Amnesty Journal Afrika 21. Juli 2025

US Aid: Ende einer Erfolgsgeschichte

Ein Mann steht in einem Lager neben gestapelten Kartons.

Uganda hatte vor 40 Jahren eine der höchsten HIV/Aids-Raten der Welt. Die Bekämpfung der Krankheit gelang vor allem dank Unterstützung aus den USA. Die Zerschlagung der US-Entwicklungsagentur USAID hat für ganz Afrika gravierende Folgen.

Aus Kitagata und Nairobi von Bettina Rühl

An einem Vormittag Anfang Februar sitzt Allen Mbonekirwe vor einer mechanischen Nähmaschine und ­fädelt halbwegs geübt den Faden durch das kleine Nadelöhr. "Ich ­liebe, was ich hier tue", sagt die 17-Jährige leise, und ihre Ausbilderin Mack-Lean ­Ainembabazi lobt: "Allen macht sehr gute Fortschritte." Seit vier Monaten darf die junge Frau bei der Schneiderin eine Lehre machen.

Doch trotz dieses rosigen Blicks in die Zukunft ist Allen nicht nur niedergeschlagen, sondern hat sogar Todesangst. Sie ist seit ihrer Geburt HIV-positiv, konnte aber bisher ein normales Leben führen, weil sie regelmäßig antiretrovirale Medikamente bekam – vor allem dank der US-amerikanischen Entwicklungsagentur USAID. Aus derselben Quelle stammten auch die Mittel, die ihr indirekt die Lehre ermöglichten: Die ugandische Hilfsorganisation Acord konnte HIV-positive Menschen im Rahmen eines von den USA ­finanzierten Programms auch wirtschaftlich unterstützen und Ausbildungen anbieten. 

Viele Zuwendungen für immer eingestellt

Das alles ist nun vorbei, weil US-Präsident Donald Trump am 21. Januar, am Tag nach seiner zweiten Amtsübernahme, alle Zahlungen von USAID für zunächst 90 Tage auf Eis legte. Anfangs hieß es, man werde alle Ausgaben überprüfen. Mittlerweile ist klar, dass viele Zuwendungen für immer eingestellt sind: Anfang April teilte US-Außenminister Marco Rubio dem US-Kongress mit, dass die Entwicklungshilfebehörde bis Mitte des ­Jahres komplett aufgelöst werde. Nach Rubios Angaben sollen einige ihrer Aufgaben künftig vom Außenministerium übernommen werden. Tausende Mit­arbeitende weltweit wurden bereits ­entlassen. 

Bisher waren die USA in der Entwicklungszusammenarbeit das mit Abstand größte Geberland weltweit. Ein klarer Schwerpunkt lag im Gesundheitsbereich: Etwa ein Viertel der Mittel floss in diesen Sektor, insbesondere in den globalen Kampf gegen HIV/Aids. Allein das vom früheren US-Präsidenten George W. Bush ins Leben gerufene Programm Pepfar rettete nach Angaben der US-Regierung bis September 2023 weltweit 25 Millionen Menschenleben, vor allem in Afrika südlich der Sahara. Die Mittel stellten auch ­sicher, dass 5,5 Millionen Babys von infizierten Müttern ohne das Virus geboren wurden. 

Auswirkungen auf fast alle Bereiche

In Uganda deckte das Programm Pepfar von 2004 bis Ende Januar 2025 etwa 80 Prozent des HIV/Aids-Budgets ab. Im vergangenen Jahr stellte die US-Regierung 471 Millionen US-Dollar (415 Millionen Euro) für den Gesundheitssektor Ugandas bereit, davon flossen 90,4 Prozent direkt in Pepfar. Für das Land war das Programm eine Erfolgsgeschichte: In den 1980er Jahren wütete die Aids-Epidemie hier besonders stark; die Infektionsrate war eine der höchsten der Welt. Schätzungen zufolge lag sie 1988 in den Städten bei bis zu 30 Prozent, in ländlichen Gebieten bei bis zu 15 Prozent. Seit Anfang der 1990er Jahre ging die Zahl beständig zurück auf derzeit 5,1 Prozent. 

