Aktuell Deutschland 03. November 2017

Menschenrechte ins Kabinett

Interview mit Amnesty-Mitglied Prokop
Porträt von Amnesty-Mitglied Prokop

Prokop, Amnesty-Mitglied und Teilnehmer der Amnesty-Kampagne "Einmischen für Menschenrechte" zur Bundestagswahl 2017

Tausende Menschen haben vor der Bundestagswahl bei unserer Kampagne "Einmischen für Menschenrechte" mitgemacht und an ihre Bundestagskandidatinnen und -Kandidaten klare Forderungen nach einer menschenrechtsbasierten Politik formuliert. Amnesty-Mitglied Prokop erzählt im Interview, warum er sich im Rahmen der Kampagne dafür eingesetzt hat, dass die Menschenrechte mehr Bedeutung für die Regierungspolitik erhalten.

 

Warum hast du dich entschieden, Teil der Kampagne "Einmischen für Menschenrechte" zu werden und Gesicht zu zeigen?
 
Ich bin nun seit mehreren Jahren aktives Mitglied unseres Vereines und engagiere mich mit Leib und Seele für die Menschenrechte. In diesem Fall dann vor allem mit Leib. Ehrlich gesagt war es für mich in diesem Fall gar keine Frage, mich auch auf diese Art und Weise in den Bundestagswahlkampf einzubringen. Wenn ich etwas tun kann, um unsere Mitmenschen für den Menschenrechtsschutz zu motivieren, dann wird’s gemacht. Mir hat aber auch besonders das Konzept der Kampagne gefallen: "Einmischen"! Das steht doch so sehr für das, was viele von uns tagtäglich tun, und noch viele mehr tun sollten – nämlich mit Namen und Gesicht für die Menschenrechte einzutreten, sich zu beteiligen und aktiv an Veränderungen zu wirken! Denn es sind schließlich unsere Rechte, auch wenn es vielen abstrakt vorkommt. Diese sollten wir für uns verteidigen und für andere erringen.
 
Seit wann und warum bist du Mitglied bei Amnesty und was ist dein ganz persönliches Anliegen im Kampf für die Menschenrechte?
 
Aktives Mitglied bin ich tatsächlich "erst" seit fünf Jahren. Ist doch schon etwas länger, aber ich entdecke immer noch Neues in unserem Verein, ob Themen, Initiativen, ominöse Abkürzungen oder interessante Menschen – Amnesty befindet sich in einem konstanten Wandlungsprozess. Der Verein wird vor allem von seinen Mitgliedern gestaltet und weiterentwickelt, das gefällt mir. Ich persönlich bin Sprecher einer Berliner Gruppe, die zu Menschenrechtsverletzungen in Israel und Palästina arbeitet. Das hat viel mit meiner persönlichen Biografie zu tun, war aber nicht der alleinige Grund für meinen Beitritt. Ausschlaggebend war das Gefühl, Veränderungen versuchen zu wollen. Keiner von uns legt die Hände in den Schoß und gibt auf. Wir verändern unsere Welt, jeden Tag ein ganz kleines winziges Stück, aber wir tun es. Das Beste aber ist: Wir ruhen uns nicht darauf aus, sondern machen weiter!

Ein junger Mann blickt entschlossen in die Kamera unterhalb seines Gesichts kann man den Slogan Lesen:"Menschenrechte ins Kabinett."

 

Auf den in ganz Deutschland aufgehängten Plakaten bist du mit der Amnesty-Forderung "Menschenrechte ins Kabinett" zu sehen. Wieso muss die deutsche Menschenrechtsarchitektur gestärkt werden?
 
Menschenrechte müssen zum Leitfaden der gesamten deutschen Politik werden! Das betrifft selbstverständlich die Außen- als auch die Innenpolitik. An der Stelle halte ich es mit dem klassischen Amnesty-Motto: „Menschenrechte sind nicht verhandelbar!“. Wir dürfen es nicht zulassen, dass Menschenrechte zwar in Reden verteidigt, dann aber in Taten vernachlässigt werden. Immer wieder stellen wir fest, dass die deutsche Menschenrechtspolitik zu oft einknickt. Das macht sich allein schon an den Themen dieser Kampagne bemerkbar, zum Beispiel beim Thema Rüstungsexporte, dem Flüchtlingsschutz oder dem Kampf gegen Rassismus. Unabhängige Institutionen, welche die Bundesregierung beraten, aber auch deren Arbeit kritisch begleiten, sind dabei das beste Gegenmittel. Hier kann noch mehr getan werden, die Unabhängigkeit und die Finanzierung des Deutschen Instituts für Menschenrechte sollte gesichert werden und unantastbar bleiben. Die oder der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte sollte Kabinettsrang erhalten. So ermöglichen wir einen Entwicklungsprozess, an dessen Ende es nur besser werden kann.
 

Zurzeit laufen Sondierungsgespräche für eine mögliche  Koalition. Was wünscht du dir von der neuen Bundesregierung?
 

Meine Wunschliste ist ziemlich lang. Abgesehen von unseren sechs zentralen Forderungen der Kampagne ist es vor allem Mut. Mut, zu unseren freiheitlichen und demokratischen Werten zu stehen . Ein waches Auge und ein Ohr für die Schutzbedürftigen in unser Gesellschaft zu haben und mit gutem Vorbild in der internationalen Gemeinschaft mitzuwirken. Kein Zurück im Menschenrechtsschutz und kein Einknicken. Eigentlich wünsche ich mir also auch auf internationaler und nationaler Ebene von der Bundesregierung ein mehr an "Einmischen für die Menschenrechte"!

Weitere Informationen zur Kampagne gibt es auf www.amnesty.de/einmischen

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