Kultur Deutschland 13. Oktober 2017

Die Gewinner des 10. Marler Medienpreises Menschenrechte stehen fest

Rolf Opalka, Alice Brauner und Markus Beeko vor dem Amnesty-Logo

Alice Brauner nimmt den Ehrenpreis für ihren Vater, den 99-jährigen Filmproduzenten Artur Brauner, entgegen. Mit m3-Sprecher Rolf Opalka (links) und Markus Beeko, Generalsekretär von Amnesty in Deutschland (rechts)

Die Auszeichnungen für TV-Produktionen über Flucht, Waffenexporte und Demokratiebewegungen werden in Marl vergeben.

Die Preisträger des 10. Marler Medienpreises Menschenrechte (m3) in den fünf zu vergebenden Kategorien stehen fest:

Der Marler Medienpreis Menschenrechte in der Kategorie Magazin/Inland geht an "Afghanistans 'sichere Gebiete' – Das zynische Spiel der Bundesregierung" (WDR Monitor), in der Kategorie Magazin/Ausland geht er an den Beitrag "Europäische Union versagt tausenden Flüchtlingen die versprochene Hilfe" (rbb Kontraste).

In der Kategorie Dokumentation/Inland wird "My Escape – Meine Flucht" (WDR) ausgezeichnet und in der Kategorie Dokumentation/Ausland gewinnt "Erstickt im LKW – Das Ende einer Flucht" (NDR/WDR).

In der Kategorie Film wird "Meister des Todes" (SWR/BR/ARD Degeto) prämiert.

Mit einem Sonderpreis für eine komplette Sendung mit dem türkischen Journalisten Can Dündar zur Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei wird das ZDF-Format "aspekte" ausgezeichnet. Den diesjährigen Ehrenpreis erhält der 99-jährige Filmproduzent Artur Brauner für seine über 70 Jahre andauernde Arbeit, durch die er immer wieder an die Schrecken des Holocausts erinnert und dazu beigetragen hat, die nationalsozialistische Vergangenheit aufzuarbeiten.

Zu den Begründungen der Jury:

Magazin Inland

MONITOR/WDR: Afghanistans "sichere Gebiete" – Das zynische Spiel der Bundesregierung (17. 3. 2016)

Autoren: Nikolaus Steiner, Jakob Paßlick; Redaktion: Andrea Miosga     

Am Beispiel Afghanistans werden viele Widersprüche zwischen der Situation in den sogenannten "sicheren Gebieten" und den Handlungen und Argumentationen der Bundesregierung deutlich. Dem Beitrag gelingt es dadurch in besonderem Maße, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Diskussion um Schutz und Asyl nicht allein aus einer innenpolitischen, sondern vor allem aus einer menschenrechtlichen Perspektive geführt werden muss.

Magazin Ausland

Kontraste/rbb: Europäische Union versagt tausenden Flüchtlingen die versprochene Hilfe (21.04.2016)

Autoren: Caroline Walter, Christoph Rosenthal; Redaktion: Reinhard Borgmann

Mit bedrückenden Bildern von einzelnen Schicksalen wird auf die zum Teil ausweglose Situation von Geflüchteten aufmerksam gemacht, zudem wird die unterschiedliche rechtliche Behandlung der Menschen aus Afghanistan und Syrien hart kritisiert. Deutlich ist auch das Interview mit dem griechischen Innenminister, der die fehlende Unterstützung Europas beklagt.

Doku Inland

WDR/Deutsche Welle/Berlin Producers: My Escape – Meine Flucht (10.02.2016)

Buch und Regie: Elke Sasse; Redaktion: Jutta Krug (WDR), Hanne Kehrwald (DW), Frauke Sandig (DW)

Der Film schildert die Flucht nach Deutschland aus Sicht der Geflüchteten, indem er ihre Handyvideos und Interviews nach der Flucht kombiniert. Es bleibt ein starker Eindruck durch die Bilder der Fluchtwege sowie deren Beschreibung durch die geflüchteten Menschen, die solche Gefahren und Strapazen nicht ohne triftigen Grund auf sich nehmen. Fluchtursachen werden benannt und es berührt zu sehen, welch große Hoffnungen die jungen Menschen insbesondere auf Deutschland setzen. Der Film setzt einen Kontrast zu vielen Vorurteilen gegenüber Geflüchteten.

Doku Ausland

NDR/WDR: Die Story im Ersten: Erstickt im LKW – Das Ende einer Flucht (22.8.2016)

Autoren: Elena Kuch, Sebastian Pittelkow, Amir Musawy, Volkmar Kabisch, Georg Heil; Redaktion: Britta von der Heide (NDR), Petra Nagel (WDR), Dirk Neuhoff (NDR), Stephan Wels (NDR)

Akribisch wird ein Verbrechen aufgerollt und am Ende wissen wir, warum Flucht zur Todesfalle werden kann. Kriminelle, die mit Flucht Geld verdienen, und Europas Politik der Abschottung zerreiben auch die, die überleben. Die Leistung des Beitrages ist auch, den 71 Todesopfern die Anonymität zu nehmen und ihre Geschichte zu erzählen.

Film

SWR/BR/ARD Degeto/diwafilm: Meister des Todes (23.9.2016)

Redaktion: Manfred Hattendorf (SWR), Michael Schmidl (SWR), Christine Strobl (ARD/Degeto), Claudia Gladziejewski (BR); Buch: Gert Heidenreich, Daniel Harrich; Recherche: Jürgen Grässlin; Regie: Daniel M. Harrich; Darstellung: Hanno Koffler, Heiner Lauterbach, Alina Levshin, Veronica Ferres, Michael Roll, Udo Wachtveitl, Axel Milberg

Ein spannender Politthriller, der wegen seines realen Hintergrundes erschreckend deutlich klarmacht: Die in der Wirklichkeit Agierenden sind hinterhältiger und raffgieriger, als es sich ein Drehbuchautor ausdenken kann. Gut zu wissen, dass der Film mitgeholfen hat, Verantwortliche dieser Machenschaften vor Gericht zu bringen.

Hintergrund

Der Marler Medienpreis Menschenrechte (m3) wird seit 2001 als Preis der deutschen Sektion von Amnesty International vergeben für TV-, Radio- und Printbeiträge, die in Deutschland veröffentlicht wurden. Der undotierte Preis würdigt Beiträge, die in außergewöhnlicher Weise das Thema Menschenrechte behandeln. Für den Marler Medienpreis Menschenrechte sind dieses Jahr knapp 100 Fernsehbeiträge von elf verschiedenen Sendern aus den Jahren 2015 und 2016 eingereicht worden. Daraus hat eine Jury – bestehend aus Mitgliedern von Amnesty International – 15 Beiträge ausgewählt. Vergeben wird der Marler Medienpreis in fünf Kategorien: "Magazin Inland", "Magazin Ausland", "Dokumentation Inland", "Dokumentation Ausland" und "Film"

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