Isolation in Guantánamo

Camp 5, Guantánomo Bay U.S. Militärbasis Kuba

Camp 5, Guantánomo Bay U.S. Militärbasis Kuba

Der Jemenit Adnan Farhan Abdul Latif wird in Guantánamo in Isolationshaft gehalten. Im März hat er seinem Anwalt gegenüber angegeben, dass er weiterhin Misshandlungen ausgesetzt ist und Selbstmordgedanken hegt.

Appell an

US-PRÄSIDENT
President Barack Obama
The White House
1600 Pennsylvania Avenue NW,
Washington DC 20500
USA
(korrekte Anrede: Dear Mr. President)
Fax: (001) 202 456 2461
E-Mail: über http://www.whitehouse.gov/contact

JUSTIZMINISTER
The Honorable Eric H. Holder
Attorney General, US Department of Justice
950 Pennsylvania Avenue NW,
Washington DC 20530-0001, USA
(korrekte Anrede: Dear Attorney General)
Fax: (001) 202 307 6777
E-Mail: AskDOJ@usdoj.gov

SONDERBOTSCHAFTER DER US-REGIERUNG ZUR SCHLIEßUNG VON GUANTÁNAMO
Daniel Fried
US Department of State
2201 C Street NW
Washington DC, 20520

USA

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030 8305 1050
E-Mail: http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18 . Juni 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Drücken Sie ihre Sorge über die physische und psychische Gesundheit von Adnan Farhan Abdul Latif und die von ihm berichteten Misshandlungen aus.

  • Fordern Sie das Ende seiner Einzelhaft.

  • Dringen Sie darauf, dass umgehend eine Untersuchung seiner Misshandlungsvorwürfe eingeleitet wird.

  • Fordern Sie, dass Adnan Farhan Abdul Latif der sofortige Zugang zu unabhängigen FachärztInnen gewährt wird.

  • Fordern Sie seine Freilassung, sofern ihm kein faires Gerichtsverfahren wegen erkennbarer Straftaten vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht gemäß den internationalen Standards für ein faires Gerichtsverfahren gewährt wird.

Sachlage

Seit über acht Jahren befindet sich Adnan Farhan Abdul Latif (Häftlingssnummer 156) ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Guantánamo in Haft. Zurzeit wird er in Camp 5 in Isolationshaft gehalten. Dort befinden sich auch die übrigen n Gefangenen, die noch im Hungerstreik sind, sowie einige andere Inhaftierte. Adnan Farhan Abdul Latif hat seinen Hungerstreik beendet. Fast alle anderen Guantánamo-Häftlinge sind inzwischen in Gemeinschaftshaft in den Camps 1, 4 und 6 untergebracht. Der Anwalt von Adnan Farhan Abdul Latif hat die Behörden aufgefordert, ihn aus seiner Einzelhaft zu entlassen und in eines der anderen Camps zu verlegen.

In einem Brief an seine Anwälte vom März 2010 berichtete Adnan Farhan Abdul Latif von wiederholten Misshandlungen durch Angehörige der "Immediate Reaction Force" (IRF). Er schreibt darin: "Angehörige der IRF kommen regelmäßig in meine Zelle. Sie stoßen mich und werfen mich zu Boden. (...) vor zwei Tagen würgten sie mich und übten starken Druck hinter meinen Ohren aus. (...) Ich verlor für mehr als eine Stunde das Bewusstsein". Sein Anwalt sprach gegenüber Amnesty International von Schnitten und Blutergüssen bei seinem Mandanten. In dem Brief schrieb Adnan Farhan Abdul Latif außerdem, dass die Umstände, in denen er lebt "den Tod wünschenswerter machen als das Leben. (...) Ich habe die Lust zu leben, zu schlafen oder zu ruhen verloren". Er hat bereits mehrere Suizidversuche unternommen. Am 10. Mai 2009 schlitzte er sich während eines Treffens mit seinem Anwalt ein Handgelenk auf und bespritzte diesen mit Blut. Nach diesem Vorfall durfte er seinen Anwalt nur noch gefesselt treffen.

Adnan Farhan Abdul Latif wurde zuvor in der psychiatrischen Abteilung von Guantánamo in Einzelhaft gehalten. Amnesty International liegen keine weiteren Informationen über seinen derzeitigen Gesundheitszustand vor. In Anbetracht seiner Selbstmordversuche, seiner physischen Beschwerden und psychischen Probleme und der fortdauernden Haft ohne Anklageerhebung oder Verfahren auf unbestimmte Zeit, ist Amnesty International weiterhin äußerst besorgt um den psychischen und physischen Gesundheitszustand von Adnan Farhan Abdul Latif.
Adnan Farhan Abdul Latif hat einen kleinen Sohn, seine ganze Familie lebt im Jemen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Derzeit werden 181 Männer im Gefangenenlager auf dem US-Marinestützpunkt Guantánamo auf Kuba festgehalten. Die von US-Präsident Barack Obama am 22. Januar 2009 per Verfügung angeordnete Untersuchung der Haftbedingungen in Guantánamo führte zur der Empfehlung, dass etwa 35 der Gefangenen Verfahren vor dem US-Bundesgericht oder einer US-Militärkommission erhalten und etwa 48 Häftlinge weiterhin ohne Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert bleiben sollen. Die übrigen ungefähr 100 Inhaftierten sollen entweder unmittelbar oder zu einem späteren Zeitpunkt entlassen werden.

Mehr als die Hälfte der weiterhin Gefangenen sind jemenitische Staatsbürger. Im Dezember 2009 haben US-Behörden jegliche Überstellung jemenitischer Häftlinge von Guantánamo aus Sicherheitsbedenken ausgesetzt. Es ist nicht bekannt, wie viele der jemenitischen Gefangenen für eine Freilassung in Frage kommen, Schätzungen zufolge jedoch mehr als fünfzig Prozent.
Die Behörden des Jemen fordern weiterhin die Rückkehr der jemenitischen Gefangenen in ihr Heimatland.

Die US-Regierung will das Hochsicherheitsgefängnis Thomson Correctional Center in Illinois kaufen und umbauen lassen. Dort sollen alle Guantánamo-Häftlinge untergebracht werden, die entweder auf ein Verfahren vor einer Militärkommission oder einem Bundesgericht warten, oder die so eingestuft wurden, dass die USA weder ein Strafverfahren einleiten noch ihre Entlassung verfügen können, und Gefangene, die auf Überstellung oder Freilassung warten. Die US-Regierung sucht hierfür die Zustimmung des Kongresses. Es sind noch keine endgültigen Entscheidungen bekannt gegeben worden.