Mehrfach gefoltert

Ägypten - Streetart

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Islam Khalil wurde im Mai 2015 verschleppt und galt 122 Tage lang als "verschwunden". Seitdem er sich dagegen ausgesprochen hat, dass weitere Häftlinge in die ohnehin schon überbelegte Zelle verlegt werden, in der er festgehalten wird, wurde er mit Einzelhaft bestraft und wiederholt gefoltert. Nach einem Hungerstreik hat sich sein Gesundheitszustand stark verschlechtert. Er erhält keinen Zugang zu ärztlicher Behandlung.

Appell an

STAATSANWALT
Nabil Sadek
Office of the Public Prosecutor
Madinat al-Rehab
New Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Dear Counsellor / Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)

PRÄSIDENT
President Abdel Fattah al-Sisi
Office of the President
Al Ittihadia Palace
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 202) 2391 1441
E-Mail: p.spokesman@op.gov.eg
Twitter: @AlsisiOfficial

Sende eine Kopie an

STELLVERTRETENDE BEAUFTRAGTE FÜR MENSCHENRECHTE IM AUSSENMINISTERIUM
Laila Bahaa El Din
Deputy Assistant Minister of Foreign Affairs for Human Rights and NGO Affairs
Ministry of Foreign Affairs
Corniche al-Nil
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 202) 2 574 971 3
E-Mail: Contact.Us@mfa.gov.eg
Twitter: @MfaEgypt

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S. E. Herrn Badr Ahmed Mohamed Abdelatty
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. September 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS, TWITTER-NACHRICHTEN UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Islam Khalil sofort frei, da seine Inhaftierung rechtswidrig ist.

  • Stellen Sie bitte sicher, dass Islam Khalil vor weiterer Folter und anderweitiger Misshandlung geschützt ist, und stellen Sie die Personen, die für seine Folter und Misshandlung verantwortlich sind, in fairen Verfahren vor Gericht.

  • Gewähren Sie Islam Khalil bitte bis zu seiner Freilassung außerdem Zugang zu einem Arzt.

Sachlage

Islam Khalil wurde im Borg-al-Arab-Gefängnis in Alexandria gefoltert, nachdem es zwischen ihm und Strafvollzugsbeamt_innen zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen war. Grund dafür war, dass weitere Häftlinge in die nur vier mal sechs Meter große Zelle verlegt werden sollten, in der bereits 25 Gefangene festgehalten werden. Daraufhin schlugen Angehörige des Gefängnispersonals 30 Minuten lang mit Schlagstöcken auf ihn ein, zerrissen seine Kleidung und verlegten ihn vom 21. bis 29. Juli in Einzelhaft. Er hatte in dieser Zeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Familienbesuchen und frischer Luft. Aus Protest gegen seine Einzelhaft trat er in den Hungerstreik und beendete diesen erst, als er am 29. Juli zurück in seine Zelle gebracht wurde. Sein Gesundheitszustand hat sich aufgrund des Hungerstreiks stark verschlechtert. Er muss sich noch immer regelmäßig übergeben und leidet an Schwindel. Man verweigert ihm den Zugang zu einem Arzt.

Islam Khalil wurde in den frühen Morgenstunden des 24. Mai 2015 von Angehörigen des ägyptischen Geheimdiensts aus seinem Haus im Gouvernement al-Gharbiyya verschleppt. Er wurde zum Opfer des Verschwindenlassens. Die Behörden stritten seine Inhaftierung ab und sein Verbleib wurde erst 122 Tage später bekannt. In dieser Zeit folterten Angehörige des Geheimdiensts ihn, um ihn dazu zu zwingen, Straftaten zu "gestehen", die er eigenen Angaben zufolge nie begangen hat. Der Geheimdienst stellte einen Bericht zu seinem Fall zusammen, der auch unter Folter erzwungene "Geständnisse" beinhaltete. Am 21. September 2015 wurde Islam Khalil vom Geheimdienst zur Staatsanwaltschaft von Ost-Alexandria gebracht, wo er auf Grundlage der erzwungenen "Geständnisse" verhört wurde. Er erhielt dort keinen Zugang zu seinem Rechtsbeistand oder seiner Familie, was einen Verstoß gegen die Verfassung Ägyptens darstellt. Der Staatsanwalt erließ eine Untersuchungshaftanordnung gegen Islam Khalil und erhob Anklage gegen ihn wegen "Zugehörigkeit zur verbotenen Muslimbruderschaft", "Anstiftung zu Gewalt" und "Angreifens von Sicherheitskräften". Bei einem Schuldspruch könnte ihm die Todesstrafe drohen.