Nicht nur für Uganda, sondern für den ganzen afrikanischen Kontinent hat Trumps Entscheidung dramatische Folgen: Im Jahr 2023 erhielten die afrikanischen Länder 17,4 Milliarden Dollar, was einem Viertel des gesamten US-Hilfsbudgets entsprach. Der Großteil des Geldes floss in den Gesundheits- und humanitären Sektor – in Nahrungsmittelhilfe, sauberes Trinkwasser und Gesundheitsdienste. Eine wichtige Rolle spielten auch Bereiche wie Demokratie, Menschenrechte und Bildung. 

Der Wegfall des Geldes betrifft auch Medienhäuser, die Kampagnen zur Verbreitung falscher Informationen aufdecken – dabei haben Desinformationskampagnen gerade in vielen afrikanischen Ländern Hochkonjunktur, wie auch das US-Africa Center for Strategic Studies (ACSS) weiß. Laut einer Studie des ACSS, die im März 2024 veröffentlicht wurde, ist Russland weiterhin der wichtigste Verbreiter von Desinformation in Afrika. Es finanziere 80 Kampagnen, die sich gegen mehr als 22 Länder richteten. Russland habe auch gezielt Maßnahmen ergriffen, um die Demokratie in mindestens 19 afrikanischen Ländern zu untergraben. Nun können die betroffenen Länder dem noch weniger entgegensetzen als früher. 

Krise im Sudan

Auch im humanitären Bereich hat das Ende von USAID dramatische Folgen, beispielsweise im Sudan. Dort hat der im April 2023 begonnene Krieg zur derzeit größten humanitären Krise weltweit geführt. Im Jahr 2024 waren die USA der größte Einzelgeber für das nordafrikanische Land: Sie stellten mehr als 803 Millionen US-Dollar oder 45 Prozent der Mittel für den UN-Plan für humanitäre Hilfe im Sudan bereit. Mindestens 266 Millionen US-Dollar wurden dem Welternährungsprogramm zugewiesen, um auf die Hungersnot und den Nahrungsmangel zu reagieren. Trumps Verordnung sah zwar eine Ausnahme für die Nahrungsmittel-Nothilfe vor, doch stellte das Magazin The Africa Report fest, dass im Sudan Unklarheit darüber herrsche, was dies in der Praxis bedeute. Faktisch komme bei den Betroffenen nun deutlich weniger Hilfe an. 

Länger leben dank Pepfar

Bei Allen zu Hause lobt ihr Vater Benard Turyasiima das Programm Pepfar. Auf seinem Hof erzählt er am Rande von Bananen- und Kaffeestauden, dass er sich vor 20 Jahren nur deshalb auf HIV habe testen lassen, weil im Radio immer wieder dazu aufgerufen wurde. Auch Infizierte, bei denen die Krankheit nicht ausgebrochen war, sollten sich testen lassen, um mit frühzeitigen Therapien die weitere Ausbreitung der Viruserkrankung möglichst zu unterbinden, die unbehandelt fast immer tödlich endet.

Sein positives Ergebnis habe ihn schockiert, erinnert sich Turyasiima. Vier Jahre lang habe er auf den Tod gewartet, nach zehn Jahren hatte er dank Pepfar die Zuversicht, ein normales Leben führen zu können. Sozialarbeiter von Acord begleiteten ihn und seine Familie über Jahre und erinnerten ihn im Zweifelsfall sogar daran, seine Medikamente abzuholen. 

"Ich war immer kräftig und gesund", sagt der Bauer. "Ich habe meine Felder bestellt und meine Familie ernährt." ­Diese Zuversicht verschwand mit einem Schlag, als er im Radio von Trumps Entscheidung hörte. "Ohne die Medikamente werde ich mit Sicherheit krank werden und sterben", sagt er sachlich; man merkt ihm nicht an, dass ihn die Panik vor dem Tod nächtelang wachhält, wie er ebenfalls erzählt. In die Angst um sich selbst mischt sich die Sorge um seine älteste Tochter und seine vier weiteren Kinder. Die Jüngeren sind alle HIV-negativ – auch das ein Erfolg der jahrelangen konsequenten ­Behandlung.

Bettina Rühl ist freiberufliche Journalistin und arbeitet schwerpunktmäßig zu Afrika. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung von Amnesty International wieder.
 

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