Sorge um Gesundheit

Der auf dem US-Militärstützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba inhaftierte Jemenit Adnan Farhan Abdul Latif hat in den vergangenen Monaten mehrere Suizidversuche unternommen und sich am 10. Mai 2009 während eines Treffens mit seinem Anwalt ein Handgelenk aufgeschlitzt. Adnan Farhan Abdul Latif wird seit über sieben Jahren ohne Anklageerhebung in Guantánamo festgehalten. Amnesty International fürchtet um seine physische und psychische Gesundheit.

Appell an

US-PRÄSIDENT
President Barack Obama
The White House,
1600 Pennsylvania Avenue NW,
Washington DC 20500
USA
E-Mail: president@whitehouse.gov
Fax: (00 1) 202 456 2461

JUSTIZMINISTER
The Honorable Eric H. Holder
Attorney General, US Department of Justice
950 Pennsylvania Avenue NW,
Washington DC 20530-0001, USA
(korrekte Anrede: Dear Attorney General)
Fax: (001) 202 307 6777
E-Mail: AskDOJ@usdoj.gov

PRÄSIDENT DES JEMEN
His Excellency General 'Ali 'Abdullah Saleh
Office of the President of the Republic of Yemen
Sana'a, JEMEN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 967) 127 4147

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herrn John Monroe Koenig, Gesandter Botschaftsrat (Geschäftsträger a.i.)
Pariser Platz 2, 10117 Berlin
Fax: 030 8305 1050
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

BOTSCHAFT DER REPUBLIK JEMEN
S.E. Herr Mohammed Lutf Mohammed Al-Eryani
Budapester Str. 37, 10787 Berlin
Fax: 030-8973 0562
E-Mail: botschaft-jemen@freenet.de oder
Info@Botschaft-Jemen.de oder
konsulat@botschaft-jemen.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch bzw. Arabisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 24. Juni 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE AN DIE US-BEHÖRDEN, IN DENEN SIE

  • Ihre Sorge um die Gesundheit von Adnan Farhan Abdul Latif zum Ausdruck bringen;

  • fordern, dass ihm der Zugang zu einem unabhängigen Facharzt gewährt wird;

  • eine Verbesserung seiner Haftbedingungen fordern, insbesondere das Ende seiner Einzelhaft;

  • darauf dringen, dass seinen Anwälten der uneingeschränkte Zugang zu seinen medizinischen Unterlagen gewährt wird;

  • seine Freilassung fordern, sofern ihm kein faires Gerichtsverfahren vor einem Gericht der Zivilbehörden gewährt wird;

  • fordern, dass er in den Jemen zurückgebracht wird, wenn man ihn nicht vor Gericht stellt.

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE AN DEN JEMENITISCHEN PRÄSIDENTEN, IN DENEN SIE

  • fordern, dass die jemenitischen Behörden bei den US-Behörden vorstellig werden und fordern, dass er unverzüglich in den Jemen zurückgebracht wird, wenn er in den USA kein faires Verfahren erhält.

Sachlage

Der US-Anwalt von Adnan Farhan Abdul Latif erklärte nach einem Besuch bei seinem Mandanten, dieser habe während des Gesprächs ein Stück Furnier von der Unterseite des Konferenztischs abgebrochen und sich damit in die Vene seines linken Handgelenks geschnitten. Er habe sich weitere Schnitte zugefügt und das austretende Blut in ein Plastikgefäß tropfen lassen. Das aufgefangene Blut habe er dann kurz vor Ende des Besuchs dem Anwalt entgegengeschleudert. Ein Sprecher des Gefangenenlagers Guantánamo bestätigte den Vorfall, sagte aber, es habe sich nicht um einen Selbstmordversuch gehandelt.

Adnan Farhan Abdul Latif hat seit September 2008 mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen. Seinem Anwalt gegenüber hat er angegeben, dass er an einem Tag im November 2008 zweimal versucht habe, sich zu erhängen. Mindestens einer dieser Versuche soll von einem Behördenvertreter in Guantánamo dem Anwalt gegenüber bestätigt worden sein.

Adnan Farhan Abdul Latif wird etwa seit mindestens November 2008 in der psychiatrischen Abteilung von Guantánamo in Einzelhaft gehalten. Seinen Anwälten hat er erzählt, dass er im Wachzustand Geister sieht, Stimmen hört und Albträume hat, wenn er schläft. Außerdem hat er seinen Anwälten gegenüber angegeben, versucht zu haben, verschiedene Gegenstände herunterzuschlucken, darunter Müllbeutel, Uringefäße, Gebetsperlen, eine Wasserflasche und eine Schraube. Zudem habe er seine eigenen Exkremente gegessen, seinen Körper damit beschmiert sowie die Wände seiner Zelle, die Überwachungskamera und den Ventilator.
Neben seinen psychischen Problemen leidet Adnan Farhan Abdul Latif auch an mehreren körperlichen Beschwerden, darunter ein gebrochenes Jochbein, ein Riss im Trommelfell, eine ausgekugelte Schulter und möglicherweise eine Verletzung der Kniescheibe. Zudem ist er auf einem Auge blind und leidet an permanenten Hals- und Magenschmerzen, die Essbeschwerden verursachen. Aus diesem Grund wird er dreimal am Tag durch die Nase zwangsernährt und dabei an einem Stuhl festgeschnallt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Präsident Barack Obama hat angeordnet, dass das Gefangenenlager Guantánamo bis zum 22. Januar 2010 geschlossen wird. Was mit den ca. 240 Gefangenen geschehen wird, die immer noch dort einsitzen, ist jedoch nach wie vor unklar. Präsident Obama hat außerdem eine Prüfung angeordnet, um festzustellen, welche Gefangenen freigelassen oder verlegt werden sollen, welche Gefangenen in den USA vor Gericht gestellt werden sollen und welche anderen Optionen für diejenigen bestehen, für die weder die Möglichkeit der Freilassung noch eines Gerichtsverfahrens möglich scheint. Seit dem Amtsantritt von Barack Obama wurde jedoch erst ein Guantánamo-Gefangener freigelassen, keiner ist bislang unter Anklage gestellt worden. Mehrere Gefangene befinden sich seit Monaten immer noch in unbefristeter Haft, obwohl US-Bundesrichter ihre sofortige Freilassung angeordnet haben.

In Guantánamo sind etwa 100 jemenitische Staatsbürger inhaftiert. Nach vorliegenden Informationen ist es den Behörden des Jemen und den US-Behörden nicht gelungen, eine Übereinkunft über die mögliche Rückkehr in den Jemen zu erreichen. Jüngste Berichte deuten jedoch darauf hin, dass die US-Behörden derzeit eine Vereinbarung anstreben, auf deren Grundlage einige der Jemeniten nach Saudi-Arabien gebracht werden sollen, um dort ein Rehabilitationsprogramm der saudi-arabischen Behörden zu durchlaufen. Amnesty International liegen jedoch keine weiteren Informationen über die Verhandlungen zwischen den jemenitischen, den saudi-arabischen und den US-Behörden vor.

Die Familie von Adnan Farhan Abdul Latif lebt im Jemen; er hat einen zehnjährigen Sohn. Er hat keine Familienangehörigen oder Bekannten in Saudi-Arabien.