China: Zhang Zhan in Lebensgefahr
Die chinesische Bürgerjournalistin Zhang Zhan (undatiertes Foto)
© Third Party
Die Gesundheit der Journalistin Zhang Zhan hat sich seit ihrer Verurteilung zu weiteren vier Jahren Haft im September 2025 extrem verschlechtert. Sie leidet an einer schweren Magenerkrankung, hat erheblich an Gewicht verloren und ist inzwischen sehr schwach. Sie soll sich seit Januar 2025 aus Protest gegen ihre willkürliche Inhaftierung immer wieder im Hungerstreik befinden. Ihr Zustand ist lebensbedrohlich. Es muss sofort gehandelt werden. Da sich die chinesischen Behörden weigern, ihr Zugang zu einem Rechtsbeistand ihrer Wahl zu gewähren, kann ihre Lage nicht dokumentiert werden, und Rechtsmittel gegen ihre Verurteilung können auch nicht eingelegt werden. Zhang Zhan muss umgehend freigelassen werden und bis zu ihrer Freilassung muss sie jede notwendige medizinische Versorgung im Einklang mit der medizinischen Ethik erhalten.
Setzt euch für die Freilassung von Zhang Zhan ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Vice Mayor
Zhang Yahong
Shanghai Municipal People’s Government
No. 200 Renmin Avenue, Huangpu District
Shanghai 200003
VOLKSREPUBLIK CHINA
Sende eine Kopie an
Botschaft der Volksrepublik China
S.E. Herrn Hongbo Deng
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030 – 27 58 82 21
E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com oder protokoll.botschaftchina@gmail.com
Amnesty fordert:
- Bitte lassen Sie Zhang Zhan sofort und bedingungslos frei und sprechen Sie sich dafür aus, dass ihre Verurteilungen aufgehoben werden.
- Stellen Sie bis zu ihrer Freilassung sicher, dass Zhang Zhan angemessenen Zugang zu qualifiziertem medizinischem Fachpersonal hat, das die medizinische Versorgung im Einklang mit der medizinischen Ethik, einschließlich der Grundsätze der Vertraulichkeit, der Autonomie und der Einwilligung nach Aufklärung, gewährleistet.
- Sorgen Sie auch dafür, dass sie Zugang zu ihren Rechtsbeiständen und ihrer Familie hat und dass sie weder gefoltert noch anderweitig misshandelt wird.
- Beenden Sie die Schikane und Bedrohung von Menschenrechtsverteidiger*innen und denjenigen, die sie unterstützen, wie z.B. ihre Familien und Anwält*innen.
Sachlage
Es besteht große Sorge um die Journalistin und Menschenrechtsverteidigerin Zhang Zhan (张展), die bei alarmierend schlechter Gesundheit ist, während gleichzeitig ihre Menschenrechte immer weiter verletzt werden.
Seit vielen Monaten besteht große Sorge um die Gesundheit von Zhang Zhan und Kritik an der Angemessenheit der medizinischen Versorgung, die sie in der Haft erhält. Sie soll extrem schwach sein, unter einer schweren Magenerkrankung leiden und viel Gewicht verloren haben.
Zhang Zhan befindet sich im Hungerstreik gegen ihre willkürliche Inhaftierung. Sie war schon während ihrer früheren Haft längere Zeit im Hungerstreik und wog am Ende nur noch 37 Kilogramm. Dadurch musste sie mehrfach ins Krankenhaus gebracht werden, was jetzt zusätzliche Sorgen um ihre Gesundheit auslöst.
Nach ihrer Verurteilung im September 2025 sollen alle Bitten ihrer Anwält*innen, sie treffen zu können, abgelehnt worden sein, dadurch wurde ihr der Zugang zu einem Rechtsbeistand und das Recht auf Rechtsmittel verwehrt. Auch ihre Familie und ihr Rechtsbeistand wurden Berichten zufolge von den Behörden schikaniert und eingeschüchtert. Dies ist ein weiterer Grund zur Sorge.
Am 14. Mai 2026 jährte sich Zhang Zhans erste Festnahme im Jahr 2020 zum sechsten Mal. Damals musste sie nach einem Scheinprozess eine vierjährige Haftstrafe verbüßen. Weniger als vier Monate nach ihrer Freilassung wurde sie erneut festgenommen und befindet sich bis heute in Haft. Dieser düstere Jahrestag unterstreicht, dass sie immer wieder von Menschenrechtsverletzungen betroffen ist und dass es immer noch nicht gelungen ist, ihre Situation zu verbessern.
Hintergrundinformation
Die Aktivistin Zhang Zhan wurde am 19. September 2025 vor dem Volksgericht des Pudong New District wegen "Provokation von Streit und Sabotage der gesellschaftlichen Ordnung" zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Seit ihrer erneuten Verurteilung hat sich die Gesundheit von Zhang Zhan dramatisch verschlechtert.
Zhang Zhan ist eine chinesische Bürgerjournalistin, die wegen ihrer Berichterstattung über den Ausbruch der Coronapandemie in Wuhan ins Visier der Behörden geriet. Die ehemalige Anwältin war im Februar 2020 nach Wuhan gereist, um aus erster Hand Informationen über das Geschehen zu liefern. Sie berichtete auf Social-Media-Plattformen über die Inhaftierung unabhängiger Reporter*innen und die Schikanen gegen Familienangehörige von Betroffenen.
Zhang Zhan "verschwand" im Mai 2020 in Wuhan. Später wurde bekannt, dass sie von den chinesischen Behörden in Shanghai inhaftiert und nach einem Scheinprozess wegen "Provokation von Streit und Sabotage der gesellschaftlichen Ordnung" verurteilt worden war. Am 13. Mai 2024 wurde Zhang Zhan nach Verbüßen einer vierjährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen.
Allerdings war sie auch nach ihrer Freilassung strenger Überwachung und ständigen Schikanen durch die Behörden ausgesetzt. Weniger als vier Monate später, im September 2024, wurde sie erneut festgenommen, nachdem sie Berichten zufolge von Shanghai in die Provinz Gansu im Nordwesten Chinas gereist war, um sich solidarisch mit anderen Menschenrechtsverteidiger*innen zu zeigen.
Seit dem Ausbruch von Covid-19 in Wuhan hat die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung in China immer größere Ausmaße angenommen. Amnesty International hat zahlreiche Fälle unabhängiger Journalist*innen und Aktivist*innen dokumentiert, die verurteilt wurden, weil sie die Wahrheit über die Pandemie berichtet hatten. Der Fall von Zhang Zhan ist beispielhaft für dieses Vorgehen. Die repressiven Maßnahmen wurden nach der "Leeres-Blatt"-Protestbewegung von 2022, deren Symbol ein weißes Blatt Papier war, verschärft und führten zu weiteren Einschränkungen der Zivilgesellschaft.
Der im Oktober 2025 veröffentlichte Amnesty-Bericht How could this verdict be 'legal’? enthält weitere Informationen darüber, wie Menschenrechtler*innen in China mithilfe strafrechtlicher Bestimmungen über die nationale Sicherheit und öffentliche Ordnung ins Visier genommen werden. Darin werden die Fälle von 64 Personen in den vergangenen zehn Jahren untersucht.
Zhang Zhan wird seit mehr als fünfeinhalb Jahre ihrer Freiheit beraubt, nur weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen hat. Der Fall von Zhang Zhan war Teil des Amnesty International Briefmarathons 2021.