Bedroht und Schikaniert - Filmschaffende im Iran
Filmschaffende sind im Iran in den vergangenen Jahren verstärkt zur Zielscheibe von Unterdrückung und Repressalien geworden. Ihre Arbeit unterliegt einer strengen Zensur. Regisseure, deren Filme sich kritisch mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen im Iran auseinandersetzen, aber auch Schauspieler und andere Filmschaffende werden inhaftiert, vor Gericht gestellt und zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Einige von ihnen mussten ihre Haftstrafen in der Vergangenheit zwar nicht antreten. Aber das Risiko der Vollstreckung der rechtskräftigen Urteile hängt wie ein Damoklesschwert über ihnen. Auch mit Berufs- und Ausreiseverboten wird versucht, Filmschaffende zum Schweigen zu bringen.
Zunehmende Unterdrückung der Filmschaffenden im Iran seit 2011
Seit 2011 werden Mitarbeiter der iranischen Filmindustrie verstärkt unterdrückt und schikaniert. Sie laufen zunehmend Gefahr, festgenommen und ins Gefängnis überstellt zu werden. So wurden die Dokumentarfilmer und Regisseure Hadi Afarideh, Naser Saffarian, Mohsen Shahrnazdar, Mojtaba Mir Tahmasb und Mehran Zinatbakhsh sowie die Filmproduzentin Katayoun Shahabi Mitte September festgenommen und inhaftiert. Kurz vor den Festnahmen hatte das persische Programm der BBC einen Dokumentarfilm über den Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei ausgestrahlt. Die sechs inhaftierten Filmschaffenden hatten Teile ihrer Arbeit an die BBC verkauft.
Bis Ende 2011 wurden die sechs nach und nach freigelassen. Am 25. September gab der Geheimdienst jedoch im staatlichen Fernsehen bekannt, dass weitere Personen zur Befragung vorgeladen worden seien, die der Zusammenarbeit mit dem persischen BBC-Programm verdächtigt würden. Auch im Iran lebende Familienmitglieder und Freunde von BBC-Mitarbeitern in Großbritannien wurden von den Behörden schikaniert.
Ein weiteres Instrument der Isolierung und Repression ist die Verhängung von Ausreiseverboten und die Konfiszierung von Reisepässen. Regisseure, Produzenten und Schauspieler werden immer wieder an der Teilnahme an Filmfesten im Ausland gehindert, auf denen ihre Filme einem internationalen Publikum vorgestellt werden. So wurde erst Anfang November 2011 der Reisepass des 70-jährigen Filmemachers Bahman Farmanara beschlagnahmt, als er plante, ein Filmfestival im Ausland zu besuchen.
Bereits im Januar 2010 verboten die Behörden den Iranern den Kontakt zu über 60 ausländischen Institutionen – darunter Medien wie BBC und Voice of America, aber auch zu verschiedenen Menschenrechtsorganisationen, die ihren Sitz im Ausland haben. Damit versucht die iranische Regierung, kritische Stimmen im Land zu unterdrücken und die Iraner von der Außenwelt abzuschotten.
Am 5. Januar 2012 wurde das politisch unabhängige "Iranische Haus des Kinos", welches seit 20 Jahren als Berufsverband für die Filmindustrie operiert, auf Anordnung des Kulturministers geschlossen. Zuvor hatte der Verband Kritik an der Verhaftung einiger seiner Mitglieder geübt.
Amnesty International fordert die iranischen Behörden auf,
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alle Filmschaffenden, die wegen der Ausübung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert sind, sofort und bedingungslos frei und alle in diesem Zusammenhang stehende Anklagen fallen zu lassen.
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die gegen die beiden Regisseure Ja´far Panahi und Mohammed Rasoulof verhängten Freiheitsstrafen sowie das Berufsverbot und die Ausreisesperre gegen Ja´far Panahi umgehend aufzuheben.
- allen im Iran lebenden Menschen das Recht einzuräumen, ihre Meinung zu äußern.
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