Migranten in Gefahr
Häufig werden Migranten in Mexiko Opfer krimineller Banden
© Amnesty International (Photo: Ricardo Ramírez Arriola)
Migrant_innen einer Unterkunft in der im nördlichen Bundesstaat Coahuila gelegenen Stadt Saltillo droht die Verschleppung durch Menschenhändler_innen. Darüber hinaus laufen sowohl die Migrant_innen als auch die Belegschaft der Unterkunft Gefahr, schikaniert und angegriffen zu werden. Die Behörden haben bislang wenig für ihren Schutz getan.
Appell an
INNENMINISTER
Lic. José Francisco Blake Mora
Secretario de Gobernación
Bucareli 99, 1er piso
Col. Juárez, Del. Cuauhtémoc
México D.F.
C.P.06600, MEXIKO
(korrekte Anrede: Estimado Señor Secretario/Dear Minister)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES COAHUILA
Profesor Humberto Moreira Valdés
Gobernador del Estado de Coahuila
Palacio de Gobierno, 1er. Piso
Juárez e Hidalgo s/n
Zona Centro. C.P. 25000
Saltillo
Coahuila
MEXIKO
(korrekte Anrede: Estimado Señor Gobernador/Dear Governor)
Fax: (00 52) 844 411 8560
E-Mail: s.particolar@coahuila.gob.mx
GENERALSTAATSANWALT
Lic. Jesús Torres Charles
Fiscal General del Estado
Humberto Castilla Salas 600
Saltillo, C.P. 25050
Coahuila, MÉXICO
(korrekte Anrede: Estimado Señor Fiscal General/ Dear Attorney General)
Fax: (0052) 844 438 0728
E-Mail: pgje_coah@yahoo.com
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S.E. Herrn Francisco Nicolas Gonzalez Diaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 24. September 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich bin in großer Sorge um die Sicherheit der Mitarbeiter_innen und Bewohner_innen der Casa del Migrante in Saltillo (Belén – Posada del Migrante).
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Ich appelliere daher an Sie, die von der staatlichen Menschenrechtskommission und der interamerikanischen Menschenrechtskommission angeordneten und von der Leitung der Casa del Migrante und den Behörden akzeptierten Schutzmaßnahmen umzusetzen.
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Die Menschenrechtsverletzungen an Migrant_innen und den Menschenrechtsverteidiger_innen, die die Unterkunft betreiben, müssen umgehend untersucht werden.
- Ich fordere Sie des weiteren auf, eine Arbeitsgruppe bestehend aus hochrangigen Bundesbehörden zu bilden, die Aktionen leiten und koordinieren, die den Schutz von Migrant_innen ohne geregelten Aufenthaltsstatus gewährleisten und die für diese Verbrechen Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern for the safety of those working and staying at the Saltillo Migrants' House;
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Urging the authorities to implement the protection measures ordered by the National Human Rights Commission and the Inter-American Human Rights Commission and already agreed by the shelter's director and the authorities;
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Calling on the authorities to investigate all abuses against migrants and the human rights defenders who run the shelters;
- Calling on the authorities to set up a task force of senior federal authorities to lead and coordinate actions to protect irregular migrants in Mexico and hold to account those responsible for abuses.
Sachlage
Am 8. August gegen 11:30 Uhr wandten sich ein Mann und eine Frau an drei salvadorianische Migranten, die am örtlichen Bahnhof auf einen Güterzug warteten, mit dem sie in Richtung US-amerikanische Grenze fahren wollten. Der Mann, der eine Waffe an einem Gürtel trug, und die Frau boten den Migranten Essen und eine Mitfahrt in ihrem Wagen an. Sie befragten die drei Männer zu der Unterkunft für Migrant_innen in Saltillo (Casa del Migrante de Saltillo), aus der die drei gerade kamen, und den daran untergekommenen Migrant_innen, insbesondere zu den Frauen.
Die Migranten weigerten sich, dem Paar Informationen zu geben. Dann sahen sie, wie etwa 50 Meter entfernt eine Gruppe bewaffneter Männer vier Migrant_innen in zwei Fahrzeuge zwang und mit ihnen wegfuhr. Die drei Salvadorianer rannten zur Herberge zurück. Als sie dort ankamen, sahen sie dieselbe Frau mit Migrant_innen sprechen, die den Eingang der Unterkunft bewachten. Sie sagte, sie sei dort, um zwei Migrant_innen abzuholen. Sie befragte die Türsteher_innen, wer in der Unterkunft sei und welche Sicherheitsvorkehrungen die Herberge hätte. Als die drei Salvadorianer kamen, ging sie weg. Drei honduranische Migrant_innen gaben an, das diese Frau und der bewaffnete Mann am 5. August gegen 19 Uhr versucht hatten, sie am Bahnhof mit dem selben Angebot zu sich zu locken.
