Der Iran hat gewählt
"The Green Wave" kombiniert geschickt verschiedene Filmstile
© Dreamer Joint Venture Filmproduktion
Nürnberg auch: "The Green Wave" heißt der diesjährige Träger des Menschenrechtsfilmpreises: Ali Samadi Ahadis Dokumentation kombiniert geschickt verschiedene Filmstile.
Von Jürgen Kiontke
"Ab fünf Uhr Nachmittag kamen bei mir die Anrufe: In diesem und jenem Wahllokal seien die Wahlzettel ausgegangen." In den Hochburgen der Opposition. Wahlaktivist Babak war das nicht geheuer: "Da klingelten die Alarmglocken das erste Mal." Denn keine Wahlzettel bedeuten: Keine Stimmen für den Kandidaten Mir-Hossein Moussavi.
Von diesen und ähnlichen Unregelmäßigkeiten rund um die iranische Präsidentschaftswahl am 12. Juni 2009 berichten die Figuren im Dokumentarfilm "Iran Elections 2009" des iranischen Regisseurs Ali Samadi Ahadi, der in der Kinofassung "The Green Wave" heißen wird.
Der Macher populärer Filme wie "Lost Children", für den er den Deutschen Filmpreis 2006 bekam, und der erfolgreichen Sommerkomödie "Salami Aleikum" geht mit seinem neuen Werk auch gänzlich neue Wege: Interviews kombiniert er mit Zitaten aus Blogs, Einträgen in Internetforen oder auf Twitter; mit Handyfilmen aus den Tagen rund um das Wahlereignis - wie auch mit im Graphic-Novel-Stil gezeichneten Sequenzen. Zwei fiktive Protestteilnehmer führen den Zuschauer durch die Szenerie - in der Weise ein Novum in der Stilistik des Genres.
Diese filmische Erzählstruktur bringt Ahadi nun den Menschenrechtsfilmpreis, Kategorie Profi, ein. Seit 1998 wird dieser mit 1500 Euro dotierte Preis, der auch von Amnesty International getragen wird, in Nürnberg verliehen. Alle zwei Jahre werden dort besondere Film- und Fernsehproduktionen ausgezeichnet, die auf außergewöhnliche Weise Menschenrechte in den Mittelpunkt stellen.
Und damit kann Ahadis Film aufwarten. Zu Beginn des Sommers 2009 hoffen viele Iraner auf einen Regierungswechsel. Sie halten das System unter Präsident Mahmud Achmadinedschad für erstarrt, Willkürherrschaft lehnen sie ebenso ab, wie die sehr junge Bevölkerung des Irans auch mit der Job-Situation ihre Schwierigkeiten hat. 70 Prozent der Iraner sind unter 25 Jahren alt; viele haben eine gute Ausbildung, aber finden nun keine Arbeit. Nun binden sich die Hoffnungen an einen Regierungswechsel: Der Oppositionskandidat Moussavi repräsentiert all diese Wünsche.
Doch bald klingelt’s nicht nur bei Aktivist Babak: Sah es zunächst so aus, als habe Mussawi gewonnen, wurden alsbald alle Hoffnungen zunichte gemacht. Von Wahlbetrug ist schnell die Rede. Der neue alte Präsident heißt Achmadinedschad.
Auf die sich anschließenden wochenlangen Proteste reagiert die Führung mit Gewalt. Zahlreiche Menschen kommen bei den landesweiten Demonstrationen ums Leben, Hunderte wandern ins Gefängnis. Ahadis gezeichnete Protagonisten stehen modellhaft für die Schicksale unterdrückter, verhafteter und protestierender Menschen.
Doch der Film schildert auch andere Eindrücke von der "grünen Welle", der Euphorie angesichts der Aussicht auf mögliche tiefgreifende Veränderungen. Etwa, wenn aus einem Blog zitiert wird: "Ich habe Angst vor dem ganzen grünen Tumult, der den Verstand betäubt." Es sei im Iran schon einmal, wenn nicht mehrmals passiert, dass "die Turnschuhe mit Stiefeln" vertauscht worden seien.
Ahadis Film ist ein vielschichtiges Protokoll der Ereignisse jenes Tages und seiner Folgen gelungen.
Start der Kinofassung "The Green Wave" (Camino Filmverleih). D 2010. Regie: Ali Samadi Ahadi. Kino-Start: 24. Februar 2011
Preview Tour in Anwesenheit des Regisseurs Ali Samadi Ahadi
19.02. Regensburg, Wintergarten 15.00 Uhr
19.02. Thalia, Augsburg 20.00 Uhr
20.02. Arri, München 11.30 Uhr
20.02. Filmforum, Köln 19.00 Uhr
21.02. Raschplatz Kinos, Hannover 20.00 Uhr
22.02. 3001, Hamburg 19.00 Uhr
23.02. Delphi, Stuttgart 19.30 Uhr
24.02. Lumiere, Göttingen 20.00 Uhr
25.02. Mal Sehn Kino, Frankfurt/Main, 20.00 Uhr
26.02. Scala, Leverkusen, 13.00 Uhr
26.02. Bielefeld, Lichtwerk 18.00 Uhr
26.02. Münster, Cinema 20.30 Uhr
27.02. Hackesche Höfe Filmtheater, Berlin – abends!
Ab 24.02. in folgenden Städten/Kinos
Berlin: Hackesche Höfe Filmtheater x
Berlin: Neue Kant Kinos x
Berlin: Moviemento x
Berlin: Lichtblick x
Hamburg: 3001 x
Köln: Filmpalette x
Münster: Cinema x
Hannover: Raschplatz Kinos x
München: Neues Arena x
Düsseldorf: Bambi x
Trier: Broadway x
Bielefeld: Kamera x
Frankfurt: Mal Sehn Kino x
Bremen: Cinema Ostertor x
Göttingen: Lumiere x
Freiburg: Friedrichsbau x
Mainz: Capitol x
Augsburg: Thalia x
Regensburg: Wintergarten x
Kiel: Kino in der Pumpe x
Aachen: Apollo x
Stuttgart: Delphi x
Karlsruhe: Schauburg x
Braunschweig: Universum x
Ab 17.03. in folgenden Städten/Kinos
Nürnberg: Filmfestival Türkei / Deutschland
Ab 31.03. in folgenden Städten/Kinos
Nürnberg: Filmhaus Kino
Ab 07.04. in folgenden Städten/Kinos
Leipzig: die nato