Aktuell Kroatien 16. Februar 2011

Kroatien: Zeugen von Kriegsverbrechen schützen

Es mangelt in Kroatien am politischen Willen zur Aufklärung der Vergangenheit.

Es mangelt in Kroatien am politischen Willen zur Aufklärung der Vergangenheit.

16. Februar 2011 - Während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien von 1991-1995 zwischen der kroatischen Armee und den Streitkräften der kroatischen Serben, welche durch die Jugoslawische Volksarmee unterstützt wurden, wurden Kriegsverbrechen auf beiden Seiten begangen. Zwanzig Jahre später sind viele dieser Verbrechen noch nicht aufgearbeitet.

Eine Strafverfolgung fand und findet in Kroatien, Serbien und Bosnien und Herzegowina sowie vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag (IStGHJ) statt.

In vielen Fällen kann die Aufklärungsarbeit der Gerichte nur durch couragierte Zeugen, die bereit sind, Aussagen über die Kriegsereignisse zu machen, gelingen. Ihre Aussagen sind von entscheidender Bedeutung und tragen dazu bei, die Täter überhaupt vor ein Gericht zu stellen und sogar zu verurteilen. Jedoch werden viele Zeugen eingeschüchtert, bedroht oder sogar getötet. In Kroatien versäumten die zuständigen Behörden, Zeugen ausreichend zu schützen. Somit entstand eine Atmosphäre der Angst: aus Furcht um ihre eigene Sicherheit verweigern viele potentielle Zeugen die Aussage.

Milan Levar konnte seine Aussage im Gerichtssaal nicht mehr machen, weil er nicht ausreichend geschützt wurde. Er war Kroate und mutig genug, über Kriegsverbrechen der kroatischen Armee, der er damals selbst angehörte, an kroatischen Serben zu berichten. Nach Kriegsende half er aktiv bei der Aufarbeitung der Verbrechen in der Region um Gospić und versuchte, weitere Zeugen für die Verbrechen zu finden. Im August 2000 wurde Milan Levar Opfer eines gezielten tödlichen Anschlags in der Nähe seines Hauses.

Bis heute, elf Jahre nach diesem Anschlag, ist noch niemand für diese Tat vor Gericht gestellt worden. Seine Witwe erhält bis heute Morddrohungen.

Die Mängel im Aufarbeitungsprozess sind trotz einiger Fortschritte immer noch beträchtlich. Es mangelt in Kroatien am politischen Willen zur Aufklärung der Vergangenheit. Eine Sorge, die Zeugen häufig äußern, ist die Straflosigkeit von ehemals hochrangigen Militär- und Polizeikräften, die zum Teil nach wie vor wichtige Ämter bekleiden. Obwohl in manchen Fällen mittlerweile öffentlich zugängliche Informationen verfügbar sind, wird den Vorwürfen gegen diese Personen nicht nachgegangen.

Ohne Hinweise durch Zeugen ist es nicht möglich, die begangenen Kriegsverbrechen strafrechtlich zu verfolgen. Die Opfer und ihre Familien müssten weiter ohne Hoffnung auf Recht und Gerechtigkeit leben.
Setzen Sie sich deshalb für ein Ende der Straflosigkeit ein und schreiben an den kroatischen Generalstaatsanwalt Mladen Bajić.

Fordern Sie ihn auf sicherzustellen,

  • dass die Verantwortlichen für den Mord an Milan Levar endlich vor Gericht gestellt werden,
  • dass unverzüglich Ermittlungen gegen hochrangige Amtsträger eingeleitet werden, denen vorgeworfen wird, in Kriegsverbrechen involviert gewesen zu sein,
  • dass Zeugen angemessen geschützt und unterstützt werden,
  • dass alle Vorwürfe hinsichtlich einer Einschüchterung von Zeugen untersucht werden.

Jetzt mitmachen: Fordern Sie ein Ende der Straflosigkeit!

Zur Aktion auf Amnesty.org

Weiterlesen

Croatia: Response of Amnesty International to the "Observations on Amnesty International's report "Behind a Wall of Silence"

Amnesty-Bericht: "Behind a wall of silence: Prosecution of war crimes in Croatia"

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