Amnesty Journal 08. Februar 2010

Aktiv für Amnesty Februar/März 2010

Signale gegen das Vergessen

Mit zahlreichen Aktionen machten die Mitglieder von Amnesty International am 10. Dezember auf Verletzungen der Menschenrechte aufmerksam.

Die Bilanz ist enttäuschend. Vom "Jahr der verpassten Chancen" sprach Monika Lüke, Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte. "Während Obama die Möglichkeit verpasst, Guantánamo binnen eines Jahres zu schließen, scheint es die Bundeswehr in Afghanistan zu versäumen, Menschenrechte und den Schutz der Zivilbevölkerung zu den entscheidenden Maß­stäben bei der Terrorismusbekämpfung zu machen", sagte Lüke. Auch die Europäische Union habe die Chance verpasst, mit dem "Stockholmer Programm" eine moderne, menschenrechtskonforme Migrations- und Flüchtlingspolitik zu verankern.

Den Tag genutzt haben weltweit Tausende Mitglieder von Amnesty International, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Am 10. Dezember organisierten Amnesty-Gruppen auch in vielen deutschen Städten Ausstellungen, Theatervorführungen und Konzerte für die Menschenrechte. Mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Mahnwachen engagierten sich die Mitglieder für eine bessere europäische Flüchtlingspolitik, für Frauenrechte, das Menschenrecht auf Wohnen oder gegen die Straflosigkeit bei Menschenrechtsverbrechen.

In München und Schweinfurt stellten Amnesty-Gruppen Papphütten auf, die von einem Bagger niedergewalzt wurden – ein Protest gegen illegale Zwangsräumungen, die in vielen Slums zum Alltag gehören. Auch in Darmstadt gab es eine Mahnwache zur Amnesty-Kampagne "Wohnen. In Würde". Gegen die Todesstrafe engagierte sich die Schramberger Amnesty-Gruppe mit ­einer Ausstellung. In Waiblingen standen die Rechte der Kinder im Mittelpunkt. In Hamburg wurde über den "Krieg gegen ­Menschenrechte in Afghanistan" diskutiert. Über Straflosigkeit in Bosnien und Kroatien informierte die Aachener Amnesty-Gruppe.

Im Bezirk Berlin-Brandenburg griffen die Mitglieder zum Stift. Zeitgleich mit Amnesty-Gruppen in Polen, Portugal, Thailand, der Türkei, Marokko, Mexiko und 35 weiteren Ländern beteiligten sie sich am sogenannten Briefmarathon. In ihren Schreiben forderten sie unter anderem die Regierungen von Vietnam, Kolumbien, Äthiopien, Griechenland, Israel und Nicaragua auf, die grundlegenden Menschenrechte zu respektieren. Jeder der Briefe machte auf das Schicksal eines Menschen aufmerksam, über den die Medien kaum berichten: Gewerkschafter, Jugendliche, Frauenrechtlerinnen und einfache Dorfbewohner, die verfolgt, misshandelt, vertrieben oder verhaftet werden. Die über 150.000 Briefe und rund 200.000 Online-Unterschriften sind ein Signal gegen das Vergessen – und ein Zeichen dafür, dass sich die Amnesty-Mitglieder weltweit nicht entmutigen lassen.

Von Petra Kilian

Film zum Haager Tribunal bleibt aktuell

Auf der Berlinale 2009 erhielt "Sturm" den Amnesty International Filmpreis –
ab März ist die DVD im Handel erhältlich.

Ein Vater spielt mit seinen Töchtern am Meer, sie jagen über den Sand und lachen. Kurz darauf stürmen bewaffnete Sicherheitskräfte das Ferienhaus der Familie und nehmen den Vater mit. Es ist Goran Duric, ehemaliger Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee und mutmaßlicher Kriegsverbrecher. Er wird nach Den Haag vor das Kriegsverbrechertribunal gebracht. Für die Anklägerin Hannah Maynard beginnt ein Prozess, der viele Wunden aufreißt und die Tücken der internationalen Gerichtsbarkeit offenbart.

Auf der Berlinale 2009 erhielt der Film "Sturm" den 5. Amnesty International Filmpreis. Dem Regisseur Hans-Christian Schmid sei es gelungen, "ein abstraktes Thema – die juristische Aufarbeitung von schweren Menschenrechtsverletzungen – emotional bewegend" aufzuarbeiten, lautete die Begründung der Jury. Amnesty-Mitglieder begleiteten die Premiere des Films im September 2009 in den Kinos mit Aktionen. Ab März 2010 ist die DVD im Handel erhältlich.

Im Film berichtet die Zeugin der Anklage über ein reales schweres Kriegsverbrechen: Tausende Mädchen und Frauen wurden in Bosnien und Herzegowina in den Kriegsjahren 1992 bis 1995 vergewaltigt. Im September 2009 zeigte der Amnesty-Bericht "Whose Justice?", dass sie auch 14 Jahre nach dem Krieg keine Gerechtigkeit erfahren haben. Sie erhalten keine staatliche medizinische Versorgung oder psychologische Betreuung. Eine Petition forderte die Regierung von Bosnien und Herzegowina auf, die Rechte der Überlebenden zu achten und ihnen Entschädigung zu gewähren.

Den Bericht und Informationen zu "Sturm" finden Sie auf
www.amnesty.de/whose-justice.

Von Merret Nommensen

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