Freigelassen

Ägypten Karte

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Islam Khalil ist am 31. August 2016 vom ägyptischen Geheimdienst freigelassen worden. Zehn Tage zuvor hatte die Staatsanwaltschaft seine Freilassung gegen Kaution angeordnet. Der 27-Jährige war Opfer des Verschwindenlassens geworden und wurde in Haft gefoltert.

Sachlage

Am 31. August wurde Islam Khalil vom ägyptischen Geheimdienst freigelassen. Zehn Tage zuvor hatte dieser sich geweigert, einer Entscheidung der Staatsanwaltschaft von Ost-Alexandria nachzukommen, der zufolge der 27-Jährige gegen Kaution freigelassen werden sollte. Am 23. August hatte die Familie von Islam Khalil eine Kaution in Höhe von 50.000 ägyptischen Pfund (etwa 5.000 Euro) gezahlt. Islam Khalil war daraufhin jedoch nicht freigelassen worden. Seinem Bruder und Rechtsbeistand zufolge beschuldigten Polizeibeamt_innen ihn stattdessen einer neuen Anklage. Zudem sei er brutal geschlagen worden. Er war in einer Polizeiwache in al-Santa, Islam Khalils Heimatstadt im Gouvernement al-Gharbiyya nordwestlich von Kairo, festgehalten worden. Kurz vor seiner Freilassung wurden Islam Khalils Hände an einer Vorrichtung an der Decke befestigt und musste über drei Stunden in dieser Position stehen bleiben. Angaben seines Bruders zufolge befindet sich Islam Khalil in einem schlechten Gesundheitszustand und muss sich sowohl geistig als auch körperlich erholen.

Islam Khalil musste sich ursprünglich wegen einer Reihe von Anklagen vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung in einigen der Anklagepunkte drohte ihm die Todesstrafe. Infolge nationaler und internationaler Kampagnen wurden, mit einer Ausnahme, alle Anklagen fallengelassen. Islam Khalil ist weiterhin wegen "Mitgliedschaft in einer verbotenen Gruppierung" angeklagt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis. Nachdem die Staatsanwaltschaft seine Freilassung angeordnet hatte, wurde eine weitere Anklage wegen "Angriffs eines Polizeibeamten" gegen ihn erhoben. Diese Straftat wird mit Geldstrafen zwischen 10.000 und 20.000 ägyptischen Pfund (etwa 1.000 bis 2.000 Euro) bestraft.

Nour Khalil, Islam Khalils Bruder, richtete folgende Nachricht an die Mitarbeiter_innen und Aktivist_innen von Amnesty International: "Vielen Dank für eure enormen Anstrengungen. Sie waren der wichtigste Grund für die heutige Freilassung meines Bruders. Islam wird weiterhin von den Sicherheitsbehörden bedroht und es besteht ein ernsthaftes Risiko, dass er erneut inhaftiert oder verletzt wird. Setzt euch bitte weiter für ihn ein und unterstützt ihn, bis man ihm alle seine Rechte gewährt und diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die für die Verbrechen gegen ihn verantwortlich sind. Übt weiterhin Druck im Namen der Freiheit, Wahrheit und des Friedens aus – für alle Opfer des Verschwindenlassens und alle gewaltlosen politischen Gefangenen. Danke Amnesty und danke allen Amnesty-Aktivistinnen und -Aktivisten auf der ganzen Welt".

Nach Angaben seiner Familie und seines Rechtsbeistands sowie Islam Khalils eigenen Aussagen wurde er während seiner Inhaftierung mehrmals gefoltert und anderweitig misshandelt. Der 27-jährige Verkaufsleiter war am 24. Mai 2016 von Beamt_innen des Geheimdienstes aus seinem Zuhause in al-Santa entführt worden. Er wurde Opfer des Verschwindenlassens. Während dieser Zeit weigerten sich die Behörden, seinen Freiheitsentzug zu bestätigen. Sie gaben 122 Tage lang keine Auskunft zu seinem Verbleib. Islam Khalil gab an, dass ihn Beamt_innen des Geheimdiensts in dieser Zeit folterten, um ihn dazu zu zwingen, Straftaten zu "gestehen", die er nicht begangen hat.

Amnesty International wird den Fall weiterhin beobachten.

Es sind derzeit keine weiteren Aktionen des Eilaktionsnetzes erforderlich. Vielen Dank an alle, die Appelle geschrieben haben.