Inhaftierungen von Medienschaffenden sind ein "eklatanter Machtmissbrauch"
Die Redaktion der oppositionellen Tageszeitung Cumhuriyet ist schon lange im Visier von Polizei und Justiz
© OZAN KOSE/AFP/Getty Images
31. Oktober 2016 - Elf Journalistinnen und Journalisten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet wurden inhaftiert. Am Wochenende schlossen die türkischen Behörden bereits 15 Medienunternehmen.
"Journalistinnen und Journalisten sowie Angestellte der letzten noch existierenden gemäßigten großen oppositionellen Tageszeitung wurden heute festgenommen. Dies ist Teil des systematischen Versuchs, alle kritischen Stimmen in der Türkei zum Schweigen zu bringen", so John Dalhuisen, Programmleiter für Europa und Zentralasien von Amnesty International. "Die Festnahmen und die Schließung der Medienunternehmen am vergangenen Wochenende sind die jüngsten Maßnahmen im Zuge der Säuberungsaktion nach dem gescheiterten Militärputsch. Dadurch wird die lebhafte Medienlandschaft der Türkei in eine Wüste verwandelt."
"Der eklatante Missbrauch des Ausnahmezustands zur Zwangsschließung verschiedener Medien muss aufhören und die derzeit 130 Journalistinnen und Journalisten in Untersuchungshaft müssen unverzüglich freigelassen werden", so Dalhuisen weiter.
Laut der staatlichen Presseagentur Anadolu Ajansi ergingen Haftanordnungen für 13 Angestellte der Tageszeitung Cumhuriyet; elf Personen, unter ihnen der Chefredakteur, wurden am Morgen des 31. Oktober bei Razzien festgenommen.
Am 28. Oktober schlossen die türkischen Behörden 15 Medienunternehmen per Erlass. Dabei handelt es sich überwiegend um kurdische Medienbetriebe im Südosten der Türkei, unter ihnen die einzige kurdischsprachige landesweite Tageszeitung und die von Frauen geleitete kurdische Presseagentur.
Über 160 Medienbetriebe sind seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli geschlossen worden und mehr als 130 Journalistinnen und Journalisten befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.
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