea has created a generation of refugees“ beweist, ist der Wehrdienst entgegen aller Behauptungen der Behörden weiterhin unbefristet und dauert häufig mehrere Jahrzehnte. Auch Jungen und Mädchen im Alter von 16 Jahren werden eingezogen, selbst Menschen über 50 werden erneut zwangsverpflichtet. Dies zeigen Interviews, die Amnesty International mit 72 Eritreern geführt hat, die seit Mitte 2014 aus dem Land geflohen sind.

„Die Situation der Eritreer ist hoffnungslos. Sie zeigt die Ignoranz hinter den Aussagen mancher Aufnahmeländer, mit der behauptet wird, dass die meisten Eritreer, die an ihren Grenzen ankommen, Wirtschaftsflüchtlinge seien“, sagt Anika Becher, Afrika-Expertin bei Amnesty International in Deutschland. „Diese Menschen, von denen viele Kinder und Jugendliche sind, fliehen vor einem System, das der landesweiten Zwangsarbeit gleichkommt. Sie werden der Entscheidung über Schlüsselaspekte ihres eigenen Lebens beraubt.“

Viele Wehrdienstleistende werden nicht nur in militärischen Aufgabengebieten eingesetzt, sondern müssen zivile Aufgaben ausführen, wie landwirtschaftliche Tätigkeiten oder Bauarbeiten oder Lehrtätigkeiten. „Die Besoldung ist so gering, dass es unmöglich ist, eine Familie davon zu ernähren. Dieses System der Ausbeutung kommt Zwangsarbeit gleich. Die Wehrpflicht hat besonders negative Auswirkungen auf Minderjährige. Kinder und Jugendliche sind gezwungen, arbeiten zu gehen, um für den Lebensunterhalt ihrer Familien zu sorgen“, so Becher.

Menschen, die bei dem Versuch gefasst werden, sich dem Wehrdienst zu entziehen, werden unter schrecklichen Bedingungen inhaftiert. Sie enden häufig in inoffiziellen Gefängnissen, die sich unter der Erde oder in Containern befinden, mit nur begrenztem Zugang zu Nahrung, Wasser und Sanitäranlagen. „Amnesty International befürchtet, dass abgeschobene Asylbewerber das gleiche Schicksal erwartet. Eritrea verliert seine Jugend“, sagt Becher. „Kinder machen sich ohne ihre Eltern zu Fuß auf den Weg in andere Länder, um dem Leben in endloser Zwangsarbeit mit niedriger Bezahlung, keiner Ausbildung und Jobchancen zu entgehen. Die Tatsache, dass sie solche gefährlichen Wege zu einem vermeintlichen Zufluchtsort auf sich nehmen, zeigt, wie katastrophal es um die Menschenrechte in Eritrea bestellt ist“, so Becher.

Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle. Gerne schicken wir Ihnen den 64-seitigen englischsprachigen Bericht zu.

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