Aktuell Afrika 30. August 2011

Sudan: Bombenangriffe auf Bevölkerung in Süd-Kordofan

Asyl in einer Höhle: Viele vertriebene Familien in Südkordofan sind von Hilfsorganisationen abgeschnitten

Asyl in einer Höhle: Viele vertriebene Familien in Südkordofan sind von Hilfsorganisationen abgeschnitten

In den Nuba-Bergen in Süd-Kordofan bombardieren die Sudanesischen Streitkräfte (SAF) willkürlich Zivilisten und hindern Hilfsorganisationen daran, Flüchtlinge und Vertriebene zu versorgen. Das dokumentiert ein heute veröffentlichter Bericht von Amnesty International und Human Rights Watch.

Der 15-jährige Yusef Abdallah verlor sein rechtes Auge und Teile seiner Nase, als er bei Feldarbeiten bombardiert wurde

Der 15-jährige Yusef Abdallah verlor sein rechtes Auge und Teile seiner Nase, als er bei Feldarbeiten bombardiert wurde

Amnesty International und Human Rights Watch untersuchten 13 Luftangriffe auf die Gemeinden Kauda, Delami und Kurchi in Süd-Kordofan, bei denen mindestens 26 Menschen getötet und über 45 weitere Zivilisten verletzt wurden. Mehrere Regierungsflugzeuge wurden bei Bombardierungen von Gegenden beobachtet, in denen sich keine Kämpfer der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee-Nord (SPLA-North) aufhielten.

Die Kämpfe brachen am 05. Juni zwischen der Sudanesischen Regierung und der SPLA in Kadugli und Um Durein aus und breiteten sich seitdem rasch auf weitere Ortschaften aus. Die Kämpfe gehen auf zunehmende Unstimmigkeiten zwischen der im Nordsudan regierenden Nationalen Kongresspartei (NCP) und der im Südsudan regierenden Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) über Sicherheitsbestimmungen und die umstrittenen Wahlen in Süd-Kordofan zurück.

Seit Beginn des Konf]iktes wurden über 150.000 Menschen vertrieben, 5000 Menschen sind bereits über die Grenze in den Südsudan geflohen. Der sudanesische Präsident Omar al-Bashir verkündete zwar am 23. August eine zweiwöchige Feuerpause, lokale Organisationen berichten aber, dass seine Truppen weiter zivile Ziele bombardieren. Am gleichen Tag bestätigte er, dass weder den UNO- noch internationalen Hilfsorganisationen Zugang zu den Flüchtlingen gewährt würde.

Die Kinder verstecken sich in einem selbstgegrabenden "Schutzbunker" sobald sie die Flieger der sudanesischen Streitkräfte hören

Die Kinder verstecken sich in einem selbstgegrabenden "Schutzbunker" sobald sie die Flieger der sudanesischen Streitkräfte hören

Alfred Buss, Sudan-Experte der deutschen Amnesty-Sektion erklärte, "Unsere Recherchen zeigen, dass die sudanesische Armee rücksichtslos Zivilisten bombardiert. Sie verhindert auch, dass internationale Hilfe zu den Menschen gelangt, die vor den Kämpfen in der Region und den Bombardements fliehen. Die internationale Gemeinschaft darf nicht länger untätig zusehen. Insbesondere der UNO-Sicherheitsrat muss sich mit den mutmaßlichen Kriegsverbrechen in Süd-Kordofan befassen."

Am 19. August diskutierte der UNO-Sicherheitsrat die Situation in Süd-Kordofan, konnte sich aber aufgrund des Vetos von Südafrika, Brasilien und Russland nicht auf eine Stellungnahme einigen, die die Menschenrechtsverletzungen in der Region verurteilt oder konkrete Maßnahmen vorsieht.

Sudan Map

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