Aktuell Deutschland 18. Oktober 2017

Kein Platz für Rassismus

Interview mit Amnesty-Mitglied Bernhard
Grossaufnahme eines älteren Herren mit Brille und graumeliertem Bart, der direkt in die Kamera schaut

Bernhard, Amnesty-Mitglied und Teilnehmer bei der Amnesty-Kampagne "Einmischen für Menschenrechte" zur Bundestagswahl 2017

Tausende Menschen haben vor der Bundestagswahl bei unserer Kampagne "Einmischen für Menschenrechte" mitgemacht und an ihre Bundestagskandidatinnen und -Kandidaten klare Forderungen nach einer menschenrechtsbasierten Politik formuliert. Amnesty-Mitglied Bernhard begründet im Interview, warum er sich im Rahmen dieser Kampagne für ein entschlosseneres Eintreten gegen Rassismus eingesetzt hat.

Warum hast du dich entschieden Teil der Kampagne "Einmischen für Menschenrechte" zu werden und Gesicht zu zeigen?

Der leider verstorbene TV-Nachrichtensprecher Hanns Joachim Friedrichs hat gesagt, einen guten Journalisten erkenne man daran, dass er sich nicht gemein mache mit einer Sache - auch nicht einer guten. Ich bin Journalist. Ich glaube aber, dass es Momente gibt, da darf man nicht schweigen. Dazu gehört, wenn Kolleginnen und Kollegen in der Türkei aus politischen Gründen im Gefängnis landen. Das gilt aber auch seit dem Augenblick, da Menschen hier in Deutschland wegen ihrer Herkunft, ihres Aussehens und ihrer Religion wieder in schlimmster Weise diffamiert werden.

Seit wann und warum bist du Mitglied bei Amnesty und was ist dein ganz persönliches Anliegen im Kampf für die Menschenrechte?

Seit 1987. Von Anfang an ging es mir um Meinungs- und Religionsfreiheit, und zwar auf der ganzen Welt. Mein Großvater, ein einfaches Mitglied der Zentrumspartei, war in der Nazi-Zeit einige Wochen inhaftiert, weil er sich kritisch geäußert hatte. Inzwischen bin ich seit vielen Jahre Sprecher der Bangladesch-Ländergruppe von Amnesty. In Bangladesch herrscht keine Meinungsfreiheit. Wichtig ist mir aber auch der Kampf gegen die Unterdrückung zum Beispiel von Frauen, ethnischen Minderheiten und Arbeiterinnen, die unsere Kleidung produzieren.

Ein älterer Herr mit Bart blickt entschlossen in die Kamera. Unterhalb seines Gesichts kann man den Slogan Lesen: "Rüstungsexporte besser kontrollieren."

 

Auf den bundesweit aufgehängten Plakaten bist du mit der Amnesty-Forderung "Kein Platz für Rassismus" zu sehen - wie können sich künftige Abgeordnete aber auch jeder einzelne gegen Rassismus engagieren?

Ich bin erschrocken, wie oft ich inzwischen im Alltag, auch bei Facebook, mit rassistischen Äußerungen konfrontiert werde. Es ist schwer, immer dagegen zu halten, wenn von „Schwarzen“ oder „Braunen“, von „den Asylanten“ oder „den Muslimen“ die Rede ist. Natürlich sind Rassisten in dieser Gesellschaft in der Minderheit. Wenn wir schweigen, gewinnen sie trotzdem. Das sollte auch Richtschnur für die Abgeordneten sein: Rassistische Einwürfe nicht einfach geschehen lassen, sondern dagegen halten – mit Herz und den besseren Argumenten.

Derzeit laufen Sondierungsgespräche - was wünschst du dir von der künftigen Bundesregierung?

Mindestens, dass das Asylrecht in vollem Umfang erhalten bleibt. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten viel existenzieller und lebendiger gewesen ist als heute. Die Tatsache, dass rassistisch und politisch Verfolgte auch deshalb sterben mussten, weil kein Land bereit war, sie aufzunehmen, werde ich ebenso wenig vergessen wie die Toten an der späteren innerdeutschen Grenze. Ich wünsche mir, dass man sich daran nicht nur am 3. Oktober und am 9. November erinnert.

Weitere Informationen zur Kampagne findest du auf www.amnesty.de/einmischen

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