Amnesty Journal Afrika 24. Juli 2013

Liebe lässt sich nicht verbieten

Seit einigen Jahren gibt es in vielen afrikanischen Ländern vermehrt Übergriffe auf Schwule und Lesben. Medien haben zur Hetze gegen sexuelle Minderheiten beigetragen, und Politiker versuchen in einigen Ländern, restriktive Gesetze gegen Homosexuelle weiter zu verschärfen.

Von Franziska Ulm-Düsterhöft

Am 24. April 2011 war Noxolo Nogwaza nach einem Treffen mit Freunden auf dem Weg nach Hause, als sie von einem oder mehreren Männern angegriffen wurde. Sie vergewaltigten die 24-Jährige und stachen auf sie ein – allem Anschein nach, weil sie lesbisch war. Dann warfen sie ihre Leiche in einen Graben.

Noxolo Nogwaza ist kein Einzelfall. Von Juni bis November 2012 wurden in Südafrika mindestens sieben weitere Personen wegen ihrer sexuellen Orientierung getötet, obwohl das Land zu den Pionieren gehört, was den Schutz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Intersexuellen (LGBTI) angeht. Südafrika war das erste Land der Welt, das 1996 Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verbot und 2006 die gleichgeschlechtliche Ehe einführte. Dennoch scheint ein großer Teil der Gesellschaft diese progressive Gesetzgebung nicht nachvollzogen zu haben: In kaum einem anderen afrikanischen Land gibt es so viele physische Angriffe auf Lesben und Schwule. In 38 von 58 afrikanischen Ländern stehen gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen bzw. Beziehungen unter Strafe. In Mauretanien, Sudan, Nordnigeria und Südsomalia droht Homosexuellen sogar die Todesstrafe. Derzeit gibt es in einigen afrikanischen Ländern die Tendenz zu einer stärkeren Kriminalisierung von LGBTI. So haben Südsudan im Jahr 2008 und Burundi 2009 erstmals ein Verbot gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen eingeführt. In Uganda und Nigeria gibt es immer wieder Versuche, bereits bestehende gesetzliche Verbote weiter zu verschärfen.

Dabei sind Angehörige sexueller Minderheiten bereits jetzt tagtäglich Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. In Kamerun werden immer wieder Menschen willkürlich festgenommen und angeklagt, weil jemand vermutet, dass sie homosexuell sein könnten. Von der Polizei werden sie misshandelt und von ihrer Familie verstoßen. Von den Medien als mutmaßliche Homosexuelle denunziert, werden sie zur Zielscheibe für Übergriffe. Lesbische Frauen werden häufig schikaniert und vergewaltigt, um sie von ihrer Homosexualität zu »kurieren«. Dabei fühlen sich die Täter umso mehr legitimiert, je öfter über eine Verschärfung bestehender Verbote diskutiert wird.

Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen. So hat Kap Verde 2004 gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen erlaubt. Mauritius, die Seychellen und São Tomé und Príncipe haben angekündigt, Verbote aufzuheben. Einige Länder wie Mosambik und Botswana haben Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung gesetzlich verboten. Außerdem nimmt die Zahl der zivilgesellschaftlichen Akteure, die sich für die Rechte von LGBTI einsetzen, in Afrika beständig zu.

Der neue Amnesty-Bericht »Making Love a Crime« stellt fest, dass gleichgeschlechtliche Liebe nicht »unafrikanisch« ist, sondern erst im Zuge der Kolonialisierung kriminalisiert wurde. Doch während die ehemaligen Kolonialmächte abzogen, blieben die Verbote bestehen. So gab es beispielsweise in Afrika mehr als 40 ethnische Gruppen, die eine Ehe zwischen zwei Frauen tolerierten. Denn Liebe lässt sich nicht verbieten.

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