Im Laufe seiner Inhaftierung ist Islam Khalil wiederholt gefoltert und anderweitig misshandelt worden. Man hat ihn geschlagen, ihm Elektroschocks versetzt und ihn in schmerzhaften Positionen an seinen Gliedmaßen an die Decke gehängt. Darüber hinaus drohten Angehörige des Gefängnispersonals ihm mehrfach damit, ihn zu töten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Islam Khalil ist ein junger Geschäftsmann. Er wurde am 24. Mai 2015 festgenommen, als Angehörige des Geheimdiensts und weitere schwer bewaffnete Sicherheitskräfte das Haus seiner Familie in al-Santa im Gouvernement al-Gharbiyya durchsuchten. Neben ihm wurden auch sein 22-jähriger Bruder Nour Khalil, Jurastudent und Aktivist, und sein Vater el-Said Khalil, ein ehemaliger Angehöriger der Streitkräfte, festgenommen. Ihre Familienangehörigen gaben Amnesty International gegenüber an, dass dies bereits das achte Mal gewesen sei, dass der Geheimdienst das Haus der Familie durchsuchte. Ziel sei es dabei immer gewesen, Nour Khalil festzunehmen und zu seinen politischen Aktivitäten zu befragen. Bei den vorherigen sieben Durchsuchungen war Nour Khalil nicht zuhause.

Islam Khalil, Nour Khalil und ihr Vater wurden in das Büro des Geheimdiensts in Tanta gebracht, einer Stadt nördlich von Kairo. Nour Khalil wurde vier Tage lang festgehalten und zweimal täglich verhört. Anschließend ließ man ihn wieder frei. Ihr Vater, der nur festgenommen wurde, um ihnen Angst zu machen, wurde 15 Tage lang festgehalten und am 8. Juni 2015 wieder freigelassen. Er war in Haft nicht verhört worden. Islam Khalil wurde jedoch nicht freigelassen. Angehörige des Geheimdiensts befragten ihn immer wieder und folterten ihn. Man schlug ihn, versetzte ihm unter anderem an den Genitalien Elektroschocks und hängte ihn nackt und in schmerzhaften Positionen an der Decke auf, bis er das Bewusstsein verlor. Während seiner Verhöre befragte man ihn zu "terroristischen" Aktivitäten. Offenbar verwechselten die Angehörige des Geheimdienst Islam Khalil mit einem anderen Mann, Islam Gamal, der auch unter dem Namen Islam Abu Tereka bekannt ist und wegen der mutmaßlichen Beteiligung an gewaltsamen Angriffen gegen die Sicherheitskräfte gesucht wird. Islam Khalil wurde gezwungen, ein "Geständnis" abzulegen.

Am 9. Juli 2015 wurde Islam Khalil in das Büro des Geheimdiensts beim Innenministerium in Lazoughly im Zentrum Kairos gebracht. Er bezeichnete diesen Ort, an dem er 60 Tage lang festgehalten und gefoltert wurde, als "die Hölle". Bis zum 24. September 2015, als er in das Karmouz-Gefängnis in Alexandria verlegt wurde, wussten seine Angehörigen und Rechtsbeistände nichts über seinen Verbleib. Im Januar 2015 verlegte man ihn dann in das Borg-al-Arab-Gefängnis.

In der offiziellen Fallakte wurde das Datum der Festnahme von Islam Khalil vom Geheimdienst gefälscht. Dort steht, er sei am 20. September 2015 festgenommen worden. Tatsächlich befindet er sich jedoch bereits seit dem 24. Mai 2015 in Haft. Offenbar will man so versuchen, die rechtswidrige Festnahme und die fast vier Monate, in denen er unter Bedingungen festgehalten wurde, die dem Verschwindenlassen gleichkommen, zu vertuschen. Der Rechtsbeistand von Islam Khalil hat die Staatsanwaltschaft über die von seinem Mandanten erlittene Folter und das falsche Festnahmedatum informiert. Dennoch wurde bisher weder eine unabhängige ärztliche Untersuchung von Islam Khalil noch Ermittlungen zu den Foltervorwürfen angeordnet, obwohl das ägyptische Recht vorschreibt, dass die Staatsanwaltschaft solchen Vorwürfen nachgehen muss. Bis zum 5. August 2016 hat Islam Khalil bereits 439 Tage in Haft verbracht.

Islam Khalil hat seiner Familie gesagt, dass die Strafvollzugsbeamt_innen im Karmouz- und im Borg-al-Arab-Gefängnis gedroht hätten, ihn zu töten, nachdem seine Angehörigen seine Aussage und von ihm geschriebene Briefe veröffentlicht hatten. Weitere Informationen zu seinem Fall finden Sie auf Englisch unter https://www.amnesty.org/en/latest/news/2016/07/egypt-hundreds-disappeared-and-tortured-amid-wave-of-brutal-repression/.

Amnesty International vorliegenden Informationen zufolge setzt der Geheimdienst des Innenministeriums das Verschwindenlassen von Personen weitverbreitet ein, um die Opposition anzuschrecken und friedlichen Dissens zu verhindern. Jeden Tag "verschwinden" in Ägypten mindestens drei oder vier Menschen. Die Zunahme der Fälle des Verschwindenlassens fällt mit der Ernennung des Innenministers Magdy Abd el-Ghaffar zusammen. Er war lange Angehöriger des Ermittlungsdiensts für Staatssicherheit (State Security Investigation Service), der Geheimpolizei unter Mubarak, die für Entführungen, Folter und andere völkerrechtliche Verbrechen und schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen verantwortlich war.