Kuba: Grausame Haftbedingungen für Juan Adolfo Fernández Saínz
Juan Adolfo Fernández Saínz
© Joana C. Fernandez Nuñez
Juan Adolfo Fernández Saínz steht Fidel Castro kritisch gegenüber und scheute sich nicht, dies auch öffentlich zu sagen. Leider sollten ihm seine Meinungsäußerungen zum Verhängnis werden.
Am 18. März 2003 wurde der 60-jährige freie Journalist im Rahmen der größten
Verhaftungswelle in Kuba seit Beginn der Revolution 1959 festgenommen und später in einem Schnellverfahren zu 15 Jahren Haft verurteilt. Als Grundlage dafür diente dem
kubanischen Staat das Gesetz 88 zur Sicherung der nationalen Unabhängigkeit und
Wirtschaft Kubas. Das Gesetz, ein häufig angewandtes Hilfsmittel bei der Verhaftung und Aburteilung von Dissidenten, verstößt auf Grund seiner Unbestimmtheit und Ungenauigkeit gegen internationale Normen.
Mittlerweile ist Juan Adolfo Fernández Saínz aufgrund schlechter Haftbedingungen
unterernährt und schwer erkrankt. Er benötigt dringend medizinische Versorgung, die ihm jedoch nur unzureichend gewährt wird.
Hintergrundinformationen
Juan Adolfo Fernández Saínz ist Journalist und Dolmetscher. Er übersetzt für kubanische Behörden, arbeitet für die inoffizielle Presseagentur "Patria" in Havanna und ist als freier Journalist tätig. Sein Verhältnis zu Staatschef Fidel Castro war stets kritisch. Er wünscht sich politische Veränderungen in Kuba. Dafür tritt er in seinen Veröffentlichungen deutlich ein. 2002 möchte er an einem Seminar zur "Demokratisierung Kubas von innen" beim Europäischen Parlament in Straßburg teilnehmen. Die Ausreise wird ihm verweigert. Wegen seiner kritischen Haltung gilt er in Kuba als "Verräter".
Verhaftung und Verurteilung
Während des "Kubanischen Frühlings" im März 2003 wird Juan Adolfo Fernández Saínz in Havanna verhaftet. Es ist die größte Verhaftungswelle seit Beginn der Revolution in Kuba im Jahr 1959. In einem Schnellverfahren wird er zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die gesetzliche Grundlage für seine Verhaftung und Verurteilung ist das "Gesetz 88 zur Sicherung der nationalen Unabhängigkeit und der Wirtschaft Kubas" (Ley de Protección de la Independencia Nacional y la Economía de Cuba"). Das Gesetz entspricht auf Grund seiner unbestimmten Formulierungen und seiner Ungenauigkeit nicht den internationalen Standards.
In Händen der kubanischen Regierung ist es ein wichtiges Instrument zur Unterdrückung von Regimekritikern. Amnesty International fordert seine Abschaffung.
Grausame Haftbedingungen
Vor Beginn seiner Haft war der 60-jährige Juan Adolfo Fernández Saínz ein gesunder Mann. Heute ist er abgemagert, unterernährt und leidet an einer Vielzahl schwerer Krankheiten. Die grausamen Haftbedingungen haben Juan Adolfo Fernández Saínz` Gesundheit deutlich verschlechtert. Die medizinische Versorgung im Gefängnis ist unzureichend.
Nur streng zensierte Bücher darf er in Haft lesen. Gerade Literatur, die sich mit den
wichtigsten Themen seines Lebens befasst - christliche Bücher und Schriften zum
Journalismus – kann er nur extrem erschwert bekommen. Seiner Familie ist es nahezu
unmöglich, ihn im Gefängnis von Canaleta, Ciego de Avila, zu besuchen. Ein Besuch bedeutet für die Familienangehörigen insgesamt 800km Fahrt. Immer wieder werden Besuchstermine kurzfristig ausgesetzt oder verlegt. Die Familienmitglieder dürfen Juan Adolfo Fernández Saínz nur getrennt voneinander besuchen.
Ungebrochen – doch wie lange reicht die Kraft?
Juan Adolfo Fernández Saínz muss schwer um sein eigenes Dasein kämpfen. Dennoch ergreift er nach wie vor auch für andere Partei. So setzte er sich für einen leicht geistig behinderten Mitgefangenen ein, dem die Wärter die Matratze zum Schlafen verweigert hatten. Infolge seines Engagements verschlechterte sich seine eigene Situation. Er wurde von Mitgefangenen geschlagen und schikaniert, vermutlich auch auf Anweisung der Wärter.
Im Juni 2005 trat er ohne Rücksichtnahme auf seine eigene angeschlagene Gesundheit
gemeinsam mit anderen Häftlingen in einen Hungerstreik, um gegen die schlechten
Haftbedingungen und willkürliche Strafmaßnahmen zu protestieren. Ein Mitgefangener war von Wärtern geschlagen und in eine "Strafzelle" verlegt worden. Er hatte sich darüber beschwert, dass Militärangehörige immer wieder willkürlich Telefonate mit
Familienmitgliedern abbrechen.
Auch Juan Adolfo Fernández Saínz Familie ist nicht bereit, die Situation widerstandslos hinzunehmen. Seine Ehefrau und seine Tochter haben sich den "Damas de Blanco" angeschlossen. Die "Damen in Weiß" ziehen jeden Sonntag über die Avenida Cinco in Havanna, um allen staatlichen Repressalien zum Trotz für Meinungsfreiheit und Zivilcourage einzutreten. Ihre weiße Kleidung symbolisiert den Frieden und die Unschuld ihrer inhaftierten Väter und Ehemänner.