Erfolg Aktuell Aktuell Mexiko 08. Juni 2016

Mexiko: Yecenia Armenta ist endlich frei!

Yecenia Armenta ist endlich frei!

Yecenia Armenta ist endlich frei!

Am 7. Juni hat ein Richter im Norden Mexikos Yecenia Armenta freigesprochen und ihre Entlassung aus der Haft angeordnet. Mit dieser Entscheidung setzte er vier langen Jahren der Ungerechtigkeit ein Ende: Yecenia Armenta war von Polizisten gefoltert, vergewaltigt und zu einem falschen "Geständnis" gezwungen worden. Amnesty hatte sich für ihre Freilassung eingesetzt.

"Die Freilassung von Yecenia Armenta ist ein Zeichen der Hoffnung für all diejenigen, die in Mexiko unrechtmäßig inhaftiert sind“, erklärte Erika Guevara Rosas, Direktorin für die Region Amerikas bei Amnesty International.

Yecenia Armenta, Mutter von zwei Kindern, war am 10. Juli 2012 von der Polizei des Bundesstaates Sinaloa willkürlich inhaftiert und 15 Stunden lang gefoltert worden. Man schlug auf sie ein, erdrosselte sie fast und vergewaltigte sie, bis sie "gestand", am Mord ihres Ehemanns beteiligt gewesen zu sein: "Die Polizisten drohten, meine beiden Kinder zu vergewaltigen und in Stücke zu schneiden. Nachdem sie mich stundenlang gefoltert und vergewaltigt hatten, unterzeichnete ich ein Geständnis – mit verbundenen Augen. Ich konnte nicht einmal lesen, was ich unterschrieb."

Amnesty International hatte sich jahrelang für ihre Freilassung eingesetzt: Im Rahmen der Kampagne "Stop Folter" und des Briefmarathons 2015 wurden weltweit 318.705 Appelle verschickt, davon 33.508 in Deutschland.

“Ich möchte allen Menschen, die mich begleitet haben, von ganzem Herzen danken. Ohne ihre Unterstützung wäre es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass ich freigelassen werde", sagte Yecenia Armenta. "Ich möchte mich bei denen bedanken, die weiter kämpfen, die mit dieser wichtigen Arbeit, dem Kampf für die Rechte anderer Menschen, weitermachen. Manchmal braucht die Gerechtigkeit länger – aber sie kommt.”

"Die unglaubliche Grausamkeit der Folter, die Yecenia Armenta erlitten hat, gehört zum alltäglichen Vorgehen der mexikanischen Polizei", so Erika Guevara Rosas von Amnesty. "Bei strafrechtlichen Ermittlungen werden im ganzen Land immer wieder unzulässige Beweismittel vorgelegt."

Die Folterer von Yecenia Armenta gehören derselben Abteilung an wie die Polizisten, die sie wegen Mordes inhaftiert hatten. Sowohl nationale als auch internationale Expertinnen und Experten hatten überzeugende Beweise für die Folter an Yecenia Armenta vorgebracht, und auch der mexikanische Ombudsmann für Menschenrechte sprach sich für eine Untersuchung der Foltervorwürfe aus. Dennoch erhob die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Sinaloa Anklage gegen Yecenia Armenta und nicht gegen die Folterer.

"Die Tatsache, dass nach wie vor keiner der Folterer von Yecenia Armenta im Gefängnis sitzt, zeigt die fehlende Unabhängigkeit der Behörden in diesem Fall. Die Verantwortlichen für diese schrecklichen Taten müssen vor Gericht gestellt werden. Yecenia Armenta muss für das Leid, das ihr zugefügt wurde, entschädigt werden”, forderte Erika Guevara Rosas.

Noch während der Haft schloss sich Yecenia einer Gruppe von mutigen Frauen an, die eine nationale Kampagne mit dem Titel "Das Schweigen brechen" ins Leben gerufen hat. Mit der Kampagne wollen sie auf sexualisierte Gewalt und andere Formen der Folter aufmerksam machen, die sie erlitten haben.

Amnesty International wird sich auch weiterhin für die zahlreichen Menschen in Mexiko einsetzen, die Opfer von Folter geworden sind.

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