Pressemitteilung Türkei 12. Juli 2017

Türkische Amnesty-Direktorin weiter in Haft – Polizeigewahrsam um sieben Tage verlängert

Inhaftierung von zwei führenden Vertretern von Amnesty International stellt eklatanten Angriff auf die Menschenrechtsorganisation dar

BERLIN, 11.07.2017 – Die türkischen Behörden haben heute die Polizeihaft für die Direktorin der türkischen Sektion von Amnesty International, Idil Eser, um sieben Tage verlängert. Nach aktuellem Informationsstand wollen die türkischen Behörden voraussichtlich Mitte nächster Woche über eine weitere Untersuchungshaft entscheiden.

Dazu sagt Markus N. Beeko, Generalsekretär der deutschen Sektion von Amnesty International:

„Die Festnahme unserer Amnesty-Kollegen Idil Eser und Taner Kılıç in der Türkei stellt einen beispiellosen massiven Übergriff auf Amnesty-Vertreter dar. Zwei führende Vertreter der weltweit größten unabhängigen Menschenrechtsorganisation befinden sich im selben Land nun in Haft – ein einmaliger Vorfall in der über 55-jährigen Geschichte von Amnesty International. Die internationale Staatengemeinschaft ist jetzt gefordert, darauf mit aller Entschiedenheit zu reagieren und die Freilassung von Idil Eser und Taner Kılıç zu verlangen.“

Hintergrund:

Idil Eser, Direktorin der türkischen Sektion von Amnesty International, wurde am 5. Juli gemeinsam mit anderen Menschenrechtsaktivisten in Istanbul festgenommen. Sie befindet sich seitdem in Polizeigewahrsam. Gegen sie wird wegen nicht näher benannter „Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Vereinigung“ ermittelt.

Taner Kılıç, Vorstandsvorsitzender der türkischen Sektion von Amnesty International, wurde am 6. Juni in Izmir festgenommen. Am 9. Juni ordnete ein Gericht Untersuchungshaft gegen ihn an. Taner Kılıç wird der Mitgliedschaft in der Gülen-Bewegung bezichtigt.

Die Vorwürfe gegen Idil Eser und Taner Kılıç sind absurd und entbehren jeglicher Grundlage. Amnesty International fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung von Idil Eser und Taner Kılıç sowie der mit ihnen festgenommenen Menschenrechtsaktivisten und Anwälte.

Mehr dazu

Aktuell Tschad

Gefahr für Regierungskritiker nimmt massiv zu

Ein neuer Amnesty-Bericht zeigt, wie repressive Gesetze und ein aggressiv vorgehender Geheimdienst Journalistinnen und Journalisten, Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger und Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter zum Schweigen bringen sollen.
Aktuell Türkei

"Ich habe keine Angst."

Salil Shetty, internationaler Generalsekretär von Amnesty International, besuchte die türkische Amnesty-Direktorin im Silivri-Gefängnis.
Pressemitteilung Deutschland

Verantwortungslose Rüstungsexporte gefährden die Menschenrechte – entgegen vertraglicher Verpflichtungen

GENF/BERLIN, 11.09.2017 – Fast drei Jahre nach Inkrafttreten des internationalen Waffenhandelsvertrags (Arms Trade Treaty, ATT) greifen die vereinbarten Kontrollen immer noch nicht. Der globale Waffenhandel nimmt zu und auch ATT-Vertragsstaaten genehmigen entgegen ihren Vertragspflichten weiter verantwortungslose Rüstungsexporte mit teils verheerenden Folgen für die Menschenrechte.
Pressemitteilung Nigeria

Westafrika: Neue Eskalation der Gewalt durch Boko Haram

BERLIN, 04.09.2017 – Im Zuge einer neuen Welle der Gewalt durch Anschläge und Selbstmordattentate der bewaffneten Gruppe Boko Haram in Kamerun und Nigeria sind seit Anfang April 2017 mindestens 381 Zivilpersonen getötet worden – mehr als doppelt so viele wie in den fünf Monaten zuvor.
Erfolg Sudan

Dr. Mudawi Ibrahim Adam ist wieder frei!

Acht Monate lang war Dr. Mudawi Ibrahim Adam ungerechtfertigt inhaftiert – und das nur, weil er sich im Sudan für die Menschenrechte einsetzt. Nun ist er aus dem Gefängnis entlassen worden.
Pressemitteilung Syrien

Zwischen allen Fronten: Tausende Zivilisten im syrischen Rakka in Lebensgefahr

BERLIN, 24.08.2017 – Tausende Zivilisten sind in der nordsyrischen Stadt Rakka gefangen und leiden unter massiven Menschenrechtsverletzungen des sogenannten Islamischen Staates sowie den militärischen Angriffen der vorrückenden internationalen Truppen. Das zeigt ein neuer Amnesty-Bericht.
Aktuell Moldau

NGO-Gesetz gefährdet die Vereinigungsfreiheit

Amnesty International betrachtet die Änderungen am NGO-Gesetz als konkreten Versuch, unabhängige zivilgesellschaftliche und regierungskritische Organisationen zu demotivieren, zum Schweigen zu bringen und zu schließen.