Migrant_innen und Mitarbeiter_innen der Casa del Migrante de Saltillo sind bereits zuvor eingeschüchtert worden. Im Oktober 2009 erhielten Mitarbeiter_innen mehrere einschüchternde Anrufe und in einem Akt von Vandalismus wurde ihre Stromversorgung zerstört. Die Gefahr für die Mitarbeiter_innen und Migrant_innen in der Unterkunft ist so hoch, dass die staatliche mexikanische Menschenrechtskommission und die interamerikanische Menschenrechtskommission die Behörden aufgefordert haben, sie zu schützen. Doch die Schutzmaßnahmen sind nicht in vollem Umfang umgesetzt worden und die Menschen in der Unterkunft sind weiter gefährdet.
Hintergrundinformation
Jedes Jahr werden tausende Migrant_innen auf dem Weg durch Mexiko in Richtung USA tätlich angegriffen, ausgeraubt, vergewaltigt oder sogar getötet. Die Mehrzahl dieser Verbrechen werden von kriminellen Banden begangen, doch es gibt auch Beweise für die Beteiligung und Komplizenschaft von Regierungsmitarbeiter_innen auf verschiedenen Ebenen. Laut Angaben der staatlichen Menschenrechtskommission wurden zwischen September 2008 und Februar 2009 insgesamt 9758 Migrant_innen entführt.
Alle Migrant_innen ohne regulären Aufenthaltsstatus tragen ein hohes Risiko, doch Frauen und Kinder sind besonders gefährdet. Sie laufen Gefahr, dem Menschenhandel zum Opfer zu fallen oder sexuelle Angriffe zu erfahren. Die Täter_innen sind Kriminelle, andere Migrant_innen und korrupte Mitarbeiter_innen der Behörden. Zwar werden nur wenige Fälle offiziell registriert und nahezu keiner strafverfolgt, doch nach Schätzungen unabhängiger Quellen erfahren bei Migrantinnen sechs von zehn Frauen und Mädchen unterwegs sexuelle Gewalt.
Über 90 Prozent dieser Migrant_innen stammen aus Mittelamerika, reisen an der Südgrenze nach Mexiko ein und von dort nach Norden. Sie hoffen auf ein besseres Leben in den Vereinigten Staaten, denn die USA versprechen Arbeit und einen Ausweg aus der Armut, aus der sie kommen
Migrant_innen, die Menschenrechtsverletzungen erleiden oder miterleben, haben kaum Handlungsoptionen. Sie können sich entscheiden, keine Anzeige zu erstatten und somit den Kreislauf der Straflosigkeit unterstützen und sich und andere weiter in Gefahr bringen. Oder sie gehen das Risiko ein, den Missbrauch den mexikanischen Behördenvertreter_innen anzuzeigen. Diese weisen ihre Strafanzeigen möglicherweise zurück oder tragen noch zu den erlittenen Menschenrechtsverletzungen bei. Selbst wenn Migrant_innen eine Klage erfolgreich einreichen, sehen sie sich einem System gegenüber, das in aller Regel keine Gerechtigkeit bringt.
Die Casa del Migrante in Saltillo ist eine von vielen Unterkünften, die Migrant_innen humanitäre Hilfe leistet. Ihr offizieller Name ist Belén – Posada del Migrante.
Im April 2010 begann Amnesty International eine Kampagne zu der prekären Situation mittelamerikanischer Migrant_innen auf ihrem Weg durch die südlichen Bundesstaaten Mexikos in Richtung USA. In der Kampagne wird die mexikanische Regierung aufgefordert, eine Arbeitsgruppe aus hochrangigen Bundesbehörden zu bilden, um Aktionen anzuführen und zu koordinieren, um Migrant_innen ohne regulären Aufenthaltsstatus in Mexiko zu schützen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die für Menschenrechtsverletzungen gegen sie verantwortlich sind. Wenn Sie dazu aktiv werden möchten, besuchen sie folgende Website: http://www.amnesty.org/en/appeals-for-action/protect-migrants-mexico.