Aktuell Saudi-Arabien 09. Januar 2020

Freiheit für Raif Badawi!

Porträtaufnahme von Raif Badawi

Der saudi-arabische Blogger Raif Badawi

Heute vor fünf Jahren hat Raif Badawi öffentlich 50 Stockhiebe erhalten. Der saudi-arabische Blogger ist nach wie vor inhaftiert. Er ist damit kein Einzelfall: Zahlreiche Menschen sind in Saudi-Arabien nach grob unfairen Verfahren inhaftiert, nur weil sie sich für Meinungs- und Versammlungsfreiheit einsetzen.

Im Juni 2012 wurde Raif Badawi verhaftet. Im September 2014 verurteilte ihn ein Gericht wegen "Beleidigung des Islam" zu zehn Jahren Gefängnis, 1.000 Hieben und einer Geldstrafe von umgerechnet 250.000 Euro. Auf seinem 2008 gegründeten Internetportal "Die saudischen Liberalen" hatte er politische und religiöse Entscheidungen sowie Institutionen in dem streng islamischen Königreich kommentiert und kritisiert.

Am 9. Januar 2015 erhielt der Vater von drei Kindern inmitten einer Menschenmenge und bewacht von einigen Sicherheitskräften die ersten 50 Stockhiebe. Er war im Anschluss an das Freitagsgebet in Handschellen vor die Moschee in Dschidda gebracht worden. Die grausame Prozedur dauerte etwa 15 Minuten. Anschließend wurde er in einen Bus zurückgebracht und weggefahren.

Die brutale Bestrafung lösten weltweit Entsetzen aus.

Amnesty verurteilte diese grausame Form der Bestrafung und setzte sich mit Petitionen und Mahnwachen für seine Freilassung ein. Auch diesem öffentlichen Druck ist es zu verdanken, dass seit diesem Tag kein weiterer Stockhieb, der gegen Raif Badawi verhängten Prügelstrafe, vollstreckt wurde.

Auch sein Anwalt Waleed Abu al-Khair wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil er Raif Badawi und andere Menschen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, vor Gericht verteidigt hatte.

Amnesty-Protestaktion für die Freilassung von Raif Badawi und Waleed Abu al-Khair vor der saudi-arabischen Botschaft in Berlin im Januar 2016

 

2015 erhielt Raif Badawi in Abwesenheit den Sacharow-Preis für geistige Freiheit des EU-Parlaments. Seine Frau Ensaf Haidar kämpft in ihrem kanadischen Exil um die Freilassung ihres Mannes. Sie hat eine Stiftung gegründet und Preise für den Inhaftierten entgegengenommen. Wenige Wochen, nachdem Raif Badawi die ersten Stockschläge erhalten hatte, bedankte sich seine Ehefrau Ensaf Haidar bei allen, die ihn unterstützen:

"Bei unserem letzten Telefonat war er sehr bewegt, als ich ihm erzählte, dass die Demonstrationen andauern, ungeachtet aller Umstände oder Wetterbedingungen. Die Proteste all derer, die sich immer noch für Raif einsetzen, sind wirklich wichtig! Hört bitte nicht damit auf, bis Raif endlich frei ist."

Am 13. Januar wird Badawi 36 Jahre alt. Auch diesen Geburtstag wird er leider im Gefängnis verbringen müssen – und das nur, weil er sich für die Meinungsfreiheit in seinem Land eingesetzt hat.

Amnesty International in Deutschland fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung.

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